«Wir können zwischen Bürgerkrieg und Militärintervention wählen»

Für die Opposition in Syrien wird eine militärische Intervention aus dem Ausland immer mehr zur Option. Allein am Mittwoch kamen bei Kämpfen 74 Syrer ums Leben. In Homs starben zwei westliche Journalisten.

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UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon will seine Nothilfekoordinatorin Valerie Amos nach Syrien schicken. Die Britin solle sich ein Bild von der humanitären Lage machen, sagte ein UNO- Sprecher am Mittwoch in New York. Zugleich solle sie die Forderung der Vereinten Nationen nach Zugang für humanitäre Hilfe erneuern. Wann Amos reisen wird, war zunächst unklar. In einem Brief an alle Mitgliedsländer hatte sich Amos «tief besorgt» über die Situation in Syrien gezeigt.

Viele Menschen seien verzweifelt, zwischen 100'000 und 200'000 seien auf der Flucht. Die meisten seien bei Verwandten untergekommen, etwa 20'000 hätten es ins Ausland geschafft.

Gebraucht würden Nahrung, aber auch Medikamente und selbst Decken. Viele Gebiete seien für die Nothelfer aber gar nicht zugänglich. Sie wolle deshalb so schnell wie möglich nach Syrien reisen und auf Bewegungsfreiheit für die Helfer drängen.

EU plant Strafmassnahmen

Die EU-Länder wollen am kommenden Montag bei einem Treffen der Aussenminister die Strafmassnahmen gegen Syrien verschärfen. Beschlossen werden sollen ein Landeverbot von syrischen Frachtflügen sowie Einschränkungen für den Handel mit Gold und anderen Edelmetallen, wie EU-Diplomaten am Mittwoch in Brüssel sagten. In der syrischen Protesthochburg Homs wurden eine US-Journalistin und ein französischer Fotograf getötet.

Auch die Guthaben der syrischen Zentralbank in der EU sowie manche Transaktionen der Bank werden den Angaben zufolge gesperrt. Sieben weitere Personen sollen zudem mit Einreiseverboten und Vermögenssperren belegt werden. Die EU will mit den Sanktionen den Druck auf Damaskus erhöhen und ein Ende der Gewalt gegen die Oppositionsbewegung erzwingen.

Zwei westliche Journalisten getötet

Die 56-jährige Marie Colvin von der britischen «Sunday Times» und der 28-jährige Rémi Ochlik von der Agentur IP3 Press wurden nach Angaben syrischer Regierungsgegner von einer Granate der Armee tödlich getroffen. Beide hielten sich ohne Genehmigung der syrischen Behörden in Homs auf. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Tötung der beiden Journalisten als «Verbrechen». Augenzeugen berichteten, bis zu vier weitere ausländische Reporter seien verletzt worden. Darunter war die Französin Edith Bouvier von der Zeitung «Le Figaro».

Der französische Staatschef Nicolas Sarkozy reagierte empört auf den Tod der beiden Journalisten: «Jetzt reicht es, das Regime muss gehen.» Aussenminister Alain Juppé machte die syrischen Behörden verantwortlich und forderte sie auf, den freien Zugang zu den Verletzten zu gewährleisten. Paris und London bestellten Syriens Botschafter ein.

Opposition fordert Schutzzone

Homs steht seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss der syrischen Armee. Bei Kämpfen in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten am Mittwoch mindestens 74 Menschen getötet worden. Allein in der Stadt Homs seien 20 Menschen ums Leben gekommen, teilten Mitglieder der Örtlichen Koordinationskomitees mit. Weitere 29 Opfer seien aus Idlib und 13 aus Hama gemeldet worden, die übrigen aus anderen Teilen des Landes.

Russland stellte sich hinter einen Aufruf des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), in Homs und anderen umkämpften Gegenden eine tägliche zweistündige Kampfpause zur Versorgung der Bevölkerung einzuhalten. Zugleich wies Moskau einen Vorschlag Frankreichs zur Einrichtung humanitärer Korridore zurück.

Die Sprecherin des oppositionellen Syrischen Nationalrats, Basma Kodmani, forderte die Einrichtung von «Schutzzonen» und erklärte, eine Militärintervention könne die «letzte Option» sein. «Wir haben die Wahl zwischen zwei Übeln: Militärintervention oder Bürgerkrieg», sagte sie. In Genf erörterten Vertreter des Nationalrats mit dem IKRK Möglichkeiten zur Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Hilfsmitteln.

kpn/AFP

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