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Und plötzlich piepste ein Schweizer Fax in Teheran

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich dramatisch zugespitzt – als offenbar eine geheime Nachricht beim Schweizer Botschafter in Teheran eintraf.

Christoph Lenz
Beim Flughafen in Bagdad wurde der iranische General Qassim Soleimani getötet. Die Schweizer Vermittlung spielte in der Folge eine wichtige Rolle. Foto: Keystone
Beim Flughafen in Bagdad wurde der iranische General Qassim Soleimani getötet. Die Schweizer Vermittlung spielte in der Folge eine wichtige Rolle. Foto: Keystone

Kaum hatten die USA vor zehn Tagen die Tötung des iranischen Generals Qassim Soleimani bestätigt, erwachte in der Schweizer Botschaft in Teheran ein Faxgerät zum Leben. Die eingehende Mitteilung stammte von der Trump-Regierung und richtete sich an die iranischen Behörden. Hauptbotschaft: keine Eskalation.

Der Schweizer Botschafter in Teheran, Markus Leitner, nahm das Fax entgegen und überbrachte die Mitteilung umgehend dem iranischen Aussenminister Jawad Sarif. So schildert das «Wall Street Journal» die Ereignisse in der Nacht vom 3. Januar.

Seit diesem Donnerstag scheint die unmittelbare Kriegsgefahr zwischen dem Iran und den USA gebannt. Verschiedene US-Medien beleuchteten nun am Wochenende das diplomatische Seilziehen im Hintergrund des Konflikts. Immer klarer wurde dabei, wie bedeutend die Rolle der Schweiz bei der Vermeidung eines offenen Kriegs war.

Der Schweizer Botschafter vermittelt zwischen den USA und dem Iran: Markus Leitner bei einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani im Jahr 2017. Foto: Swiss Embassy Iran
Der Schweizer Botschafter vermittelt zwischen den USA und dem Iran: Markus Leitner bei einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani im Jahr 2017. Foto: Swiss Embassy Iran

In einem akribisch recherchierten Protokoll der Eskalation kommt die «New York Times» zum Schluss, dass kein europäischer Staat wichtiger war als die Schweiz.

Auch das «Wall Street Journal» schreibt, die Schweizer Botschaft in Teheran habe einen zentralen Beitrag zur Deeskalation geleistet. Während Donald Trump und der iranische Präsident Hassan Rohani öffentlich die Kriegstrommeln rührten, hätten die beiden Staaten im Hintergrund fein kalibrierte Botschaften ausgetauscht. Briefträgerin war die Schweiz.

Fax in besonders geschütztem Raum

Die USA kommunizierten zwar wenig mit dem Iran, wird ein hoher US-Beamter zitiert, beim Überbringen der Botschaften und der Vermeidung von Fehleinschätzungen spiele die Schweiz aber eine wichtige Rolle.

Auch Vertreter des Iran äussern sich positiv. Man schätze die Bemühungen der Schweiz, einen effektiven Kommunikationskanal bereitzustellen, sagt ein Sprecher der iranischen Mission bei der UNO.

Dass dieser Austausch in Krisensituationen hauptsächlich via Fax abgewickelt wird, war bisher kaum bekannt. Gemäss dem «Wall Street Journal» befindet sich das Faxgerät in einem besonders geschützten Raum der Schweizer Botschaft in Teheran. Das verschlüsselte Gerät sei über eine gesicherte Leitung mit dem Aussenministerium in Bern und der Schweizer Botschaft in Washington verbunden. Nur die höchsten Offiziellen der Botschaft hätten die erforderliche Berechtigung, das Faxgerät zu bedienen, schreibt das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Schweizer Diplomaten.

Schutzmacht seit 40 Jahren

Wie viele Personen es sind und warum die Schweiz, die USA und der Iran auf die doch eher anachronistische Fax-Technologie vertrauen, diese Fragen will das Aussendepartement (EDA) gegenüber dieser Zeitung nicht beantworten. «Der diplomatische Kommunikationskanal zwischen den USA und dem Iran, den die Schweiz im Rahmen des Schutzmachtmandats zur Verfügung stellt, funktioniert weiterhin», sagt ein Sprecher. Aus Gründen der Vertraulichkeit könne das EDA keine weiteren Angaben machen.

Die Schweiz vertritt seit 1980 die Interessen der USA in Teheran. Dies, weil die USA und der Iran seit 1979 keine direkten diplomatischen Beziehungen mehr pflegen. Dieses sogenannte Schutzmachtmandat hat in den letzten Jahren mit der Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran an Bedeutung gewonnen. Wie die NZZ im letzten September berichtete, wird der Schweizer Botschafter in Teheran regelmässig von den dortigen Behörden einbestellt.

Video: Ein Überblick über die Ereignisse

Die iranische Armee hat ein ukrainisches Passagierflugzeug abgeschossen. Video: Tamedia

Im USA-Podcast «Entscheidung 2020» diskutieren Christof Münger, Auslandchef von Tamedia, und Korrespondent Martin Kilian über die Iran-Krise, Donald Trump und das Impeachment.

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