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Mit Kampffliegern gegen die PKK

Erneut soll die Türkei PKK-Ziele im Nordirak angegriffen haben. Die Verschiebung der geopolitischen Kräfte in der Region macht die Türkei nervös – bereits zeichnen sich erste Züge eines Kurdenstaates ab.

Weitgehende Autonomie in vormals umkämpftem Gebiet: Kurden im irakischen Arbil feiern das kurdische neue Jahr. (20. März 2012)
Weitgehende Autonomie in vormals umkämpftem Gebiet: Kurden im irakischen Arbil feiern das kurdische neue Jahr. (20. März 2012)
Keystone

Türkische Kampfflieger haben Medienberichten zufolge angebliche kurdische Rebellenstellungen im Nordirak angegriffen. Wie die private türkische Nachrichtenagentur Dogan heute meldete, griffen acht F-16-Jets zwölf Ziele der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Grenzgebiet zwischen dem Irak und dem Iran an. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Das türkische Militär flog in der Vergangenheit immer wieder Luftangriffe gegen PKK-Stützpunkte im Nordirak. Der Irak protestierte jeweils, reagierte aber nicht.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit Anfang der 1980er-Jahre für Unabhängigkeit oder grössere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat. Etwa 45'000 Menschen haben dabei bislang ihr Leben verloren.

Um den eigenen Staat gebracht

Im Konflikt mit der PKK bereitet der Türkei die Verschiebung der geopolitischen Verhältnisse jenseits ihrer Grenzen grosse Sorgen: In Nordsyrien sind inzwischen mehrere grenznahe Provinzen weitgehend unter Kontrolle der Partei für demokratische Einheit (PYD), des syrischen Ablegers der PKK. Rund 1,5 Millionen Syrer sind kurdisch. Zerfällt Syrien, könnten sie politische Autonomie erlangen.

Und dieser Prozess wiederum würde der Vision eines Kurdenstaates schärfere Konturen verleihen. Ein solcher würde die insgesamt 25 Millionen Menschen umfassenden Kurdengebiete in Syrien, der Südosttürkei, im Nordirak und in den westlichen Provinzen des Irans umfassen – genau das strebt die PKK bereits seit den 80er-Jahren an. Die Kurden sind ihrer Ansicht nach von den Kolonialmächten nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs vor fast hundert Jahren um ihren Staat gebracht worden.

Auch im Nordirak stehen die Zeichen auf Autonomie: Dort haben die Kurden seit dem Sturz von Saddam Hussein einen Teilstaat errichtet. Dessen Zentrum, die prosperierende Stadt Arbil, ist mittlerweile auch zur Drehscheibe für die syrisch-kurdische Opposition geworden. Damit hat sich die Türkei zwar nach anfänglichen Vorbehalten arrangiert. Für rote Köpfe sorgt jedoch, dass der irakische Kurdenpräsident Massoud Barzani die PKK-Führung und Stützpunkte der Rebellen im Nordirak duldet.

SDA/rbi

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