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Syrische Rebellen setzen Kommandozentrale in Brand

Soldaten und Rebellen haben sich im Generalstabsgebäude in Damaskus heftige Kämpfe geliefert. Die Forderung Katars nach einem Militäreinsatz hat die Arabische Liga zurückgewiesen.

Detonationen und Kämpfe erschüttern die syrische Hauptstadt: Kommandozentrale in Damaskus. (26. September 2012)

Rebellen und Armee in Syrien haben sich nach Oppositionsangaben im Gebäude des Generalstabs in Damaskus die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Konflikts geliefert. Nach zwei von Rebellen verübten Bombenanschlägen habe es bei den Gefechten Tote auf beiden Seiten gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Armee erklärte dagegen, alle Militärkommandeure seien «wohlauf».

«Mit dem Ausland verbundene terroristische Gruppen» hätten eine Autobombe und einen weiteren Sprengsatz nahe des Generalstabsgebäudes zur Explosion gebracht«, erklärte die Armee. Nach den Anschlägen habe es «wahllose »Schüsse in der Umgebung des Generalstabsgebäudes und den umliegenden Strassen gegeben, «um die Zivilisten zu terrorisieren». Informationsminister Omran al-Sohbi sagte, es habe bei den Bombenanschlägen nur Sachschäden gegeben. Sicherheitskräfte nahmen der Armee zufolge die Verfolgung der Rebellen auf.

Heckenschütze tötet Reporter

Die bewaffneten Aufständischen der Freien Syrischen Armee bekannten sich auf der Facebook-Seite des Militärrats der Rebellen für die Region Damaskus zu den Anschlägen. Laut dem Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, waren die Kämpfe im Generalstabsgebäude die heftigsten seit Beginn des Aufstands in Syrien im März 2011.

Nach Medienberichten tötete ein Heckenschütze in Damaskus einen Reporter des englischsprachigen iranischen Fernsehsenders Press TV. Bei dem Opfer handele es sich um den Reporter Maya Nasser, teilte der Sender auf seiner Internetseite mit. Zudem erlitt demnach der libanesische Bürochef des arabischsprachigen iranischen Fernsehsenders Al-Alam Schussverletzungen, als er sich zum Sitz des Generalstabs begab. Press TV und Al-Alam werden von der iranischen Führung finanziert, die Syriens Regierung in ihrem Kampf gegen die bewaffneten Aufständischen unterstützt.

Sechs Frauen und drei Kinder getötet

Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte töteten regierungstreue Milizionäre mindestens 16 Zivilisten in ihren Wohnungen in Damaskus. Die Milizionäre drangen demnach gegen 05.00 Uhr Ortszeit in die Wohnungen im Ortsteil Barseh ein. Unter den Toten seien sechs Frauen und drei Kinder. Barseh ist ein überwiegend von Sunniten bewohntes Viertel im Norden der Hauptstadt. Es gilt als Hochburg der Opposition gegen Präsident Baschar al-Assad, der sich hauptsächlich auf die Minderheit der schiitischen Alawiten stützt.

In der Küstenstadt Banias nahmen Sicherheitskräfte der Beobachtungsstelle zufolge in den vergangenen Tagen fast 70 Menschen fest, darunter 25 Frauen und drei Minderjährige. Die mehrheitlich von Sunniten bewohnte Stadt Banias liegt in der Provinz Tartus, deren Bevölkerung vor allem aus Alawiten besteht.

Der französische Präsident François Hollande sagte während der UN-Generaldebatte in New York, die Vereinten Nationen müssten die von den Rebellen kontrollierten «befreiten Zonen» schützen, damit humanitäre Hilfe die Flüchtlinge erreichen könne. Hollande bekräftigte, dass Frankreich eine von der syrischen Opposition gestellte Übergangsregierung anerkennen werde, sobald diese gebildet sei.

Katar will eingreifen

Eine politische Lösung ist nicht in Sicht, weil China und Russland jeglichen Entscheid im UNO-Sicherheitsrat blockieren. Das Golfemirat Katar plädiert deswegen für eine Intervention der arabischen Staaten in Syrien. «Der Sicherheitsrat hat es nicht geschafft, effektive Positionen zu beziehen», sagte Katars Emir, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, vor der UNO-Vollversammlung.

«Angesichts dessen glaube ich, es ist besser, wenn die arabischen Staaten aus ihrer nationalen, humanitären, politischen und militärischen Verpflichtung heraus selbst eingreifen und alles Notwendige unternehmen, um dem Blutvergiessen in Syrien ein Ende zu machen.»

Es gebe dafür einen Präzedenzfall, sagte der Emir. Er verwies auf die Intervention arabischer Streitkräfte im Libanon Mitte der 1970er Jahre, um die internen Auseinandersetzungen dort zu beenden. Dieser Schritt habe sich als effektiv und nützlich erwiesen.

Arabische Liga winkt ab

Eine Militärintervention in Syrien lehnt die Arabische Liga allerdings ab. Einzelne Forderungen nach der Entsendung von Soldaten bezögen sich nicht auf Kampftruppen, stellte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, in New York klar.

«Eine Paralysierung des Sicherheitsrates ist eine Lähmung der internationalen Gemeinschaft», fügte al-Arabi mit Blick auf die Haltung von Russland und China hinzu.

Russlands Präsident Wladimir Putin blieb aber seiner Haltung treu und erteilte dem Vorstoss Katars prompt eine Absage. Jeder Versuch, einseitig Gewalt anzuwenden oder sich in die Ereignisse im Nahen Osten und Nordafrika einzumischen, sei kontraproduktiv, sagte er in Moskau vor ausländischen Botschaftern.

AFP/chk

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