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Rundumschlag eines Königs

«Mursi hat keinen Tiefgang, Assad ist provinziell»: In einem Interview beschimpft Jordaniens König Abdullah II. arabische Machthaber, den Westen und sogar die eigene Familie.

Irritiert mit einem ungewöhnlich offenen Interview: Jordaniens  König Abdullah II. (10. Februar 2013)
Irritiert mit einem ungewöhnlich offenen Interview: Jordaniens König Abdullah II. (10. Februar 2013)
AFP
Tayyip Erdogan betrachte die Demokratie als Busfahrt, sagt er: König Abdullah II. schüttelt dem türkischen Premierminister in Ankara die Hand. (6. März 2013)
Tayyip Erdogan betrachte die Demokratie als Busfahrt, sagt er: König Abdullah II. schüttelt dem türkischen Premierminister in Ankara die Hand. (6. März 2013)
Keystone
Strahlt an seiner Seite: Die Frau von König Abdullah II. am WEF in Davos, Königin Rania. (25. Januar 2013)
Strahlt an seiner Seite: Die Frau von König Abdullah II. am WEF in Davos, Königin Rania. (25. Januar 2013)
Keystone
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Selten hat ein arabischer Herrscher in westlichen Medien so offen Stellung bezogen wie Jordaniens König Abdullah II. In einem Interview mit dem US-Journalisten Jeffrey Goldberg zog er gleich über mehrere arabische Machthaber her, darunter Syriens Bashar al-Assad, Ägyptens Mohammed Mursi und der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan.

Mursi habe «keinen Tiefgang», sagte Abdullah laut einem Vorabbericht der «New York Times» (NYT). Erdogan sei ein «autoritärer Herrscher», der Demokratie als Busfahrt betrachte, «mit der Devise: Sobald ich meine Haltestelle erreiche, steige ich aus». Der syrische Diktator Assad sei so provinziell, dass er den König bei einem gemeinsamen Diner nach der Bedeutung des Begriffs Jetlag habe fragen müssen – «er hatte noch nie davon gehört».

«Sie haben es noch nicht kapiert»

Abdullah erscheine im Interview beinahe resigniert angesichts der vielen Herausforderungen, mit denen er sich durch die Aufstände im Nahen Osten konfrontiert sehe, schreibt die NYT. Er wisse, dass die Ära der Monarchien vor dem Aus stehe, so Abdullah. Doch viele Dynastien würden die Konsequenzen des arabischen Frühlings unterschätzen – auch seine eigene: «Viele meiner Familienmitglieder haben es noch nicht kapiert.»

Abdullah verspricht zudem Fortschritt: Er wolle der «unerhörten Zurschaustellung von Masslosigkeit und Korruption» ein Ende bereiten. Dazu verhafte er im Notfall sogar seine eigenen Familienmitglieder, nehme ihnen ihre Autos weg oder rationiere ihren Benzinverbrauch.

Gleichzeitig besteht Abdullah darauf, dass nur er sein Land zur Demokratie hinführen kann, und warnt vor einer Machtübernahme durch seine islamistischen Kontrahenten. Mursis Muslimbrüder beispielsweise seien «Wölfe im Schafspelz», die Westler zu naiv, um ihre wahren Beweggründe zu erkennen. Dass die politischen Reformen in Jordanien nicht vorankämen, sei die Schuld der staatlichen Geheimpolizei: Sie habe sich mit der Opposition verbündet, um seine Anstrengungen zu blockieren.

Massendemonstrationen gegen das Königshaus

Das Interview, das diese Woche in voller Länge im US-Magazin «The Atlantic» publiziert wird, präsentiert laut der NYT eine seltene Einsicht in die widersprüchliche Geisteshaltung des Königs. Seine Aussagen seien auch Ausdruck des Versuchs, die Kontrolle während der Wirren des arabischen Frühlings in den Händen zu behalten.

Im Sommer letzten Jahres war es in Jordanien mehrmals zu Massendemonstrationen gekommen, nachdem Abdullah das Parlament seines Landes aufgelöst, vorgezogene Neuwahlen angekündigt und ein neues Wahlgesetz in Kraft gesetzt hatte. Die Regelung sah vor, dass nur 27 von 150 Parlamentssitzen an Parteilisten gehen. Der Rest war für Einzelkandidaten bestimmt, die zumeist Stammesloyalitäten verpflichtet sind und dem Königshaus nahestehen. Bei den Wahlen im Januar gewannen Stammesvertreter und Konservative dann rund 90 Prozent der Sitze im jordanischen Parlament.

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