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Türkei schiesst Drohne ab

Die Türkei meldet den Abschuss einer Drohne nahe der syrischen Grenze. Möglicherweise handelt es sich um ein russisches Modell.

«Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es eine russische Drohne ist» : Russische Drohne nähe syrischer Grenze (16. Oktober 2015)
«Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es eine russische Drohne ist» : Russische Drohne nähe syrischer Grenze (16. Oktober 2015)
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Türkische Kampfflugzeuge haben am Freitag an der Grenze zu Syrien eine Drohne abgeschossen, die nach US-Angaben der russischen Armee gehörte. Trotz dreimaliger Warnung habe die Aufklärungsdrohne ihren Kurs im türkischen Luftraum fortgesetzt und sei deshalb abgeschossen worden, erklärte der türkische Generalstab. Moskau wies den Verdacht von sich und versicherte, all seine in Syrien eingesetzten Flugzeuge und Drohnen seien intakt.

Unklar war die Herkunft der Drohne. Die Drohne ging etwa drei Kilometer von der syrischen Grenze entfernt in einem Waldstück der Grenzprovinz Kilis nieder, wie der türkische Generalstab auf seiner Internetseite erklärte. Nach dem Abschuss waren auf Fotos vom Fundort beim Dorf Deliosman ein propellerbetriebenes Gerät in den Ausmassen eines grösseren Modellflugzeugs zu sehen. Einige Beobachter sprachen im Internet von einer grossen Ähnlichkeit mit einer russischen Drohne des Modells Orlan 10.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau sagte jedoch laut der Nachrichtenagentur Tass, alle russischen Flugzeuge in Syrien seien nach ihren Einsätzen wohlbehalten zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt. In Washington versicherte hingegen ein US-Regierungsvertreter, die abgeschossene Drohne gehöre der russischen Armee. «Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es eine russische Drohne ist», sagte er. Es lägen keine Informationen vor, dass die syrische Armee diesen Drohnentyp einsetze.

Verschiedene Quellen vermuten, dass es sich bei der abgeschossenen Drohne um ein russisches Modell handelt. Nach dem Abschuss waren auf Fotos vom Fundort bei dem Dorf Deliosman ein propellerbetriebenes Gerät in den Ausmassen eines grösseren Modellflugzeugs zu sehen. Sowohl Russland wie auch Syrien haben in der Region solche umbemannte Luftfahrzeuge im Einsatz.

Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang aber nicht. Das russische Verteidigungsministerium erklärte. Alle russischen Jets seien zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt, alle Drohnen arbeiteten normal. Der im Libanon ansässige pro-syrische Sender Al-Majadin zitierte einen syrischen Militärmitarbeiter, der sagte, es sei weder ein syrisches noch ein russisches Kampfflugzeug über der Türkei abgeschossen worden. Weder syrische noch russische Kampfflugzeuge oder Drohnen hätten den türkischen Luftraum verletzt.

Beschwerde über Luftraumverletzung

Die Türkei hatte sich vor kurzem über eine Verletzung ihres Luftraums durch russische Kriegsflugzeuge beschwert. Das Eindringen wurden auch von den Nato-Verbündeten scharf verurteilt. Russland hat militärisch in den Bürgerkrieg in Syrien eingegriffen. In der Gegend setzen sowohl die USA als auch Russland und die syrische Regierung Drohnen ein.

Seit 2013 hat die Türkei ein syrisches Militärflugzeug, einen Hubschrauber und eine unbemannte Überwachungsdrohne abgeschossen, die in den türkischen Luftraum eingedrungen waren. Zu den Vorfällen war es gekommen, nachdem die Türkei die Regeln für die Bekämpfung von Luftzielen geändert hatte. Zuvor war ein türkisches Kampfflugzeug von Syrien abgeschossen worden.

Fast 3000 Kämpfer

In Syrien rückten derweil die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad auf die einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo Die Truppen näherten sich dem südlichen Stadtrand, während russische Kampfflugzeuge umliegende Ortschaften bombardierten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Das Gebiet wird von verschiedenen Rebellengruppen kontrolliert, darunter die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Al-Nusra-Front. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein dichtes Netz von Informanten in Syrien; ihre Angaben können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Nach Angaben aus Militärkreisen sind «fast 3000 Kämpfer» zur Unterstützung der Assad-Truppen in der Schlacht um Aleppo im Einsatz, darunter hunderte iranische Soldaten, Iraker und Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz. Mehrere Dörfer konnten von den prosyrischen Einheiten erobert werden, einen durchschlagenden Erfolg gab es bisher aber nicht.

Zunahme der Luftwaffe erschwert humanitäre Versorgung

Derzeit versuchen die syrischen Regierungstruppen auch, die Autobahn-Verbindung zwischen Damaskus und Aleppo unter ihre Kontrolle zu bringen. Bisher ist das Teilstück Damaskus-Homs unter Regierungskontrolle, das Teilstück Homs-Aleppo wird aber von Islamisten kontrolliert.

Russlands Präsident Wladimir Putin bescheinigte am Freitag seinem Militär «eindrucksvolle» Erfolge in Syrien. Hunderte Rebellen seien getötet, Dutzende Kontrolleinrichtungen und Munitionsdepots sowie eine grosse Anzahl Waffen zerstört worden, sagte er. Der Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und andere Radikale in Syrien werde «für den Zeitraum der Offensive der syrischen Truppen gegen Terroristen» fortgesetzt.

Die russische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben seit dem Start ihres Syrien-Einsatzes Ende September 600 Flüge absolviert und mehr als 380 Ziele bombardiert. Während Moskau von einem Einsatz gegen «Terroristen» wie die Al-Nusra-Front oder die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) spricht, werfen westliche Länder den Russen vor, auch gemässigte Rebellen zu bombardieren. Eine US-geführte Koalition greift in Syrien schon seit langem IS-Ziele an.

Durch die Zunahme der Luftangriffe wird die humanitäre Versorgung der Bevölkerung immer schwieriger, wie UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien in Genf sagte. Durch den Krieg in Syrien sind seit März 2011 mehr als 250.000 Menschen getötet und Millionen in die Flucht getrieben worden.

AFP/woz

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