Khashoggi: «Ich kann nicht atmen»

Ein politischer Schachzug der Türkei geht offenbar nicht auf: Saudiarabien weist Haftbefehle gegen Vertraute des Prinzen ab. Derweil wurden die letzten Worte des Journalisten bekannt.

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«Ich kann nicht atmen!» Das sollen laut CNN die letzten Worte von Jamal Khashoggi gewesen sein, bevor er auf dem saudischen Konsulat in Istanbul verstarb. Eine Quelle, die an der Untersuchung des Khashoggi-Mordes beteiligt ist, soll das Transkript einer Audiodatei der letzten Minuten des Journalisten gelesen haben.

Der Mord an Khashoggi am 2. Oktober sei im Voraus geplant gewesen, sagte der Informant dem TV-Sender. Zuerst wurde von den saudischen Behörden erklärt, dass es sich um einen missglückten Einschüchterungsversuch gehandelt habe.

Saudiarabien hat eine Auslieferung von zwei hohen Beamten aus dem Umfeld des Kronprinzen Muhammad bin Salman ausgeschlossen. Der saudische Aussenminister Adel al-Dschubair sagte am Sonntag, sein Land werde die Gesuchten nicht überstellen, wie der saudische Sender al-Arabiya online berichtete. «Wir liefern unsere Bürger nicht aus.»

Die Türkei hatte Anfang Dezember gegen Saud al-Kahtani, einen engen Vertrauten des Prinzen, und den Ex-Geheimdienst-Vizechef Ahmed al-Asiri Haftbefehle erlassen. Khashoggi war am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden.

Ist der Haftbefehl ein politischer Schachzug?

Den Haftbefehlen zufolge, aus denen die türkische Nachrichtenagentur Anadolu zitierte, wirft die Staatsanwaltschaft den beiden prominenten Beamten «geplanten und vorsätzlichen Mord» vor. Auch von «Folter» ist die Rede. Die Männer seien unter denjenigen gewesen, die den Mord in Saudiarabien geplant hätten.

Die Fahndungs- und Haftbefehle wurden allerdings eher als ein politischer Schachzug bewertet, um den Druck auf Saudiarabien aufrecht zu erhalten, als ein aussichtsreiches juristisches Manöver. Saudiarabien hat einen eigenen Prozess angestrengt, in dem angeblich elf Menschen angeklagt wurden und fünf nach dem Willen der Staatsanwaltschaft hingerichtet werden sollen.

Die Türkei und Saudiarabien sind Rivalen in der Region. Ausserdem nimmt es die türkische Regierung Riad übel, das Verschwinden des Regierungskritikers in der Türkei orchestriert zu haben.

oli/chk/sda

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