Zum Hauptinhalt springen

Palästinensischer Pathologe bestätigt Folter-Vorwürfe

Der am Samstag in israelischer Haft gestorbene Palästinenser sei gefoltert worden, sagt ein Pathologe aus Ramallah. Der Todesfall sorgt am zweiten Tag in Folge für Proteste im Westjordanland.

Grosse Wut im Westjordanland: Ein Palästinenser bewirft israelische Soldaten mit Steinen. (24. Februar 2013)
Grosse Wut im Westjordanland: Ein Palästinenser bewirft israelische Soldaten mit Steinen. (24. Februar 2013)
AFP

Ein in israelischer Haft ums Leben gekommener Palästinenser ist nach Angaben des palästinensischen Chef-Pathologen Saber Alul an den Folgen «extremer Folter» gestorben. Alul äusserte sich am Sonntag in Ramallah, nachdem er einer Autopsie israelischer Experten des am Vortag gestorbenen Arafat Dscharadat zugesehen hatte.

Von israelischer Seite gab es zunächst keine Angaben über das Ergebnis der Untersuchung. Der Pathologe verneinte, dass der junge Familienvater – wie von Israel angegeben – an einem Herzinfarkt gestorben sei.

Dscharadat aus der Nähe von Hebron war am 18. Februar festgenommen worden. Er soll Steine auf israelische Zivilisten geworfen haben. Am Samstag hatten die israelischen Behörden dann mitgeteilt, er sei im Gefängnis Megiddo an Herzversagen gestorben.

4500 Gefangene im Hungerstreik

Im Westjordanland führte der Tod des Häftlings zu Protesten. Palästinenser warfen am Sonntag mit Steinen nach israelischen Soldaten, die ihrerseits nach Angaben von Augenzeugen Tränengas und Gummigeschosse einsetzten.

4500 palästinensische Gefangene in Israel traten aus Protest in einen eintägigen Hungerstreik. Eine Sprecherin der israelischen Gefängnisbehörde sagte, Arafat Dscharadat aus einem Dorf bei Hebron sei im Gefängnis Megiddo in Nordisrael am Samstag «plötzlich» verstorben – «vermutlich an Herzstillstand».

Auch der Inlandsgeheimdienst Schin Beth, der den 30-Jährigen verhörte, wies jede Verantwortung von sich: Dem Gefangenen sei nach dem Mittagessen schlecht geworden. Zu Hilfe gerufene Ärzte hätten ihn nicht mehr retten können.

Ban Ki Moon: Anklage oder Freilassung

Die Solidaritätsbewegung für Palästinenser in israelischen Gefängnissen hat seit Beginn des Monats massiv zugenommen. Sie gilt vor allem den vier Palästinensern, die sich seit mehreren Monaten im Hungerstreik befinden.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich vor knapp einer Woche besorgt geäussert und gefordert, dass die Häftlinge vor Gericht gestellt oder freigelassen werden müssten.

Angesichts der Proteste rief Israel die palästinensische Autonomiebehörde «nachdrücklich» auf, den Demonstrationen ein Ende zu bereiten. Offenbar um die Lage zu beruhigen, entschied Regierungschef Benjamin Netanyahu zugleich, dass bisher zurückgehaltene und eigentlich den Palästinensern bereits im Januar zustehende Gelder an die Autonomiebehörde ausgezahlt werden sollen. Bei den Geldern handelt es sich um Zölle und Steuern, die Israel für die Palästinenser eintreibt.

SDA/fko

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch