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Rebellen an allen Fronten auf dem Vormarsch

Die libyschen Aufständischen sind in die Ghadhafi-Hochburg Bani Walid eingedrungen. Und auch auf dem diplomatischen Parkett verbuchen sie Erfolge: Die UNO lockert die Sanktionen gegen Libyen.

Aus vollen Rohren: Rebellen schiessen vor Sirte Raketen ab. (24. September 2011)
Aus vollen Rohren: Rebellen schiessen vor Sirte Raketen ab. (24. September 2011)
Reuters
Warten auf den Sieg? Libysche Rebellen in der Nähe von Bani Walid. (22. Sepember 2011)
Warten auf den Sieg? Libysche Rebellen in der Nähe von Bani Walid. (22. Sepember 2011)
Keystone
«Die Strategie in Bani Walid heisst abwarten», sagt ein Sprecher des Übergangsrats: Die Kämpfer hinter der Frontlinie füllen ihre Zeit mit Spässen. (10. September 2011)
«Die Strategie in Bani Walid heisst abwarten», sagt ein Sprecher des Übergangsrats: Die Kämpfer hinter der Frontlinie füllen ihre Zeit mit Spässen. (10. September 2011)
AP/Keystone
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Nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Ghadhafi hat der UNO-Sicherheitsrat die gegen Libyen verhängten Sanktionen gelockert. Das Gremium beschloss heute Freitag in New York auch einstimmig die Entsendung einer UN-Mission, die dem Übergangsrat in Tripolis bei der Organisation von Wahlen und der Ausarbeitung einer neuen Verfassung zur Seite stehen soll. In der Resolution begrüsste der Sicherheitsrat die «Verbesserung der Situation» in dem nordafrikanischen Land.

Die UNO-Vollversammlung gibt dem Nationalen Übergangsrat zudem den Sitz Libyens bei den Vereinten Nationen. Bislang wurde dieser noch von der Regierung des früheren Machthabers Muammar al-Ghadhafi gehalten. Die Vollversammlung stimmte dem Antrag des Rats heute Freitag zu. Widerstände hatte es aus Südafrika und Lateinamerika gegeben; letztlich stimmten aber weit mehr als 100 Staaten für die Anerkennung des Übergangsrates. Dagegen votierten nur 17. Die UNO- Botschaft wird schon seit fast einem halben Jahr von Ghadhafi-Gegnern dominiert

Die letzten Hochburgen wanken

Unterdessen machen die Kampfeinheiten der Rebellen weitere Landgewinne. Nach der Küstenstadt Sirte haben Kämpfer der neuen libyschen Führung eine weitere Bastion des langjährigen Machthabers Muammar al-Ghadhafi angegriffen. Laut Angaben des Nationalen Übergangsrates drangen Einheiten in die Wüstenstadt Bani Walid ein. Den ganzen Tag waren in der zwei Wochen lang von den Rebellen belagerten Stadt rund 170 Kilometer südöstlich von Tripolis Explosionen und Schüsse zu hören. Rund um das Stadtzentrum gingen Hunderte Ghadhafi-Anhänger in Stellung, die zu allem entschlossen schienen.

Die Truppen der Übergangsregierung nahmen am Vormittag ein Tal ein, das direkt in die Innenstadt von Bani Walid führt. «Der Weg ins Zentrum ist frei», sagte ein Kämpfer. Das grösste Hindernis sei jedoch die Allee Wadi Sajtun, an der sich Ghadhafi-treue Scharfschützen postiert hätten, sagte ein Kommandant.

Heftiger Widerstand in Sirte

Bereits gestern hatten Einheiten der Rebellen auch die Heimatstadt Ghadhafis gestürmt. In Sirte stiessen sie auf heftigen Widerstand, wie ein Militärsprecher mitteilte. Auch hier gebe es Probleme mit Heckenschützen.

Die Stadt sei von Süden, Osten und Westen und von der Küste her angegriffen worden. Kämpfer des Übergangsrats erklärten, sie hätten bereits die Hälfte von Sirte unter ihrer Kontrolle. Den Angaben zufolge wurde bei der ersten Offensive zwölf Kämpfer der Übergangsregierung getötet und 34 verletzt.

Türkei als Vorbild

Während die Kämpfe um die letzten Stellungen der Ghadhafi-Anhänger andauerten, warb der Übergangsrat um internationale Unterstützung. Der Vorsitzende Mustafa Abdul Jalil empfing den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Flughafen von Tripolis.

Bei einer gemeinsamen Medienkonferenz erklärte Jalil die türkische Demokratie zum Vorbild. «Wir wollen ein demokratisches, islamisches Land nach dem Vorbild der Türkei werden.» In Kairo war Erdogan diese Woche dagegen von den ägyptischen Muslimbrüdern kritisiert worden, weil er für das türkische Modell eines säkularen Staates, der Raum bietet für moderate Islamisten, geworben hatte.

Erdogan auf Werbereise

Erdogan befindet sich auf einer Reise durch die arabische Welt, bei der er den Ländern Hilfe anbieten und seinen Status als Führer in der Region bekräftigen will. Es wurde erwartet, dass er in Libyen über die Wiederaufnahme von Investitionen in das Land verhandeln wird.

Erdogan lauschte auf dem sogenannten Märtyrer-Platz in Tripolis gemeinsam mit Mitgliedern des Übergangsrats und einfachen Bürgern der Freitagspredigt. Zudem will er in die Städte Misrata und Benghasi reisen. Bereits am Vortag hatten der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron Libyen besucht.

UNO plant Mission

Auch die Vereinten Nationen wollen Libyen beim Wiederaufbau helfen: Die Entsendung einer ersten UNO-Mission sollte voraussichtlich noch heute im Sicherheitsrat in New York beschlossen werden, hiess es aus diplomatischen Quellen.

Der Kernpunkt des vorliegenden Resolutionsentwurfes ist der geplante UNO-Einsatz UNSMIL (United Nations Support Mission in Libya). Er würde dem Übergangsrat in Tripolis zunächst nur für drei Monate mit etwa 200 zivilen Experten zur Seite stehen. In dieser Zeit soll der langfristige Bedarf an Unterstützung durch die UNO ausgelotet werden. Der Entwurf sieht ausser der UNSMIL die Aufhebung des Flugverbots über Libyen sowie die Freigabe zweistelliger Milliardenbeträge vor, die im Februar und März eingefroren worden waren. Ausserdem sind Erleichterungen für Unternehmen des Ölsektors, die libysche Zentralbank und weitere Kreditinstitute vorgesehen.

dapd/jak, wid

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