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Tanklastwagen explodiert in der Nähe von Hotel mit UNO-Beobachtern

In der syrischen Hauptstadt ist eine Bombe explodiert. Aufständische wollten nach eigenen Angaben Armeeoffiziere treffen. Im Libanon kam es derweil zu einer Geiselnahme von mehr als 20 Syrern.

Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein: Ein Tanklastwagen explodierte in Damaskus.

Vor einem von den UNO-Beobachtern bewohnten Hotel in Damaskus ist nach einem Bericht des syrischen Staatsfernsehens eine Bombe explodiert. Mindestens drei Menschen seien verletzt worden. Unter den Verletzten waren aber offenbar keine Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

Über den genauen Ort der Explosion gab es widersprüchliche Berichte. Laut Staatsfernsehen explodierte die an einem Tankfahrzeug befestigte Bombe in der Nähe eines rund 300 Meter vom Dama Rose Hotel entfernten Parkplatzes, der von der Armeeführung genutzt werde. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete hingegen, die Explosion habe sich in einem anderen Parkplatz ereignet, der zu einem Militärgelände in der Nähe des Hotels gehöre.

Treffen von Offizieren und Milizionären

Das Hotel und ein gegenüber gelegenes Gebäude einer Gewerkschaft wurden bei der Explosion beschädigt. Bevor das Feuer gelöscht wurde, war schwarzer Rauch über der Gegend zu sehen.

Die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) haben sich zu dem Bombenanschlag im Zentrum der Hauptstadt Damaskus bekannt. Ziel sei ein Treffen von Armeeoffizieren und Vertretern der regierungstreuen Shabiha-Milizen in einem Büro des Generalstabs gewesen, sagte der Chef des FSA-Büros zur Einsatzkoordinierung, Maher Nuwaimi, der Nachrichtenagentur AFP. Demnach sollten zwei Sprengsätze explodieren.

Libanesische Familie will Angehörigen freipressen

Die Familie eines von syrischen Rebellen festgehaltenen Libanesen hat nach eigenen Angaben im Libanon mehr als 20 Syrer in ihre Gewalt gebracht. Darunter sei auch ein ranghohes Mitglied der Freien Syrischen Armee, einer der führenden Rebellengruppen, erklärte am Mittwoch ein Familienmitglied. Sie würden gefangen gehalten, bis der Verwandte freikomme, hiess es.

Der Libanese Hassane Salim al-Mikdad war in einem Video der syrischen Rebellen zu sehen. Er soll Mitglied der Hizbollah ein, einer im Libanon einflussreichen schiitischen Organisation, die enge Verbindungen zum Iran und zur syrischen Regierung unterhält. Die Hizbollah hat dies aber zurückgewiesen.

Panetta: Flugverbotszone nicht vorrangig

Die USA schliessen einseitige Aktionen gegen die syrische Regierung aus, halten sich aber dennoch alle militärischen Optionen offen. Generalstabschef Martin Dempsey erklärte in Washington, mit der Türkei und Jordanien sei über die Einrichtung sicherer Zonen für Flüchtlinge gesprochen worden. «Und mit einem sicheren Hafen würde auch irgendeine Art Flugverbotszone kommen, aber wir planen nichts unilateral», sagte er.

Verteidigungsminister Leon Panetta betonte auf derselben Pressekonferenz, das Thema Flugverbotszone sei für die USA derzeit nicht vorrangig. Panetta erklärte, zur Zeit hätten humanitäre Hilfe und die Sicherheit der syrischen chemischen und biologischen Waffen Priorität. Panetta hatte zuvor noch in einem AP-Interview den Wunsch der Rebellen nach einer Flugverbotszone gänzlich abgelehnt.

Panetta warf zudem dem Iran vor, in Syrien Milizen auszubilden, die dann an der Seite der Regierungstruppen kämpfen sollten. Es sei «offensichtlich», dass der Iran in Syrien eine grössere Rolle spiele, sagte Panetta in Washington. Die Iraner müssten besser darüber nachdenken, wie stark sie in den Konflikt involviert sein wollten. Eine Sprecherin des amerikanischen Aussenministeriums forderte indes China auf, Druck auf die Regierung in Damaskus auszuüben, die Gewalt zu beenden.

China macht Westen verantwortlich

China wiederum hat einigen westliche Ländern vorgeworfen, einen Regimewechsel in Syrien anzustreben und mit ihrer wachsenden Unterstützung für die Rebellen der Solidarität im Weltsicherheitsrat zu schaden. Ein entsprechender Artikel im kommunistischen Parteiorgan «Renmin Ribao» erschien , als ein Gesandter des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in Peking zu Gast war. Darin wurde der amtliche chinesische Standpunkt wiederholt, dass die Krise in Syrien nur politisch gelöst werden könne. Die offene Diskussion in einigen westlichen Ländern über eine Flugverbotszone mache es der internationalen Gemeinschaft unmöglich, einen Konsens über eine Strategie zur Beilegung der Krise zu finden. Zusammen mit Russland hat China bislang mit seinem Vetorecht im UNO-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Assads Regierung verhindert.

Ausschluss Syriens aus der OIC wahrscheinlich

Am Gipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in Mekka zeichnet sich ein vorläufiger Ausschluss Syriens aus der Staatengruppe ab. Der Gipfel will offenbar die Suspendierung der Mitgliedschaft des Landes in der OIC empfehlen.

Das ist der Abschlusserklärung zu entnehmen, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstagabend vorlag. Begründet wurde die empfohlene Suspendierung mit dem gescheiterten Friedensplan des inzwischen zurückgetretenen Syrien-Gesandten Kofi Annan und damit, dass die syrische Führung weiterhin auf die «militärische Option» setze, um den Konflikt in den Griff zu bekommen.

Iran und Algerien gegen Ausschlussempfehlung

Die Führung von Staatschef Bashar al-Assad wird in dem Text zudem aufgefordert, die Gewalt in Syrien umgehend zu beenden. Gleichzeitig betont der Entwurf die Wahrung der «Einheit Syriens, seiner Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität».

Wie aus Kreisen am Treffen verlautete, stellten sich nur der Iran und Algerien gegen die Empfehlung eines Ausschlusses. Die Aussenminister der OIC hatten am Montagabend bei einem Vorbereitungstreffen wegen des blutigen Konflikts eine Suspendierung der Mitgliedschaft Syriens gefordert.

Iran als wichtigster Verbündeter Syriens hatte umgehend seine Ablehnung erklärt. Am Gipfel in Mekka waren Staats- und Regierungschefs aus 57 Ländern anwesend. Syrien hatte keinen Vertreter entsandt.

Ein Verantwortlicher im saudiarabischen Aussenministerium sagte der Nachrichtenagentur AFP, einige Delegationen seien der Ansicht, dass die Erklärung der OIC noch weiter gehen und Assads Rücktritt fordern müsse. Tunesiens Aussenminister Rafik Abdessalem bezeichnete die geforderte Suspendierung Syriens hingegen bereits als eine «starke Botschaft» an die syrische Führung.

Brahimi will Auftrag des Sicherheitsrats

Unterdessen verlautete aus UNO-Diplomatenkreisen, dass der als Annans Nachfolger gehandelte frühere algerische Aussenminister Lakhdar Brahimi eine Befürwortung seines Postens durch den Sicherheitsrat wünsche. Eine solche Unterstützung sei für ihn «entscheidend», wenn er auf dem Posten eine Chance haben wolle, sagte ein UNO-Diplomat.

UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos setzte sich in Damaskus dafür ein, Versorgungsrouten für die unter dem Bürgerkrieg in Syrien leidende Zivilbevölkerung zu öffnen. «Es gibt eine andauernde humanitäre Krise», sagte sie nach Gesprächen mit Regierungsvertretern in der syrischen Hauptstadt. «Es ist wichtig, dass die Kämpfe aufhören.»

Am Dienstag besuchte sie Schulen im Damaszener Viertel Sahera, in denen Hunderte vor Kämpfen geflohene Menschen untergebracht sind. «Die Leute, die ich heute traf, sagen, dass sie sauberes Wasser brauchen, sanitäre Einrichtungen, Medikamente und Lebensmittel», sagte Amos. «Sie sind verängstigt. Viele haben kein Zuhause mehr, in das sie zurückkehren können, und sie brauchen dringend mehr Hilfe und Unterstützung.» In ihrem Gespräch mit Ministerpräsident Wajel Nader al-Halki habe sie dem Syrischen Roten Halbmond für seinen humanitären Einsatz unter grossen Gefahren gedankt.

(sda/dapd/AFP)

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