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Sawiris muss sich bei Islamisten entschuldigen

Der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris zeigte Mickey und Minnie Mouse als Muslime verkleidet. Er wollte vor dem Tugendterror der Fundamentalisten warnen.

Twitterte ein «witziges Bild» – und wurde verklagt: Naguib Sawiris.
Twitterte ein «witziges Bild» – und wurde verklagt: Naguib Sawiris.
Keystone

Es war kein besonders subtiler Scherz, andererseits geben die Reaktionen Naguib Sawiris irgendwie recht. Sawiris, ägyptischer Christ, Milliardär, Telecom-Tycoon, Bruder des Tourismus-Investors in Andermatt, Parteigründer, kurz, eine Grösse unter den Erfolgreichen und Säkularen seines Landes, hat via Twitter seine ebenso abgründige wie alberne Vision Ägyptens vorgestellt, wenn die Fundamentalisten die Macht übernehmen. Er zeigte ein Bild von Mickey Mouse mit Rauschebart und rollenden Augen in langer Galabija und Minnie Mouse verschleiert bis zu den Augen, mit rosa Schleife zwischen den Mauseohren: Innen Kitsch, aussen Tugendterror – das blüht Ägypten, wenn die Islamisten übernehmen, so die Botschaft.

Klagen von 15 Anwälten

Sawiris teilt diese Angst mit vielen Ägyptern. Wochenlang kursierte das Bild unter dem warnenden Titel «Dies ist die Zukunft Ägyptens» eher unbemerkt im Internet, dann schlugen die Ultrakonservativen zurück – im Internet. Facebook-Seiten der Fundamentalisten riefen gläubige Muslime zum Sawiris-Boykott auf. Einige forderten: «Wir müssen denen die Zunge abschneiden, die unseren Glauben diffamieren.» 15 Anwälte, möglicherweise Angehörige der radikalislamischen Salafiten, reichten beim Generalstaatsanwalt Klage ein: Sawiris habe den Islam verspottet.

Die Sawiris-Dynastie beherrscht ein Imperium aus Telecom-, Bau- und Tourismusfirmen, dazu populäre Fernsehsender. Sawiris, der in Kairo auf eine deutsche Schule ging und fliessend Deutsch spricht, gilt als reichster Mann Afrikas. Auf der weltweiten Forbes-Liste steht er auf Platz 62. Ein bisschen Boykott würde er überleben, aber schliesslich lenkte er doch ein: «Ich entschuldige mich bei allen, die dies nicht als Scherz verstehen», schrieb er auf Twitter: «Für mich war es einfach ein witziges Bild. Ich wollte nicht respektlos sein. Entschuldigung.» Mickey und Minnie entfernte er.

Der vermeintliche Religionsfriede

Es dürfte nicht das Ende sein. Selbst Besonnenere hatten zu bedenken gegeben, dass der Scherz angesichts der jüngsten Spannungen zwischen Christen und Muslimen zumindest zeitlich deplatziert war. Am Wochenende waren sich im Gouvernement Sohag, 450 Kilometer südlich von Kairo, Kopten und Muslime über den vermeintlichen Bau einer Kirche in die Haare geraten. In den vergangenen Monaten brannten Kirchen; beide Seiten werfen sich die Entführung von Konvertiten vor. Die Einigkeit der Religionen auf dem Tahrir-Platz ist längst ein Fall für Nostalgiker. Radikale wie die Salafiten schüren die Sorgen von Frauen, Christen und Liberalen vor einem Gottesstaat am Nil.

Unter dem inzwischen gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak galten die geschäftlichen Triumphe der Sawiris einigen als Beweis für die Aufstiegschancen einer religiösen Minderheit – andere sahen die Familie hingegen als Profiteure des Regimes. Noch während des Aufstands sagte Naguib Sawiris in einem TA-Interview: «Nicht alles, was Mubarak getan hat, war schlecht.» Nach dem Sturz Mubaraks aber ging der Geschäftsmann in die Politik, gründete eine eigene Partei, «Freie Ägypter»: radikal wirtschaftsliberal, säkular und kapitalistisch. Ob Mickey und Minnie ihm geschadet oder genützt haben, wird man bei den Wahlen sehen.

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