Saudische Doppelmoral

Der Sondergipfel in Mekka beschwört eine Einigkeit, die es nicht gibt.

Lud nach Mekka ein: Der saudische König Salman. (Foto: Bandar al-Galoud/Saudi Royal Court via Keystone)

Lud nach Mekka ein: Der saudische König Salman. (Foto: Bandar al-Galoud/Saudi Royal Court via Keystone)

Symbolträchtig sind politische Zusammenkünfte ja meistens – man muss seinen weit gereisten Besuchern schliesslich etwas bieten: Also düsen Kampfjets über mächtige Häupter hinweg, im Hintergrund Militärparaden, Marschmusik. In der arabischen Welt ist das nicht anders, aber es kommt noch eine Nuance hinzu.

Saudiarabien setzt bevorzugt auf religiöse Kulissen, auf heilige Monate und Nächte, die Einheit und Zusammenhalt beschwören sollen, in einer Region, die längst in Interessen- und Einflusssphären zerfallen ist. Am Donnerstagabend lud der saudische König Salman nach Mekka ein, in die heiligste Stätte der Muslime: die Staaten des Golf-Kooperationsrats, der Arabischen Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit.

Das Ziel: die Staaten nach der jüngsten Eskalation gegen Erzfeind Iran in Stellung zu bringen. Das Hilfsmittel: die gemeinsame Religion, um eigene Machtinteressen durchzusetzen.

Das einzige Land, das seine militärische Beteiligung am Jemenkrieg weitgehend beendet hat, ist Marokko.

Dafür lud das Königshaus sogar das von ihm verstossene Emirat Katar zum Krisengipfel nach Mekka ein. Seit zwei Jahren liegen die diplomatischen Beziehungen zwischen Saudiarabien und dem Emirat auf Eis. Riad wirft Katar eine zu enge Beziehung zum Iran vor. Ob nun auf Vermittlung durch die USA oder aus eigenem Antrieb – Riad scheint mittlerweile bereit zu sein, Opfer zu bringen, um sich auf den Erzfeind Iran zu fokussieren. Das Königshaus will Geschlossenheit, koste es, was es wolle – und die Mehrheit folgt Salman fraglos brav. Dabei leistet sich Saudiarabien eine mindestens genauso aggressive Aussenpolitik wie der Iran. Mehr als 50000 Zivilisten sollen im Jemen beim Stellvertreterkrieg mit dem Iran bereits getötet worden sein.

Das einzige Land, das seine militärische Beteiligung am Jemenkrieg weitgehend beendet hat, ist Marokko. König Mohammed VI. schickte zum Krisengipfel nach Mekka lieber nur seinen Bruder – wenigstens eine mutige Ausnahme.

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