Zum Hauptinhalt springen

«Wir wurden entführt»

Im Westjordanland wurden drei israelische Teenager gekidnappt. Ein Israeli bereut, die Tramper zuvor ein Stück weit mitgenommen zu haben. Das letzte Lebenszeichen der Entführten ist ein Anruf.

Suchen fieberhaft nach den drei entführten Jugendlichen: Israelische Soldaten und ein Spürhund in Hebron. (16. Juni 2014)
Suchen fieberhaft nach den drei entführten Jugendlichen: Israelische Soldaten und ein Spürhund in Hebron. (16. Juni 2014)
Hazem Bader, AFP
Wurden vor vier Tagen entführt: Eyal Yifrach, Naftali Frenkel und Gilad Shaer.
Wurden vor vier Tagen entführt: Eyal Yifrach, Naftali Frenkel und Gilad Shaer.
Twitter/@haaretzcom
Palästinenser beobachten einen Soldaten beim Sucheinsatz im Westjordanland. (15. Juni 2014)
Palästinenser beobachten einen Soldaten beim Sucheinsatz im Westjordanland. (15. Juni 2014)
AP Photo/Majdi Mohammed, Keystone
1 / 11

Die Entführung von drei israelischen Teenagern sorgt für eine neue Eskalation in den Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern. Im jüdischen Staat werden die Erinnerungen an den Fall des Soldaten Gilad Shalit wach, der nach mehr als fünfjähriger Gefangenschaft im Gazastreifen 2011 gegen mehr als 1000 Palästinenser ausgetauscht wurde. Es kam zu zahlreichen Sympathiebekundungen für die Familien der Entführten, die Sicherheitskräfte führen eine gross angelegte Suche im Westjordanland durch.

Die drei Teenager studierten an religiösen Schulen in Siedlungen im Westjordanland. Der 19-jährige Eyal Yifrach und die zwei 16-jährigen Gilad Shaer und Naftali Frankel wurden zuletzt am Donnerstagabend nahe der jüdischen Siedlung Gush Etzion im südlichen Teil des Westjordanlands gesehen. Es wird angenommen, dass sie per Anhalter nach Jerusalem gelangen wollten. Ein Mann aus Beersheba sagte gegenüber der «Times of Israel», er habe die drei ein Stück weit mitgenommen. Er habe sie gefragt, ob sie nicht Angst hätten, in der Nacht im Westjordanland zu trampen, habe aber nur eine unverbindliche Antwort erhalten. «Einerseits bereue ich es, sie mitgenommen zu haben. Vielleicht wäre es nicht zu ihrer Entführung gekommen. Andererseits wünschte ich, ich hätte sie nach Hause gebracht», sagt der Mann.

Mutter wendet sich an Medien

Gilad Shaer, der sechs Geschwister hat, stand während seiner Reise offenbar immer wieder in Kontakt mit seiner Familie. Als der Kontakt abbrach, hätten die Eltern umgehend die Polizei alarmiert, sagt ein Sprecher der kleinen Siedlung Talmon, wo Shaer wohnte, gegenüber der «Jerusalem Post». Auch einer der Teenager soll laut der «New York Times» den Notruf der Polizei angerufen und gesagt haben: «Wir wurden entführt.» Der Sprecher von Talmon wie auch eine Nachbarin und Freundin der Familie beschreiben den 16-Jährigen als freundlichen, beliebten und lebensfrohen Teenager.

Die Mutter des ebenfalls entführten Naftali Frankel, der auch die US-Bürgerschaft hat, wandte sich als erste Vertreterin der betroffenen Eltern direkt an die Medien. «Wir vertrauen darauf, dass sie wieder hier mit uns sein werden und wir sie schon bald umarmen können», sagte Racheli Frankel gemäss CNN. «Wir spüren die grosse Unterstützung, die Gebete und die positive Energie in diese Richtung.» Sie dankte den Sicherheitskräften und der US-Botschaft für ihre Bemühungen. Auch Naftali Frankel wird von seinem Umfeld als umgänglicher, engagierter junger Mann beschrieben. Laut seinem Onkel spielt er gerne Fussball.

Vom dritten Entführungsopfer, Eyal Yifrach, ist sein musikalisches Interesse bekannt. Er hatte noch wenige Tage vor seinem Verschwinden an der Hochzeit einer Cousine ein selber komponiertes Lied gespielt.

«Bring Back Our Boys»

In Israel läuft eine Kampagne über soziale Medien zur Unterstützung der Suche. Eine Facebook-Seite hatte am Montagmittag 78'000 Likes. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter läuft unter dem Hashtag #BringBackOurBoys eine Aktion. In Anlehnung an die Kampagne #BringBackOurGirls für die in Nigeria von der islamistischen Boko Haram entführten Mädchen senden Unterstützer Bilder ein, die sie mit diesem Slogan zeigen.

Das stösst in propalästinensischen Kreisen auf wenig Verständnis. Unter demselben Hashtag senden sie Nachrichten, die insbesondere auf die zahlreichen palästinensischen Jugendlichen hinweisen, die von israelischen Sicherheitskräften verhaftet und festgehalten werden.

Gross angelegte Suche

Die Lebensgefahr für die entführten Israelis wird als gross eingeschätzt. Frühere Entführungen in dieser Region sind meist tödlich verlaufen. Noch ist nichts über das Schicksal der Jugendlichen bekannt, und die Armee geht davon aus, dass sie noch leben. Da die israelischen Sicherheitskräfte im Westjordanland über ein engmaschiges Netz verfügen, wird befürchtet, dass die Entführer versuchen, ihre Gefangenen in den Gazastreifen oder nach Jordanien zu bringen. Um dies zu verhindern, hat die Armee die 200'000-Einwohner-Stadt Hebron praktisch abgeriegelt. Eine zusätzliche Luftlandebrigade, leichte Infanterie und eine Spezialeinheit wurden in die Region verlegt.

Die Sicherheitskräfte kontrollieren alle Autos, durchkämmen die Region und durchsuchen Häuser. Bis zur Nacht auf heute wurden rund 150 Personen verhaftet, darunter der Vorsitzende des neu gebildeten palästinensischen Parlaments, Asis Dweik von der Hamas. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu macht die radikalislamische Organisation für die Entführung verantwortlich – und mit ihr auch die gesamte palästinensische Einheitsregierung, die aus Hamas-Vertretern aus dem Gazastreifen und aus Vertretern aus dem Westjordanland besteht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch