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Schicksalsfrage für Afrikas Despoten

Droht den Herrschern südlich der Sahara das gleiche Schicksal wie Mubarak, Ben Ali und jetzt vielleicht Ghadhafi? Es kommt aufs Internet an – und die Kühlschränke.

Robert Mugabe, Langzeit-Präsident von Zimbabwe.
Robert Mugabe, Langzeit-Präsident von Zimbabwe.
Keystone
Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, Diktator von Äquatorialguinea.
Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, Diktator von Äquatorialguinea.
Keystone
Yoweri Kaguta Museveni, kürzlich als Präsident von Uganda bestätigt.
Yoweri Kaguta Museveni, kürzlich als Präsident von Uganda bestätigt.
Keystone
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Robert Mugabe, Teodoro Obiang, Eduardo dos Santos: Diese drei Namen stehen für üble Langzeitregentschaften in Zimbabwe, Äquatorialguinea und Angola. Aber es gibt noch einige mehr in Afrika. Die Autokraten südlich der Sahara werden bestimmt mit Interesse die Ereignisse und Entwicklungen im Maghreb verfolgen. Droht ihnen dasselbe Schicksal wie den ersten Herrschern in der arabischen Welt?

Dieser Frage gehen in diesen Tagen etliche Experten und Medien nach. Und sie kommen meistens zum Schluss, dass es trotz vieler Gemeinsamkeiten zwischen den autoritären Regimes auch entscheidende Unterschiede gibt. «Ein Flächenbrand in Afrika ist sehr unwahrscheinlich», lautet ein Fazit.

Mittelschicht zu klein – Internet kaum bekannt

Die afrikanischen Despotien werden länger überleben, weil die Voraussetzungen für grosse nationale Volksaufstände in den meisten dieser Staaten kaum vorhanden sind, wie die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) in einem Hintergrundartikel schreibt. Ein wichtiger Grund sei, dass die Mittelschichten fast überall so klein sind, dass sie keine kritische Masse für einen breiten Aufstand bilden können. Die meisten Afrikaner leben in Dörfern und haben keinen Zugang zum Internet. Facebook und Twitter, die bei den Befreiungsbewegungen im Maghreb eine Rolle spielten, sind so gut wie unbekannt. Es gibt auch keine breiten Debatten über Bürgerrechte und freiheitliche Demokratie.

Afrikanische Revolutionen sind auch nicht möglich, weil die logistischen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Beispielsweise sind die Nachschubwege für Nahrungsmittel nicht genügend. «Die meisten Afrikaner haben keinen Kühlschrank», zitiert die «SZ» einen Diplomaten, der seit Jahren in afrikanischen Ländern tätig ist.

Relativ zufrieden – schon Schlimmeres erlebt

Ein weiterer Punkt, der Revolutionen nicht begünstigt, ist die Tatsache, dass die Menschen in Afrika zufriedener sind als anderswo – weil sie schon deutlich Schlimmeres erlebt haben als autoritäre Herrscher, nämlich Hunger, Krieg oder Vertreibung.

Schliesslich seien afrikanische Volksaufstände nicht wahrscheinlich, «weil es in den meisten dieser Staaten nicht nur ein Volk, sondern meistens sehr viele Völker gibt», wie die «Süddeutsche Zeitung» weiter schreibt. Ethnische, regionale oder religiöse Identitäten sind wirksamer als das Gefühl, einer gemeinsamen Nation anzugehören.

Modernisierung Afrikas kommt rasch voran

Dennoch ist Afrika kein erstarrter Kontinent, ganz im Gegenteil. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Modernisierung schreitet rasch voran, moderne Technologien wie das Internet breiten sich aus, Mittelschichten werden breiter, die Zahl von gebildeten Menschen steigt, immer mehr Menschen leben in den Städten, freiheitliche Gedanken werden populärer. Irgendwann wird dieser Wandel auch die Autokratien südlich der Sahara ins Wanken bringen. Bis dahin haben die Despoten Afrikas eine Schonfrist.

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