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So viel war Saif al-Islam seine Flucht wert

Der Ghadhafi-Sohn wollte sich ins Ausland absetzen. Er bot einem Stammesangehörigen eine Million Euro für die Fahrt an die Grenze zum Niger. Doch diesem war anderes als das Geld wichtig.

Soll durch ein Erschiessungskommando hingerichtet werden: Saif al-Islam, hier bei einer Gerichtsanhörung im Jahr 2014.
Soll durch ein Erschiessungskommando hingerichtet werden: Saif al-Islam, hier bei einer Gerichtsanhörung im Jahr 2014.
Stringer, Reuters
Muammar al-Ghadhafis Sohn ist wegen Mordes und Korruption schuldig gesprochen worden: Saif al-Islam sitzt bei einer Anhörung in Zintan in einem Käfig. (25. Mai 2014)
Muammar al-Ghadhafis Sohn ist wegen Mordes und Korruption schuldig gesprochen worden: Saif al-Islam sitzt bei einer Anhörung in Zintan in einem Käfig. (25. Mai 2014)
Srtinger, Reuters
Galt als möglicher Nachfolger seines Vaters: Saif al-Islam während eines Interviews in Tripolis. (10. März 2011)
Galt als möglicher Nachfolger seines Vaters: Saif al-Islam während eines Interviews in Tripolis. (10. März 2011)
Chris Helgren, Reuters
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Saif al-Islam Ghadhafi war dabei, sich ins Ausland abzusetzen, als er am Samstag nach mehreren Wochen auf der Flucht gefasst wurde. Mit der Hilfe eines Stammesangehörigen aus Berqan wollte sich der Sohn des getöteten früheren Machthabers über die Grenze nach Niger absetzten.

Yusef Saleh al-Hotmani aus dem Wüstendorf bestätigte gegenüber dem «Telegraph», dass ihm Saif und vier Begleiter eine Million Euro boten, wenn er sie bis zur Grenze fahren würde. Von dort hätten sie abgeholt und ins Nachbarland gebracht werden sollen.

Kontakt zu den Rebellen

Doch Saif kam gar nie erst bis zur Grenze. Al-Hotmani hatte zuvor mit einer Rebellen-Brigade Kontakt aufgenommen und diese von den Fluchtplänen des Diktatoren-Sprosses in Kenntnis gesetzt. Der Stammesangehörige war seit Beginn des Libyen-Konfliktes ein Unterstützer der Aufständischen gewesen.

«Sie boten mir eine Million, aber keines ihrer Angebote würde auch nur ein einziges Körnchen unseres Sandes kaufen», so al-Hotmani gegenüber der englischen Zeitung. Der Mann ist deutlich stolz darauf, an der Festnahme Saifs mitgewirkt zu haben. «Ich danke Allah, dass er es mir möglich gemacht hat, diesen Feind zu besiegen.»

Doch keine Belohnung

Auf dem Weg durch die Wüste seien Saif al-Islam und seine Begleiter in zwei Fahrzeugen unterwegs gewesen, erzählt der Stammesangehörige. Al-Hotmani fuhr mit einem von Ghadhafis Männern voraus und hielt dabei einen Abstand von rund zwei Kilometern. Dies erlaubte es ihm und den Rebellen, zuerst den einen Ghadhafi-Vertrauten und danach Saif und die anderen dingfest zu machen.

Bei Ghadhafis Sohn und den vier Vertrauten wurden lediglich Feuerwaffen, zwei Handgranaten und 4000 US-Dollar gefunden. «Ich hätte die Belohnung also gar nie bekommen. Die hätten mich an der Grenze einfach erschossen», sagt al-Hotmani. Doch er nimmt es gelassen. Auf das Geld habe er es nie abgesehen gehabt.

Rätsel um eingebundene Finger

Derweil sorgen die Bilder des festgenommenen Saif für Spekulationen. Diese zeigen den 39-Jährigen nämlich mit Verbänden an drei Fingern seiner rechten Hand. Wie die «Welt» nun berichtet, wurden ihm diese womöglich abgeschnitten. Ein libyscher Rebell berichtet, er habe gesehen, wie ein Kollege dem Ghadhafi-Sohn die Finger abtrennte. Saif selber sagte jedoch, er habe sich an dieser Hand lediglich während eines Nato-Luftangriffes Verletzungen zugezogen.

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