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Pakistan hat kein Interesse an US-Untersuchung

Laut dem US-Verteidigungsministerium will sich Islamabad nicht an den Ermittlungen des Nato-Angriffs beteiligen. Ebenso will sich Pakistan zurzeit nicht als Vermittler in den Taliban-Verhandlungen einbringen.

«Wir müssen unsere Souveränität sicherstellen»: die pakistanische Aussenministerin Hina Rabbani Khar.
«Wir müssen unsere Souveränität sicherstellen»: die pakistanische Aussenministerin Hina Rabbani Khar.
Keystone

Pakistan will sich nach Angaben des Pentagons nicht an einer von den USA geleiteten Untersuchung des jüngsten Nato-Angriffs mit 24 Toten an der Grenze zu Afghanistan beteiligen. Islamabad sei eingeladen worden, sich den Ermittlungen zu dem Vorfall vom vergangenen Wochenende anzuschliessen, habe bisher jedoch abgelehnt, hiess es am Freitag im Verteidigungsministerium in Washington.

Hinsichtlich der Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Terrorbekämpfung in der Region nannte Pentagon-Sprecher George Little den Angriff «ein Schlagloch im Weg». Wer für das Unglück verantwortlich sei, könne vor Abschluss der Untersuchung noch nicht gesagt werden, hiess es.

Fehlender Vermittler

Unmittelbar vor der internationalen Afghanistan-Konferenz sorgt Pakistan weiter für Probleme: Das für den Frieden in der Region entscheidende Land nimmt weder an dem Treffen von 100 Delegationen am Montag in Bonn teil noch steht es derzeit als Vermittler in den Verhandlungen mit den Taliban zur Verfügung.

«Wir unterstützen den Versöhnungsprozess» zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung, sagte die pakistanische Aussenministerin Hina Rabbani Khar der «Süddeutschen Zeitung». Pakistan hätte gerne eine positive Rolle gespielt. «Aber wir können das nicht in einem anderen Land, wenn es in unserem eigenen Land gerade nicht möglich ist. Wir müssen unsere Souveränität sicherstellen.»

Pakistan hatte seine Teilnahme an der Afghanistan-Konferenz abgesagt. Hintergrund des Boykotts ist ein Nato-Luftangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan. Am 25. November war ein pakistanischer Grenzposten von US-Hubschraubern aus beschossen worden. Dabei wurden mindestens 24 pakistanische Soldaten getötet.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, warnte angesichts der Absage Pakistans vor einem Scheitern der Konferenz. «Wer heute Afghanistan sieht, der muss Pakistan, Indien und Iran, ja der muss den gesamten Raum sehen», sagte Kirsch der «Mitteldeutschen Zeitung» (Online-Ausgabe). «Afghanistan und Pakistan - das ist ein Thema. Insofern macht es kaum Sinn, eine Konferenz durchzuführen, bei der das wichtigste Land, das ausserdem noch die Atomwaffe hat, nicht dabei ist.»

Der pakistanische Autor Ahmed Rashid sieht doch noch Hoffnung, dass in Bonn ein Durchbruch verkündet werden kann. «Dass sich die Taliban, die USA, Katar und Deutschland darauf einigen, ein Büro der Taliban in der katarischen Hauptstadt Doha zu eröffnen», sagte Rashid der «Süddeutschen Zeitung», würde erlauben, die Gespräche zwischen allen Seiten in einer kontinuierlichen Weise fortzusetzen. Frühere Erwartungen, die Taliban könnten eigene Vertreter zu dem Bonner Treffen schicken, hatten sich nicht erfüllt.

Aussenminister bei Vorbereitungstreffen

Zur Vorbereitung der Konferenz wurden am Samstag Aussenminister Guido Westerwelle und sein afghanischer Kollege Salmai Rassul zu einem Treffen mit 34 Vertretern der afghanischen Zivilbevölkerung erwartet. Zu der Aussenministerkonferenz am Montag sind auch zwei Vertreter der afghanischen Bevölkerung als offizielle Delegierte eingeladen. Die anderen Delegierten tagten im ehemaligen Bundestag, dem Ort der Konferenz.

Am Abend kommt Westerwelle ausserdem mit dem türkischen Aussenminister Ahmed Davutoglu zusammen. Bereits am Mittag demonstrierte ein Protestbündnis unter dem Motto «Sie reden vom Frieden. Sie führen Krieg» in der Bonner Innenstadt.

Vertrauen in Karzai verloren

Der frühere Verteidigungsminister Peter Struck sieht die Entwicklung Afghanistans mit Sorge. «Mein Vertrauen in die Regierung Karzai ist verschwunden», sagte der SPD-Politiker in Bonn. Der afghanischen Zivilgesellschaft und couragierten Bürgern komme deshalb eine bedeutende Rolle zu, betonte Struck. Die Menschen in Afghanistan könnten sich bei ihrem Engagement auf die politischen Stiftungen in Deutschland verlassen, versicherte der Vorsitzende der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. «Wir lassen Sie nicht allein.»

Nach Schätzungen der afghanischen Behörden und internationaler Hilfsorganisationen leiden 2,6 Millionen Afghanen nach einer der schlimmsten Dürren des Jahrzehnts Hunger. 14 der 34 Provinzen des Landes sind betroffen, alle liegen im Norden.

dapd/kpn

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