Zwei Angreifer in Jerusalem erschossen

Zwei Messerattacken und fünf Verletzte: Die Polizei in Jerusalem tötet die palästinensischen Angreifer. Die israelische Luftwaffe reagiert auf Raketen aus dem Gazastreifen.

Weitere Messerstechereien in Jerusalem heizen den Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern an: Polizei sichert den Ort eines Messerangriffs.

Weitere Messerstechereien in Jerusalem heizen den Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern an: Polizei sichert den Ort eines Messerangriffs.

(Bild: Mahmoud Illean/AP)

Israels Luftwaffe hat nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen ein Ziel im Süden des Palästinensergebiets angegriffen. Beim Einsturz eines Hauses nahe des Ziels starben mindestens zwei Menschen: Eine schwangere 30-Jährige und deren vierjährige Tochter.

Das israelische Militär erklärte, die Luftwaffe habe zwei Ziele der radikalislamischen Hamas angegriffen. Dies sei eine Antwort auf die beiden Raketen gewesen, die am Freitag und Samstag auf Israel abgeschossen wurden und keine Opfer gefordert hatten.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza sagte, in der Einrichtung selbst sei niemand verletzt worden. Allerdings sei ein nahestehendes Haus eingestürzt. Nebst den zwei Toten seien auch vier Familienmitglieder verletzt worden.

Drei Raketen waren zuvor aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert worden. Wer sie abschoss, war zunächst unklar. Zwei Raketen gingen auf offenem Gelände in Israel nieder. Schäden oder Verletzte gab es nicht.

Mehrere Messerattacken

Zwei Palästinenser sind am Samstag nach Messerattacken auf Israelis erschossen worden. Am Morgen stach ein Jugendlicher in Jerusalem auf zwei Menschen ein, am Nachmittag attackierte ein weiterer Mann dort zwei Polizisten, wie Polizeisprecher Micky Rosenfeld sagte. Beide Angreifer seien von Sicherheitskräften getötet worden.

Zwei weitere Palästinenser wurden bei einer gewaltsamen Demonstration nahe dem Grenzzaun zum Gazastreifen getötet. US-Aussenminister John Kerry forderte eine Beruhigung der zugespitzten Lage.

Jugendliche warfen an der Grenze zum Gazastreifen Steine auf Soldaten und rollten brennende Reifen in ihre Richtung. Ein Krankenhaussprecher sagte, die Soldaten hätten einen 13- und einen 11-Jährigen erschossen. Dutzende Palästinenser aus dem Gazastreifen durchbrachen kurzzeitig die schwer bewachte Grenze zu Israel. Fünf Personen wurden festgenommen.

Zwei Raketen innerhalb 24 Stunden

Eine zweite Rakete innerhalb von 24 Stunden wurde am Samstagabend aus Gaza nach Israel abgefeuert, jedoch vom israelischen Abfangsystem gestoppt. Es gab keine Verletzten oder Schäden.

Die Lage zwischen den Israelis und den Palästinensern hat sich diesen Monat erneut dramatisch zugespitzt. Auslöser war der neu aufgeflammte Disput um den Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem, der sowohl für Juden als auch Muslime heilig ist. Erneute Gerüchte machten die Runde, dass Israel den Zugang auf das Plateau, auf dem auch die Al-Aksa-Moschee steht, für Muslime beschränken und für Juden ausweiten wolle.

Im Zuge des Streits kam es zu einer Reihe von Messerattacken und Strassenschlachten zwischen jungen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Beobachter fürchten bereits einen dritten Palästinenseraufstand, eine sogenannte Intifada. Die gewaltsamen Proteste gingen mittlerweile über Jerusalem hinaus und erreichten das Westjordanland und den Gazastreifen.

Kerry telefoniert mit Abbas und Netanyahu

US-Aussenminister John Kerry forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas in Telefonaten zur Beruhigung der Situation auf. Die USA beobachteten die Eskalation und das Blutvergiessen rund um den Tempelberg sehr genau, sagte Kerry laut dem State Department. Es sei wichtig, aufrührerische Rhetorik zu verhindern, so der US-Chefdiplomat.

Beim ersten der beiden Messerangriffe am Samstag stach ein 16-jähriger Araber auf zwei Israelis ein, die zu Fuss von der Altstadt ins Zentrum von Jerusalem unterwegs waren. Polizisten hätten die blutenden Verwundeten gesehen und das Feuer auf den Angreifer eröffnet, als dieser auch auf sie zugelaufen sei, sagte Polizeisprecher Rosenfeld. Der Jugendliche wurde dabei getötet, die beiden Israelis kamen mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus.

Drei israelische Polizisten verletzt

Wenig später stach ein zweiter Angreifer am Rande der Altstadt auf zwei Polizisten ein und verletzte einen am Hals. Andere Beamte hätten daraufhin auf den Palästinenser geschossen, ihn getötet, aber auch einen Kollegen verletzt, sagte Rosenfeld. Drei Polizisten wurden ins Krankenhaus gebracht, einer mit schweren Verletzungen.

In einem arabischen Viertel Jerusalems wurde die Polizei laut Rosenfeld von einem 25-Jährigen angegriffen, der daraufhin von Beamten niedergeschossen wurde. Der junge Mann starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. In Beit Omar nahe Hebron im Westjordanland starb ein 28-jähriger Palästinenser an Wunden, die er sich bei Zusammenstössen am Donnerstag zugezogen hatte, wie der palästinensische Rote Halbmond mitteilte.

Seit die jüngsten Unruhen in diesem Monat ausgebrochen sind, wurden acht Palästinenser nach Attacken getötet. 13 starben bei Protesten und Zusammenstössen im Westjordanland und Gazastreifen. Dem Roten Halbmond zufolge wurden mehr als 500 Palästinenser im Westjordanland verletzt.

ofi/chk/AP/sda

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