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Obamas Kampf gegen das «dschihadistische Disneyland»

Trotz Druck der USA fliessen aus arabischen Staaten weiterhin Gelder an Terrorgruppen im Irak und in Syrien. Es soll sich dabei um hunderte Millionen Dollar handeln.

Durch Geld von arabischen Staaten gespeist: Mitglieder der Gruppierung ISIS. (14. Juni 2014)
Durch Geld von arabischen Staaten gespeist: Mitglieder der Gruppierung ISIS. (14. Juni 2014)
AFP

In Washington wird das bislang Undenkbare denkbar: So bedrohlich ist die militärische Situation im Irak geworden, dass die Obama-Administration eine Zusammenarbeit mit dem Iran erwägt. Bereits am Sonntag hatte der republikanische Abgeordnete Mike Rogers, der dem nachrichtendienstlichen Ausschusses im Repräsentantenhaus vorsitzt, vor einem «dschihadistischen Disneyland» gewarnt, das radikale Islamisten aus Europa und den USA anziehe. Rogers verlangte eine «koordinierte Aktion» der USA und der irakischen Nachbarn unter Einbeziehung der Arabischen Liga.

Kaum aber dürfte sich die Arabische Liga einhellig hinter die bedrohte schiitische Regierung in Bagdad stellen: Der Konflikt im Irak wiederspiegelt längst den historischen Bruch zwischen Schiiten und Sunniten, seit Jahren fliessen beträchtliche Geldsummen aus den arabischen Anrainerstaaten am Persischen Golf in die Kassen extremer Dschihadi-Gruppen wie der al-Nusrat-Front oder des Islamischen Staats im Irak und Syrien (ISIS).

Stetig fliessender Geldstrom

Obwohl das US-Finanzministerium immer wieder versucht hat, diese Geldströme zu stoppen, läuft die Finanzierung sunnitischer Terrorgruppen auf den syrischen und irakischen Schlachtfeldern durch reiche Mäzene und islamische Wohlfahrtsverbände in Kuweit, Saudiarabien und Qatar unvermindert weiter. Zwar übt Washington mit Hilfe der internationalen «Financial Action Taskforce» gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung Druck auf diese Staaten aus, doch konnte der Geldfluss vom Golf nach Syrien und in den Irak bislang nicht unterbunden werden.

Gemäss einer von WikiLeaks veröffentlichten Depesche hatte die US-Botschaft im saudischen Riad bereits 2010 gewarnt, die Finanzierung von Terrorgruppen durch Spender in Saudiarabien sei «weiterhin ein ernsthaftes Problem». Inzwischen speist sich der Geldfluss vor allem durch Geldgeber in Kuweit sowie in Katar. Die «Brookings Institution», ein Washingtoner Think-Tank, konstatierte in einem Report im Dezember 2013, Kuweit habe sich «in den vergangenen zweieinhalb Jahren als finanzielle und organisatorische Drehscheibe» etabliert.

Umstrittener kuweitischer Minister

Die Berufung Nayef al-Ajmis zum kuweitischen Minister für Gerechtigkeit und islamische Angelegenheiten Anfang 2014 brachte das Fass dann zum Überlaufen: Washington beschuldigte den Minister, offen für dschihadistische Gruppen in Syrien Geld gesammelt zu haben. In einer ungewöhnlich scharfen Rede kritisierte der im Washingtoner Finanzministerium für Terrorismus und finanzielle Aufklärung zuständige Staatssekretär David Cohen Anfang März die Ernennung al-Ajmis als «Schritt in die falsche Richtung» und bezichtigte Kuweit, «Mittelpunkt des Geldsammelns für terroristische Gruppen in Syrien» zu sein.

Zwar wies das kuweitische Kabinett die Kritik Cohens umgehend zurück, im Mai aber trat al-Ajmi von seinem Posten zurück. Neben Kuweit benannte Cohen auch Qatar als Geldquelle für sunnitische Terrorgruppen und bezifferte die Summe der Gelder, die von islamischen Wohlfahrtsverbänden gesammelt worden sei, auf «hunderte von Millionen Dollar». Oft dienen die Wohlfahrtsverbände einem doppelten Zweck: Sie gewähren humanitäre Hilfe, zweigen einen Teil ihrer Einkünfte aber laut dem Washingtoner Finanzministerium zur Unterstützung dschihadistischer Organisationen ab.

Zwischen Humanismus und Terrorfinanzierung

So ist Kuweit einerseits der wichtigste Geldgeber für humanitäre Hilfe in Syrien, andererseits aber dank lascher Regulierungen eine Geldquelle für die Dschihadisten. Da die Banken in der Region auf amerikanischen Druck zusehends strikteren Kontrollen unterworfen sind, fliessen Gelder nach Syrien und in den Irak durch Wechselstuben, Cash-Kuriere und islamische Hawala-Netzwerke. Trotz der Washingtoner Bemühungen ist ein Ende der finanziellen Unterstützung bislang nicht in Sicht: Je mehr die Konflikte in Syrien und im Irak zum Überlebenskampf gegen die Schiiten deklariert werden, desto bereitwilliger öffnen sunnitische Spender am Golf ihre Geldbeutel.

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