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Säkularer Kandidat Essebsi in Tunesien vorne

Bei der tunesischen Präsidentschaftswahl erreicht vermutlich kein Anwärter das absolute Mehr. Beide Lager rechnen sich gute Chancen für die Stichwahl aus.

Liegt bei den Präsidentschaftswahlen in Tunesien vorne: Béji Caid Essebsi. (23. November 2014)
Liegt bei den Präsidentschaftswahlen in Tunesien vorne: Béji Caid Essebsi. (23. November 2014)
Reuters

Die Auszählung der Stimmen dauert in Tunesien nach den ersten demokratischen Präsidentenwahlen an. Prognosen sehen den 87-jährigen säkularen Kandidaten und früheren Regierungschef Béji Caïd Essebsi mit einen deutlichen Vorsprung vor den anderen Bewerbern.

Er verfehlte demnach jedoch die absolute Mehrheit und muss sich vermutlich bei einer Stichwahl am 28. Dezember seinem härtesten Konkurrenten stellen. Das war am Wahlsonntag laut den Prognosen Übergangsstaatschef Moncef Marzouki.

Beide Lager beanspruchen Führung

«Essebsi hat nach ersten Ergebnissen einen klaren Vorsprung», verkündete dessen Wahlkampfleiter bereits kurz nach Schliessung in Tunis. Der 87-jährige Kandidat der säkularen Partei Nidaa Tounès habe «nur knapp» eine absolute Mehrheit verfehlt und müsse damit wahrscheinlich in die Stichwahl.

Auch das Lager von Übergangspräsident Marzouki ging von einer Stichwahl gegen Essebsi aus – sah den eigenen Kandidaten aber ebenfalls vorn. «Im schlimmsten Fall gibt es einen Gleichstand, aber wir gehen von zwei bis vier Prozentpunkten Vorsprung aus», sagte Wahlkampfleiter Adnène Mancer. «Wir ziehen mit grossen Chancen in die Stichwahl.»

Nicht nur Nachwahlbefragungen bescheinigten Essebsi einen deutlichen Vorsprung vor seinem Rivalen. Wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf ein privates Institut berichtete, kam Essebsi auf 42,7 bis 47,8 Prozent der Stimmen, Marzouki erreichte zwischen 26,9 und 32,6 Prozent.

Die Wahlkommission hat bis Mittwoch Zeit, das amtliche Endergebnis bekanntzugeben. Nach offiziellen Angaben gingen 64,6 Prozent der 5,3 Millionen wahlberechtigten Tunesier zur Urne. Im Ausland seien es bis Sonntagabend 29,68 Prozent gewesen.

Verschärfter Ton

Am Wahltag hatten die beiden favorisierten Lager den Ton verschärft. Essebsis Kampagnenleiter warf Marzouki vor, dieser habe «im Wahlkampf mit dschihadistischen Salafisten paktiert». Dessen Wahlkampfteam wiederum äusserte angesichts der unklaren Ausgangslage die Befürchtung, dass es bei der Stimmenauszählung zu Betrug kommen könnte.

Marzouki selbst bezeichnete sich mit Blick auf die Stichwahl als «natürlichen Kandidaten» all jener Tunesier, die «für eine echte Demokratie sind, mit der Vergangenheit brechen wollen, und sich eine wahre Zivilgesellschaft und Machtbalance wünschen». Er zähle deshalb auf die Unterstützung «sämtlicher demokratischen Kräfte».

Der drittplatzierte Präsidentschaftskandidat Hamma Hammami kündigte ein schnellstmögliches Treffen seines Lagers an, um darüber zu beraten, wie dieses sich bei einer Stichwahl positioniert.

Erste freie Präsidentenwahl

Die Abstimmung am Sonntag war die erste freie Präsidentenwahl in der Geschichte des nordafrikanischen Landes. Sie soll den Übergangsprozess zur Demokratie vollenden, der nach dem Sturz von Staatschef Zine El Abidine Ben Ali im Frühjahr 2011 eingeleitet worden war. Ende Oktober hatten bereits Parlamentswahlen in Tunesien stattgefunden, bei denen Nidaa Tounès 85 der 217 Abgeordnetensitze erobern konnte.

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini lobte Tunesien für seine demokratischen Fortschritte und forderte, den Wahlprozess nun auch transparent und respektabel zu beenden. US-Aussenminister John Kerry sprach von einem «historischen Moment» für das Land.

SDA

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