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Muslimbrüder ziehen Betonwand um Lager

Protest am Tag des Fastenbrechens: Während die ägyptische Tamarud-Bewegung nationalistische Töne anschlägt, versuchen sich die Muslimbrüder in Kairo in ihrem Camp zu verbarrikadieren.

Schutz gegen eine allfällige Räumung: Protestcamp der Muslimbruderschaft in Kairo. (Foto: Twitter/@temoforever)
Schutz gegen eine allfällige Räumung: Protestcamp der Muslimbruderschaft in Kairo. (Foto: Twitter/@temoforever)

Tausende von Anhängern des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben im Zentrum der Hauptstadt das Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert – und damit erneut dem Militär die Stirn geboten.

Die Muslimbrüder haben am Eingang zu ihrem zentralen Protestlager vor der Rabea-al-Adawija-Moschee eine Betonwand hochgezogen, meldete das Nachrichtenportal «Youm7».

Unter einem Meer von Luftballons sprachen sie in Kairo das Morgengebet. Sie setzten sich damit über eine Anordnung der Übergangsregierung hinweg, nach der die beiden Plätze Rabaa al-Adawija und al-Nahda «umgehend» geräumt werden sollten. Die Regierung drohte erneut mit einer gewaltsamen Auflösung der Camps und erklärte, sich lediglich aus «Rücksichtnahme (...) auf den heiligen Monat Ramadan» zurückgehalten zu haben. Interims-Ministerpräsident Hasem al-Beblawi erklärte im Staatsfernsehen, wer «kein Blut an seinen Händen» habe, werde auf Staatskosten transportiert und nicht verfolgt. Die Anführer der Muslimbrüder riefen indes dazu auf, die Camps «bis zum Sieg» aufrechtzuerhalten.

Nationalistische Töne der Tamarud-Bewegung

Auch die andere Seite demonstriert: Eine Kundgebung der Tamarud-Bewegung auf dem Tahrir-Platz steht unter dem Motto «Fest der nationalen Unabhängigkeit gegen ausländische Einmischung». Die staatlichen Medien meldeten, Armee und Polizei hätten rund um den Platz starke Präsenz gezeigt, um mögliche Gewalt zu verhindern.

Die Bewegung Tamarud hatte Ende Juni Millionen von Menschen mobilisiert, um gegen die damals regierenden Muslimbrüder zu demonstrieren. Daraufhin hatte die Armee Mursi am 3. Juli abgesetzt.

Westliche und arabische Diplomaten hatten zuletzt vergeblich versucht, in Kairo einen Kompromiss auszuhandeln. Sie befürchten, dass eine dauerhafte Marginalisierung der Islamisten zu mehr Gewalt führt. Einige Ägypter empfinden diese Bemühungen als Einmischung.

Mehr als 250 Tote

Die Muslimbrüder halten seit der Entmachtung Mursis durch das Militär am 3. Juli die Plätze besetzt. Bei gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten wurden seitdem mehr als 250 Menschen getötet. Die Muslimbrüder verlangen die Wiedereinsetzung Mursis, der an einem geheimen Ort festgehalten wird.

Am Mittwoch waren Bemühungen westlicher und arabischer Diplomaten um Vermittlung zwischen den Konfliktparteien gescheitert. Die Schuld daran wies die neue Staatsführung Mursis Muslimbrüdern zu, die nun «die Konsequenzen ihrer Gesetzesverstösse und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit» tragen müssten.

AFP/sda/mrs

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