Sudans Präsident soll sich an der Staatskasse bedient haben

Laut Wikileaks soll Omar al-Baschir bis zu neun Milliarden Dollar aus Ölgeschäften unterschlagen und auf britischen Banken deponiert haben. Der sudanesische Staatschef wird mit einem internationalen Haftbefehl gesucht.

Der Sprecher der sudanesischen Botschaft in London dementiert den Wikileaks-Bericht über den sudanesischen Staatschef: Omar al-Bashir während eines Treffens mit der Afrikanischen Union.

Der Sprecher der sudanesischen Botschaft in London dementiert den Wikileaks-Bericht über den sudanesischen Staatschef: Omar al-Bashir während eines Treffens mit der Afrikanischen Union.

(Bild: Reuters)

Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte sudanesische Staatschef Omar al-Baschir soll bis zu neun Milliarden Dollar aus Ölgeschäften unterschlagen und auf britischen Banken deponiert haben. Das geht aus einer von Wikileaks veröffentlichten US-Diplomatendepesche hervor.

Das Geld aus der Staatskasse soll al-Baschir nach Informationen des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag (IStGh) unter anderem auf der Bank Lloyds platziert worden sein, berichtete die Tageszeitung «Guardian» unter Berufung auf Wikileaks am Samstag.

Haftbefehl gegen al-Baschir

Die Plattform machte eine diplomatische Depesche zwischen dem IStGh-Chefankläger, Luis Moreno-Ocampo, und einem US- Spitzendiplomaten aus dem März 2009 öffentlich. Kurz zuvor hatte der Strafgerichtshof den Haftbefehl gegen al-Baschir erlassen.

In der Depesche erklärt der Ankläger, wenn die Veruntreuung öffentlich gemacht würde, könne das die Verhaftung al-Baschirs begünstigen. Vor allem die öffentliche Meinung im Sudan selbst sollte mit der Veröffentlichung beeinflusst werden.

Sowohl ein Sprecher der sudanesischen Botschaft in London als auch die Bankengruppe Lloyds dementierten die Berichte am Samstag. Ein Lloyds-Sprecher sagte in London, es gebe keine Verbindungen der Bank zu al-Baschir. Ein ranghohes Mitglied von al-Baschirs Nationaler Kongresspartei erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP im Sudan, Moreno-Ocampo sei «ein Lügner».

Moreno-Ocampo bekräftigt Verdacht

Moreno-Ocampo bestätigte dagegen am Samstag, dass der Strafgerichtshof Hinweise darauf habe, dass al-Baschir Milliarden Dollar seines Landes unterschlagen habe. Das Gericht konzentriere sich aber auf die Anklage wegen Völkermordes in Darfur, nicht auf die mutmassliche Veruntreuung, sagte der IStGh-Chefankläger.

Der Sudan wurde jahrelang von einem blutigen Bürgerkrieg des christlich geprägten Südens gegen den muslimischen Norden erschüttert, in dem zwei Millionen Menschen starben. 2005 wurde ein Friedensvertrag erreicht, im kommenden Jahr soll bei einer Volksabstimmung über die Abspaltung der südlichen Provinzen entschieden werden.

Der Süden beschuldigt al-Baschir, die nicht muslimischen Regionen um die Einnahmen aus der lukrativen Ölförderung im Sudan zu betrügen.

ske/sda

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