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Türkei lässt 200 Peschmerga-Kämpfer passieren

Verstärkung naht für die Kurden in der umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane: Die Türkei öffnet die Tore für Peschmerga-Soldaten.

Sollen bald die Kurden in Kobane unterstützen: Peschmerga-Kämpfer in der irakischen Stadt Gwer südlich von Erbil. (18. September 2014)
Sollen bald die Kurden in Kobane unterstützen: Peschmerga-Kämpfer in der irakischen Stadt Gwer südlich von Erbil. (18. September 2014)
Mohamed Messara, Keystone

Die Türkei hat den Weg für Peschmerga-Kämpfer ins syrische Kobane freigemacht. 200 Soldaten dürfen türkisches Territorium passieren, um die Kurden in der Grenzstadt gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen. Die Zeit drängt, denn nach Angaben von Aktivisten sind die IS-Kämpfer erstmals seit Tagen wieder vorgerückt.

Die IS-Miliz habe ihre Kontrolle über Teile der Stadt ausgeweitet, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Nach Zeugenberichten toben seit Mittwoch intensive Gefechte in der Stadt an der Grenze zur Türkei. Bis zum Donnerstagmorgen seien unablässig Schüsse aus Schnellfeuergewehren und Granatexplosionen zu hören gewesen. Der Beobachtungsstelle zufolge gelang es den IS-Kämpfern auch, mehrere Dörfer im Westen von Kobane einzunehmen.

Hoffen auf Verstärkung

Kurdische Kämpfer leisten seit mehr als einem Monat erbitterten Widerstand gegen die Jihadisten. Nun können sie auf baldige Verstärkung hoffen. Die Türkei lässt nach Angaben von Präsident Recep Tayyip Erdogan zunächst 200 Peschmerga-Kämpfer aus dem Nordirak über ihr Territorium in die Kurdenenklave an der Grenze passieren.

Die syrisch-kurdische Partei PYD - deren Kämpfer Kobane verteidigen - und die Autonomieregierung Kurdistan im Nordirak hätten sich auf diese Zahl geeinigt, sagte Erdogan vom Donnerstag bei einem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga.

Nach Angaben aus dem Nordirak soll die Verstärkung innerhalb von wenigen Tagen in der umkämpften Ortschaft ankommen. Der Vize-Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, Idris Nassan, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass die Einsatztruppe der Peschmerga derzeit noch vorbereitet, aber «sehr bald» in Kobane eintreffen werde.

Erneute Kritik an Waffenlieferungen

Ankara hatte einer solchen Grenzüberquerung am Montag grundsätzlich zugestimmt. Am Mittwoch autorisierte das Kurdenparlament in Erbil den Präsidenten Massud Barsani zur Entsendung von Peschmerga ins belagerte Kobane.

Ankara und Erbil unterhalten gute Beziehungen. Dagegen lehnt die Türkei jede Unterstützung für die syrische Kurdenpartei PYD und deren bewaffneten Arm, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), ab. Ankara betrachtet die PYD als Verbündete der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

In Riga sagte Erdogan, er habe US-Präsident Barack Obama am Telefon gesagt, dass «jede Unterstützung für die PYD die Unterstützung einer terroristischen Organisation» sei. US-Flugzeuge hatten am Montag über Kobane Waffen und Munition aus irakischen Beständen für die PYD-Kämpfer abgeworfen.

553 Tote durch Luftschläge

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen seit Beginn der Luftschläge der internationalen Anti-IS-Koalition 553 Menschen ums Leben. Darunter seien mit 464 Toten überwiegend IS-Kämpfer. 57 Tote gehörten der mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündeten Al-Nusra-Front an, 32 seien Zivilisten gewesen.

Bei den meisten getöteten Jihadisten handle es sich um ausländische Kämpfer, die sich dem IS und der Al-Nusra-Front angeschlossen hatten. Die Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle stützen sich auf ein Netz von Informanten und sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.

Jesiden belagert

Hochrangige Militärs im Nordirak berichteten unterdessen, die Jihadisten würden erneut das Sindschar-Gebirge belagern, um die dort versteckten Jesiden anzugreifen. Der jesidische Kommandant Dawud Dschundi sagte der Nachrichtenagentur AFP, am Montag seien 300 IS-Kämpfer mit gepanzerten Fahrzeugen in die Dörfer am Fuss der Berge eingedrungen.

Nun würden sie zu Fuss in die Berge aufsteigen, um die Jesiden aufzuspüren. Dschundi klagte, es gebe noch rund 2000 Familien, deren Situation «sehr schlecht» sei. Im Sommer hatte der Vorstoss der Jihadisten zehntausende Jesiden zur Flucht in die Sindschar-Berge gezwungen. Mit internationaler Unterstützung gelang es schliesslich kurdischen Kämpfern, die meisten Jesiden aus den Bergen in Sicherheit zu bringen.

SDA/thu

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