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Taxifahrer mit grossem Herz

Alan Henning wollte das Leid der Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien nicht mehr länger mit ansehen. Er verliess Frau und Kinder und machte sich auf ins Krisengebiet. Nun wurde er vom IS getötet.

Geriet in die Fänge von Extremisten: Alan Henning.
Geriet in die Fänge von Extremisten: Alan Henning.

Ein einfacher Taxifahrer aus dem Nordwesten Englands entschliesst sich, den Opfern des syrischen Bürgerkriegs zu helfen. Doch dann gerät er in die Fänge von Extremisten.

Alan Henning, mutmasslich das vierte westliche Enthauptungsopfer der Terrormiliz Islamischer Staat, kam als Hilfsarbeiter nach Syrien, um den Vertriebenen des Bürgerkrieges zu helfen. Der Brite wird von seinen Freunden als hart arbeitender Familienmensch beschrieben.

Der 47-Jährige hatte sich einem Hilfskonvoi eines islamischen Wohlfahrtsverbandes aus dem englischen Worcester angeschlossen. Der frühere Taxifahrer aus dem Nordwesten Englands war durch einen Arbeitskollegen von einem Einsatz in Syrien überzeugt worden. «Er war nur ein Taxifahrer mit einem Herz aus Gold, der im Grunde genommen nur Menschen helfen wollte», sagt HenningsFreund Martin Shedwick.

Spitznamen Gadget

Freunde berichten, Henning sei in den zwei Jahren vor seiner Entführung mehrere Male an die Grenze zwischen derTürkei und Syrien gereist. Er liess seine Ehefrau und zwei Kinder im Teenageralter in Grossbritannien zurück, um denjenigen zu helfen, deren Leben durch den Bürgerkrieg erschüttert wurde.

«Ich fragte ihn, warum er das machen wollte, weil es gefährlich war und er hier eine Familie hatte», sagt Orlando Napolitano, ein weiterer Freund Hennings. Bei einem Gespräch in einem Café kurz vor seinerAbreise habe Henning bloss geantwortet, dass es das Liebste sei, was er tue. «Es war seine Leidenschaft, ihnen zu helfen, ganz egal, ob es gefährlich war», wird Napolitano von der lokalen Tageszeitung «Manchester Evening News» zitiert.

Der technisch versierte Henning - diese Fertigkeiten brachten ihm den Spitznamen «Gadget» ein - lebte zuvor mit seiner Frau Barbara und den beiden Kindern in Eccles nahe Manchester. Die Nachbarin Debbie Ashton beschreibt ihn als «entzückenden Kerl». Ihr gegenüber habe Henning einmal gesagt:«Du glaubst gar nicht, was für ein Leben sie dort drüben leben müssen.» Stets habe er gefragt, ob jemand gerade seine Altkleider wegschmeissen würde, die in die türkisch-syrische Grenzregion gebracht werden könnten, sagte Ashton dem «Daily Telegraph».

Am zweiten Weihnachtstag des vergangenen Jahres wurde er vom ISnahe der türkisch-syrischen Grenze als Geisel genommen. Viele muslimische Gruppen in Grossbritannien hatten sich für eine Freilassung Hennings eingesetzt - wohl vergeblich, wie sich am Freitag herausstellte: Die Terroristen veröffentlichten ein Video, das die Enthauptung von Alan Henning zeigen soll.

SDA/chk

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