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Wenn der IS-Henker Tango mit der Geisel tanzt

Ein Däne hat 13 Monate lang als Häftling des Islamischen Staates verbringen müssen. Der 26-Jährige hat Brutales, aber auch Bizarres unter seinen Peinigern erlebt.

Sadistische Spiele: «Jihadi John» quälte sein Opfer Daniel Rye Ottosen 13 Monate lang. (Archiv)
Sadistische Spiele: «Jihadi John» quälte sein Opfer Daniel Rye Ottosen 13 Monate lang. (Archiv)
AFP

Daniel Rye Ottosen, ein 26-jähriger Fotograf aus Dänemark, hat gegenüber dem dänischen TV-Sender DR Einzelheiten aus seiner Haft beim Islamischen Staat (IS) in Syrien erzählt. Einer seiner Aufseher sei stets maskiert und habe den von den britischen Boulevard-Medien gewählten Übernamen «Jihadi John» getragen.

«Eines Tages hat er mich in die Höhe gestemmt, und ich musste mit ihm Tango tanzen», erklärte Rye Ottosen. «Dann führte er mich durch das Gefängnis. Plötzlich wandelte sich seine Laune, er warf mich auf den Boden. Er und seine Kameraden traten mich mit ihren Füssen. Sie brachen mir mit einer Zange meine Nase, und ich musste weitere Schläge erdulden.»

Zum Grotesken hingezogen

Westliche Beobachter haben inzwischen «Jihadi John» als Mohammed Emwazi identifiziert. Für Michael Weiss, Co-Autor des Buches «ISIS – Inside the Army of Terror», sind die Aussagen des ehemaligen dänischen Gefangenen keine Überraschung. «Emwazi stellt jenen Peiniger dar, der beim Foltern Böses mit Humor vermischt, ähnlich wie im Film ‹A Clockwork Orange›», erklärte Weiss gegenüber CNN.«Es ist ein weiteres Merkmal der perversen und kranken Art, wie der IS Menschen behandelt.» Der britische Kult-Film «A Clockwork Orange» von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1971 ist wegen der Verherrlichung der Gewalt und den brutalen Szenen heute noch umstritten.

Umstritten: Der Film «A Clockwork Orange» aus dem Jahr 1971. (Video: Youtube)

Der ehemalige CIA-Analyst Aki Peritz meinte, dass Emwazi, wie viele andere IS-Krieger auch, sich zum Grotesken hingezogen fühlen. «Die Männer, welche diese Organisation führen und ihre Geisel kontrollieren, sind Sadisten.» Die IS-Sympathisanten hätten mit Jubelgesängen auf den Vorfall mit dem Tango reagiert, sagte Weiss. Anhänger des IS würden es als eine moralische Gutmachung betrachten auf die Art, wie scheinbar Jihadisten in Befragungen von amerikanischen Beamten behandelt würden.

Wo befindet sich Emwazi?

Gemäss CNN ist Emwazi seit vergangenem Januar nicht mehr in Videos des IS aufgetreten. Es ist unklar, ob er sich überhaupt noch in Syrien aufhält. «Er ist offenbar geflohen. Er ist nicht mehr die grosse Berühmtheit und der Sprecher, der er früher war», erklärte Weiss.

Gesucht: Der Mann, der James Foley und andere Gefangene enthauptet hat. (Video: Reuters)

Rye Ottosen, der vom Mai 2013 bis Juni 2014 ein Gefangener des IS gewesen war, wurde für ein hohes Lösegeld von 1,3 Millionen Pfund (rund 1,9 Millionen Franken) von seiner Familie freigekauft. Zu den Mitgefangenen zählte unter anderem auch der Amerikaner James Foley, der zwei Monate nach Rey Ottosens Befreiung vom IS geköpft wurde. Die brutale Hinrichtung wurde auf Film festgehalten – als eines der ersten einer Serie von brutalen Videos des IS.

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