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Wurde Ghadhafi von Bashar al-Assad verraten?

Mit der Hilfe von Bashar al-Assad soll Frankreichs Geheimdienst die Festnahme von Libyens Ex-Diktator orchestriert haben. Dies wirft Fragen bezüglich der Rolle der Nato und jener Nicolas Sarkozys auf.

Gegen beide lehnte sich das Volk auf: Muammar al-Ghadhafi (l.) und Bashar al-Assad.
Gegen beide lehnte sich das Volk auf: Muammar al-Ghadhafi (l.) und Bashar al-Assad.
Keystone

Am 20. Oktober 2011 wurde Muammar al-Ghadhafi in der Nähe von Sirte von Rebellen aus einem Abwasserrohr gezerrt. Zwei Monate nachdem er aus Tripolis geflohen war, hatten Nato-Flieger seinen Konvoi ausserhalb der libyschen Küstenstadt entdeckt und bombardiert; wie das Militärbündnis betonte, ohne zu wissen, dass es sich um Ghadhafi und seine Gefolgsleute handelte. Kurz nach seiner Festnahme war der ehemalige libysche Herrscher tot.

Ein Bericht der britischen Zeitung «The Telegraph» deutet nun darauf hin, dass die Entdeckung und Gefangennahme Ghadhafis bei weitem nicht so zufällig vor sich ging, wie dies bisher den Anschein machte. So sollen der syrische Präsident Bashar al-Assad und der französische Geheimdienst bei der Festsetzung Ghadhafis ihre Finger mit im Spiel gehabt haben.

Über das Satellitentelefon aufgespürt

Rami El Obeidi, ein ehemaliger Agent im Dienst des Nationalen Übergangsrats von Libyen, erzählte der Zeitung, wie Ghadhafi im Oktober 2011 aufgespürt wurde. In Sirte operierende französische Spione seien im Besitz der Nummer von Ghadhafis Satellitentelefon gewesen. Dieses hätten sie über eine längere Zeit überwacht. Als der ehemalige libysche Machthaber schliesslich zwei Anrufe an Verbündete tätigte, seien die Spione in der Lage gewesen, Ghadhafis genaue Bewegungen zu registrieren und den Rebellen weiterzuleiten. So seien die Einheiten der Aufständischen am 20. Oktober gezielt gelotst worden, um den einstigen Diktator aufzugreifen.

Brisant dürfte sein, wie der französische Geheimdienst überhaupt zur fraglichen Telefonnummer gelangt war. Wie El Obeidi gegenüber dem «Telegraph» sagte, gab das syrische Regime die Nummer weiter. Bashar al-Assad habe Frankreich die Nummer zugeschanzt, weil der internationale Fokus bereits von den Geschehen in Libyen auf die Kämpfe in Syrien zu wechseln begann. «Im Gegenzug hat Assad bei Frankreich eine Verschnaufpause vom internationalen politischen Druck ausgehandelt», so der ehemalige Geheimdienstler weiter.

Bis anhin war es der Zeitung laut eigenen Aussagen nicht möglich, El Obeidis Angaben über den Verrat an dem nahöstlichen Diktator bestätigen zu lassen. Doch sei es bemerkenswert, dass am Wochenende auch Mahmoud Jibril, der ehemalige Premierminister der libyschen Übergangsregierung, von einem ausländischen Agenten sprach, der an der Gefangennahme Ghadhafis beteiligt gewesen sein soll. Die italienische Zeitung «Corriere della Sera» will aus Diplomatenkreisen wissen, dass es sich bei diesem Agenten zweifelsohne um einen Franzosen handelte.

Wollte Sarkozy Ghadhafi loswerden?

Bewahrheiten sich die Aussagen des libyschen Agenten, könnte dies Fragen bezüglich der Rolle der Nato in Libyen aufwerfen. Ursprünglich hatte das Militärbündnis betont, im Konflikt keine Einsätze gegen individuelle Ziele zu fliegen. Sollte sich nun herausstellen, dass Frankreich die Festnahme Ghadhafis orchestrierte, dürfte die Darstellung der Nato, wonach der Konvoi nicht als derjenige des Diktators identifiziert wurde, ins Schwanken geraten.

Fraglich dürfte auch sein, inwiefern der französische Geheimdienst bei der Tötung Ghadhafis seine Finger im Spiel hatte. Rami El Obeidi meinte gegenüber dem «Telegraph», die Agenten hätten den Rebellen zwar den Auftrag gegeben, Ghadhafi lebend zu fangen. Sie hätten jedoch keinen Hehl daraus gemacht, dass ihnen allfällige Misshandlungen egal seien.

Einen Schritt weiter geht hier der «Corriere della Sera». Das Blatt behauptet zu wissen, Frankreich habe nichts weniger als den Tod Ghadhafis gewollt. Paris habe sich aktiv an der Suche nach dem Machthaber beteiligt, weil dieser zu einer Gefahr für den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy geworden war. Ghadhafi hatte ihm gedroht, Details über Millionenspenden für den Wahlkampf 2007 an den Ex-Präsidenten zu verraten. «Sarkozy hatte jeden Grund, den Oberst so schnell wie möglich loszuwerden», zitiert das Blatt einen anonymen Diplomaten.

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