Zum Hauptinhalt springen

Schon fünf Tage blutige Krawalle – 38 Tote

Auch heute haben sich in Kairo Polizisten brutale Strassenschlachten mit Demonstranten geliefert. Die Kämpfe konzentrieren sich um das Innenministerium nahe dem Tahrir-Platz. Es gibt viele Tote.

Es ist ein ungleicher Kampf: Ägyptische Demonstranten ...
Es ist ein ungleicher Kampf: Ägyptische Demonstranten ...
Amr Abdallah Dalsh, Reuters
... schützen sich mit Brillen, Medizinalmasken aus Papier  ... (23. November 2011)
... schützen sich mit Brillen, Medizinalmasken aus Papier ... (23. November 2011)
Mahmud Hams, AFP
... eine etwas andere Steinschleuder: Mit einfachsten Mitteln ziehen diese Demonstranten in den Strassenkampf. (23. November 2011)
... eine etwas andere Steinschleuder: Mit einfachsten Mitteln ziehen diese Demonstranten in den Strassenkampf. (23. November 2011)
Goran Tomasevic, Reuters
1 / 11

Auch am fünften Tag der Proteste zehntausender Demonstranten gegen die regierende Militärführung sind in Ägypten mehrere Menschen ums Leben gekommen. Mindestens drei Demonstranten seien von Sicherheitskräften erschossen worden, sagte ein Arzt in einem Feldlazarett in der Hauptstadt Kairo. Politiker aus aller Welt verlangten ein sofortiges Ende der Gewalt.

Der Arzt Chadi el Naggar sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe die Toten noch nicht untersuchen können. Sie seien aber «mit Sicherheit» durch Kugeln getötet worden. «Einer hatte einen zerschmetterten Schädel», sagte Naggar in einer zum Lazarett umgewandelten Moschee nahe dem symbolischen Tahrir-Platz im Zentrum Kairos.

«Verschwinde, verschwinde!»

Zehntausende Demonstranten haben Zugeständnisse des regierenden Militärrats für einen schnelleren Übergang zur Demokratie in Ägypten abgelehnt. Sie fordern einen sofortigen Rücktritt von Militärchef Hussein Tantawi und die Machtübergabe an eine zivile Übergangsregierung. Die UN-Menschenrechtskommissarin zeigte sich schockiert von den Bildern der Unruhen.

Demonstranten skandierten in der Nacht «Verschwinde, verschwinde!» in Richtung von Feldmarschall Tantawi. Der Militärrat hatte am Dienstag seine Bereitschaft zu einem Referendum über die Aufgabe der Macht und die Vorverlegung der Präsidentschaftswahl in die erste Hälfte des kommenden Jahres angekündigt. In einer Fernsehansprache wies Tantawi aber gleichzeitig Kritik am Verhalten der Militärregierung während der Übergangsperiode zurück. Die Demonstrationen am Tahrir-Platz oder anderswo im Land erwähnte Tantawi nicht.

Verwendung scharfer Munition?

Unterdessen stieg die Zahl der Toten bei den seit fünf Tagen andauernden Unruhen nach Angaben der ägyptischen Menschenrechtsorganisation Elnadeem Center auf 38. Das ägyptische Gesundheitsministerium hatte zuvor von 29 Toten gesprochen. Bei den Protesten wurden mindestens 2000 weitere Menschen verletzt, die meisten davon erlitten Verletzungen der Atemwege durch Tränengas oder wurden durch Gummigeschosse verwundet. Die Polizei bestritt, scharfe Munition zu verwenden.

Der Arzt Schadi al Nagar berichtete von drei Leichen, die mit Schussverletzungen ins improvisierte Lazarett am Tahrir-Platz gebracht wurden. Alle drei hätten Schussverletzungen gehabt. Er könne nicht sagen, ob scharf geschossen worden sei, wies aber darauf hin, dass auch Gummigeschosse tödlich sein könnten, wenn sie aus kurzer Distanz abgefeuert würden.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navanethem Pillay sagte: «Die Bilder von Demonstranten, die schon auf dem Boden liegen und trotzdem noch verprügelt werden, sind schockierend, ebenso wie die Berichte von Menschen, denen in den Kopf geschossen wurde.» Sie forderte eine schnelle, unabhängige und unparteiische Untersuchung der Vorfälle am Tahrir-Platz.

Proteste gefährden Parlamentswahlen

Die Unruhen sind die am längsten anhaltenden Proteste seit der 18-tägigen Besetzung des Tahrir-Platzes im Februar, die zum Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak führten. Die Demonstrationen gefährden die geplanten Parlamentswahlen, die am kommenden Montag beginnen sollen.

Chaled el Sajed von der Koalition der revolutionären Jugend will bei der Wahl kandidieren. Er sagte am Mittwoch: «Unsere Forderungen sind eindeutig: Wir wollen, dass der Militärrat zurücktritt und die Macht an eine zivile Übergangsregierung mit voller Souveränität übergibt.»

SDA/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch