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Russische Panzerwagen auf der Krim gesichtet

Bewaffnete Männer besetzen auf der Krim Regierungsgebäude. Auch mit russischen Truppen, die auf der Halbinsel stationiert sind, könnte es zu Konflikten kommen. Russland versetzte Kampfjets in Alarmbereitschaft.

Hunderte Soldaten marschierten auf der Krim auf: Truppen vor einem Grenzposten in Balaklawa. (1. März 2014)
Hunderte Soldaten marschierten auf der Krim auf: Truppen vor einem Grenzposten in Balaklawa. (1. März 2014)
Baz Ratner, Reuters
Nach wie vor wurde nicht offiziell bestätigt, dass es sich bei den Soldaten um russische Truppen handelt. Ihre Uniformen, Waffen und Fahrzeuge sind aber russischer Herkunft.
Nach wie vor wurde nicht offiziell bestätigt, dass es sich bei den Soldaten um russische Truppen handelt. Ihre Uniformen, Waffen und Fahrzeuge sind aber russischer Herkunft.
AP Photo/Andrew Lubimov
Dutzende Personen wurden bei den Ausschreitungen verletzt: Auch Schusswaffen sollen eingesetzt worden sein. (26. Februar 2014)
Dutzende Personen wurden bei den Ausschreitungen verletzt: Auch Schusswaffen sollen eingesetzt worden sein. (26. Februar 2014)
Reuters
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Bewaffnete Männer haben heute Morgen das Parlamentsgebäude und den Regierungssitz auf der ukrainischen Halbinsel Krim besetzt. Je rund fünfzig mit modernen Waffen ausgerüstete Männer seien in der Nacht in die beiden Gebäude in der Regionalhauptstadt Simferopol eingedrungen, sagte der Regierungschef der halbautonomen Republik Krim, Anatoli Mohiljow. Seine Behörden bereiteten «Massnahmen» vor.

Wie die ukrainische Zeitung «Fakty i Kommentarii» berichtet, hat es inzwischen einen ersten Verhandlungsversuch zwischen dem Regierungschef und den Besetzern gegeben. Dieser habe nichts gebracht. Die genauen Forderungen der Besetzer sind noch nicht bekannt. Angeblich sollen sie eine Debatte im Regionalparlament der Krim fordern. Der Parlamentspräsident in Simferopol lehnte gestern eine Debatte über die Unabhängigkeit der Krim ab.

Über Twitter werden Fotos des besetzten Parlamentsgebäudes verschickt.

Ein AFP-Reporter berichtete, über den besetzten Gebäuden sei die russische Flagge gehisst worden. Die Nachrichtenagentur Interfax hatte zuvor gemeldet, dutzende Männer in Uniformen ohne Rangabzeichen hätten am frühen Morgen auf die Fenster des Parlaments geschossen und die Wachen zum Verlassen des Gebäudes gezwungen. Demnach wurden die Gebäude verbarrikadiert und von der Polizei umstellt. Bis zu Tausend Beamte sollen in Simferopol präsent sein.

Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow erklärte, Spezialeinheiten der Polizei seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Damit solle ein «Blutbad unter der Zivilbevölkerung» vermieden werden. Awakow sprach von «Provokateuren» und rief dazu auf, «einen kalten Kopf» zu bewahren. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldet allerdings, dass überall auf der Krim bewaffnete Selbstverteidigungsgruppen in Richtung Simferopol aufgebrochen sind.

Russische Kampfflugzeuge in Alarmbereitschaft

In Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim, übernahm nach einer Strassenabstimmung der Russe Alexander Tschalyi das Bürgermeisteramt. Moskautreue Kräfte richteten Grenzposten an den Zugängen zur Stadt ein. Die Führung in Moskau fürchtet, dass ukrainische Nationalisten den Autonomie-Status beenden könnten. Das will der Kreml nicht zulassen.

Russische Truppen errichten bei Sewastopol Barrikaden. (26. Februar 2014/Quelle: Storyful/sevastopolnts)

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sprach von einer «neofaschistischen» Stimmung in Teilen der Ukraine und warnte vor einer Diskriminierung der russischen Minderheit. Das Aussenministerium hat über Twitter erklärt, Russland werde die Rechte seiner Landsleute auf der Krim «stark und kompromisslos» verteidigen. Ein Video zeigt zudem, wie russische Truppen in Sewastopol Barrikaden errichten. Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu sagte, sein Land werde Massnahmen ergreifen, um seine Infrastruktur in der Stadt zu schützen. Russland hat seine Schwarzmeerflotte in der Hafenstadt Sewastopol stationiert und verfügt daher auf der Krim über grosse Truppenkontingente.

Der Regierungschef der Krim, Anatoli Mohiljow, bestätigte derweil Berichte, wonach sieben russische Panzerwagen (BTR) Sewastopol verlassen haben.

Ein Foto auf Twitter zeigt russische Panzerwagen, die sich von Sewastopol in Richtung Simferopol bewegen sollen.

Laut einem Newsportal von der Krim haben die Panzerwagen inzwischen vor Simferopol angehalten. Alexander Turtschinow, der ukrainische Interimspräsident, warnte die russischen Truppen davor, den Flottenstützpunkt zu verlassen. «Jede Truppenbewegung wird als militärische Aggression gewertet», sagte Turtschinow heute vor dem Parlament.

Von russischer Seite gibt es bislang keine Stellungnahme zu den Panzerwagen. Dafür hat Russland laut offiziellen Angaben Kampfflugzeuge an seiner Westgrenze in Alarmbereitschaft versetzt. Die Jets würden Grenz-Patrouillen fliegen, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax heute aus einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums.

Zusammenstösse zwischen Russen und Krimtataren

Die Mehrheit der Krimbewohner sind ethnische Russen. Am Mittwoch kam es auf der Krim zu Auseinandersetzungen zwischen Russen und Anhängern der neuen ukrainischen Führung.

Die Grosskundgebung vor dem Krim-Parlament. (26. Februar 2014/Quelle: Storyful/RadioSvoboda)

Deutlich mehr als 10'000 Krimtataren demonstrierten vor dem Regionalparlament in Simferopol gegen eine Abspaltung der Autonomen Krim-Republik. Die Krim-Tataren sind Muslime und haben sich aktiv an den Protesten gegen Ex-Präsident Viktor Janukowitsch beteiligt. Sie wollen sich von Russland abgrenzen, denn im Zweiten Weltkrieg wurden sie vom damaligen sowjetischen Machthaber Josef Stalin im grossen Stil verfolgt und deportiert.

Hingegen machten rund 4000 prorussische Demonstranten Stimmung für eine engere Anbindung der Krim an Moskau. Die Krim gehört erst seit 1954 zur Ukraine. Es gibt seit längerem separatistische Tendenzen.

Sicherheitskräfte sprachen nach den gestrigen Ausschreitungen von mindestens 30 Verletzten durch Stein- und Flaschenwürfe. Am Abend kam es zu Feuergefechten. Ein Mensch starb an Herzversagen.

sda/AFP/ldc

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