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UNO verurteilt Beschuss von Schule als «moralische Schandtat»

Zum dritten Mal innert zehn Tagen wurde eine UN-Schule im Gazastreifen attackiert. Gleichzeitig gibt Israel bekannt, Teile ihrer Bodentruppen zurückzuziehen.

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Die israelische Armee hat nach der weitgehenden Zerstörung von Tunneln der Hamas am Wochenende mit dem Abzug von Truppenteilen aus dem Gazastreifen begonnen. Sie stellte sich auf grenznahem israelischem Boden auf, und die Kämpfe wurden fortgesetzt. Nach palästinensischen Angaben starben bei einem neuerlichen israelischen Luftangriff auf eine UNO-Schule zehn Menschen im südlichen Gazastreifen.

Die israelische Armee bestätigte, auf ein Ziel nahe einer UNO-Schule im Gazastreifen geschossen zu haben. Im Visier seien drei «Terroristen» der radikalen Palästinensergruppe Islamischer Jihad gewesen, die auf einem Motorrad nahe der Schule unterwegs gewesen seien, erklärte die Armee am Sonntag.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und die USA kritisierten den neuerlichen Beschuss einer UNO-Einrichtung. Ban nannte ihn eine «moralische Schandtat» und «kriminellen Akt», US-Aussenamtssprecherin Jen Psaki sagte, die USA seien erschüttert über den «schandhaften» Vorfall.

Das UNO-Hilfswerk der palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) bestätigte, ersten Berichten zufolge seien nahe der Schule in Rafah mit 3000 Schutzsuchenden Geschosse eingeschlagen. Bei dem Bombardement habe es offenbar «zahlreiche Tote und Verletzte» gegeben.

220'000 flüchten in UNO-Einrichtungen

UNRWA-Chef Pierre Krähenbühl äusserte «Erschütterung und Unglauben» über den wiederholten Beschuss von UNO-Einrichtungen. Laut UNRWA haben im dicht besiedelten Gazastreifen rund 220'000 Menschen Zuflucht in UNO-Schulen gefunden.

Die UNO warnte zudem vor einer humanitären Katastrophe. Die Zerstörung des einzigen Elektrizitätswerks in der Küsten-Enklave und der Mangel an sauberem Wasser verschärfe die Flüchtlingssituation dramatisch.

Rund 1800 Tote

Die Zahl der Toten des jüngsten Konflikts stieg nach palästinensischen Angaben auf 1775. Mindestens zwei Drittel von ihnen sind nach UNO-Einschätzung Zivilisten. Israel hat den Tod von 64 Soldaten und drei Zivilisten bestätigt.

Der Umfang des israelischen Truppenrückzugs aus dem Gazastreifen war zunächst unklar. Die Armee sprach von einer Umgruppierung, betonte zugleich aber, dass die Streitkräfte ihre Operationen fortsetzten.

Am Samstagabend hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bereits deutlich gemacht, dass die Militäroffensive auch nach der Zerstörung des Tunnelsystems der Hamas fortgesetzt werde, bis «wir unsere Ziele erreicht haben, die Sicherheit für die israelischen Bürger wieder herzustellen.»

Netanyahu warnt Hamas

Netanyahu warnte die Hamas vor weiteren Angriffen. «Wir akzeptieren keine Fortsetzung des Beschusses. Die Hamas muss das verstehen, egal wie lange es dauert, dass sie einen aus ihrer Sicht unerträglich hohen Preis für eine Fortsetzung des Beschusses zahlen», sagte der Regierungschef. Am Sonntag setzten die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe im Süden des Küstenstreifens fort.

Der Chef der Hamas-Exilorganisation, Chaled Maschaal, bestritt unterdessen, dass die Hamas die von der UNO und den USA vermittelte Waffenruhe gebrochen habe. Seine Organisation habe die israelische Bedingung, wonach das Militär auch während der Waffenruhe gegen die Tunnel vorgehen kann, nie akzeptiert.

Am Freitag waren zwei israelische Soldaten, die dabei waren, Tunnel der Hamas zu zerstören, durch einen Selbstmordattentäter getötet worden. Der zunächst als verschleppt gemeldete dritte Soldat, Hadar Goldin, sei ebenfalls ums Leben gekommen, teilte das Militär schliesslich mit.

Israelischer Soldat nicht verschleppt

Der 23-Jährige sei nach dem Angriff in den Tunnel verschleppt worden, hiess es zunächst. Erkenntnisse vor Ort hätten ergeben, dass er aber schon bei diesen Kampfhandlungen ums Leben gekommen sei. Am Sonntagnachmittag wurde der Soldat bei Tel Aviv beerdigt - nach israelischen Angaben unter Anteilnahme tausender Menschen.

Nach dem Verschwinden des Soldaten hatte die israelische Armee im Raum Rafah eine mit massiver Feuerkraft unterstützte Suchaktion eingeleitet. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei mehr als 100 Palästinenser getötet und 500 weitere verletzt, zumeist Zivilisten.

Israel lehnte nach dem Vorfall weitere Verhandlungen über eine Waffenruhe ab und schickte keine Delegation zu Vermittlungsgesprächen nach Kairo.

Palästinenser-Delegation in Kairo einig

Dort einigte sich die palästinensische Delegation, zu der sowohl Mitglieder der Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als auch der Hamas gehören, auf Forderungen an Israel, wie ein palästinensischer Vertreter am Sonntagabend in Kairo sagte. Diese sollten nun von den ägyptischen Vermittlern weitergeleitet werden.

Zum Forderungskatalog gehörten neben einer Waffenruhe der Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, das Ende der Besatzung des Gebiets, die Freilassung palästinensischer Gefangener sowie die Öffnung der Grenzübergänge, sagte Maher al-Taher von der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas. Ein Hamas-Mitglied bestätigte die Einigung innerhalb der Delegation.

SDA/mw

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