«NYT»-Kriegsreporter stirbt in Syrien

Die Welt verliert ein scharfes Auge auf den Nahen Osten: Dem Pulitzer-Preisträger Anthony Shadid wurde in Syrien ein Asthmaanfall zum Verhängnis. In Homs gehen die Angriffe mit unverminderter Härte weiter.

Erlag in Syrien einem Asthmaanfall: Anthony Shadid am 2. Februar in Kairo.

Erlag in Syrien einem Asthmaanfall: Anthony Shadid am 2. Februar in Kairo.

(Bild: Keystone)

Der mehrfach ausgezeichnet Korrespondent der «New York Times», Anthony Shadid, ist im Osten Syriens ums Leben gekommen. Der 43-jährige Amerikaner mit libanesischen Wurzeln sei offenbar gestern an einem Asthmaanfall gestorben, teilte die «New York Times» mit.

Shadid befand sich nach Angaben der Zeitung in Syrien, um über den Widerstand gegen die Regierung von Präsident Bashar Assad zu berichten. Ein Fotograf der Zeitung brachte die Leiche des Journalisten in die Türkei. Die beiden seien kürzlich über die Grenze nach Syrien geschleust worden, wo sie von Führern auf Pferden erwartet wurden.

Immer wieder in Gefahr

Nach Angaben des Vaters von Shadid haben sein Asthma und seine Allergie gegen Pferde zu einem schweren Anfall geführt. Die beiden seien gerade auf dem Weg zurück in die Türkei gewesen, als Shadid den Asthmaanfall erlitten habe, sagte «New York Times»-Fotograf Tyler Hicks.

Shadid wurde für seine Berichterstattung über den Irak-Krieg zweimal mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, 2004 und 2010. Immer wieder kam er in Krisengebieten in Lebensgefahr. Im vergangenen März wurde er in Libyen von Truppen Muammar al-Ghadhafis festgenommen und sechs Tage festgehalten. 2002 wurde er im Westjordanland angeschossen.

Vier Raketen pro Minute

Die syrische Armee hat heute, am Tag nach der deutlichen Verurteilung des Regimes durch die UNO-Vollversammlung, den Beschuss der Rebellenhochburg Homs deutlich verschärft. Dies berichten Oppositionsaktivisten. «Es sind die heftigsten Angriffe seit zwei Wochen. Das ist unfassbar. Das ist von einer solch extremen Gewalt, wie wir sie noch nicht erlebt haben», sagte Hadi Abdallah, ein Mitglied der Generalkommission der Syrischen Revolution, der Nachrichtenagentur AFP.

Minütlich würden durchschnittlich vier Raketen abgefeuert. Zusätzlich zu den Vierteln Baba Amr und Inshaat würden auch Khaldiye und Bayyada beschossen, sagte Abdallah. Zudem würden Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe über der Stadt kreisen. Der seit dem 4. Februar andauernde Beschuss der Stadt, bei dem nach Angaben von Aktivisten bereits Hunderte Menschen ums Leben kamen, sei ein «Kriegsverbrechen», sagte der Aktivist. Wegen der Unterbrechung der Telefon- und Internetverbindung in die Stadt gelangen Informationen nur bruchstückhaft aus der Stadt.

Freitagsproteste angekündigt

Aus der Provinz Deir al-Sur wurden Gefechte der Armee mit zwei Gruppen von Deserteuren gemeldet. Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sei getötet worden, hiess es. Ein junger Zivilist sei an einer Strassensperre erschossen worden.

Nach dem Freitagsgebet ist es in mehreren syrischen Städten erneut zu Demonstrationen gekommen. Die Proteste standen diesmal unter dem Motto «Widerstand des Volkes». Der Slogan könnte ein Indiz dafür sein, dass die Protestbewegung angesichts der aus ihrer Sicht mangelnden Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft jetzt stärker als bisher auf die Deserteure und den bewaffneten Widerstand setzt.

ami/dapd

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