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Mindestens 45 Tote bei Bombenanschlägen in Libyen

Drei Autobombenanschläge des IS haben in Libyen mindestens 45 Menschen in den Tod gerissen. Die Bomben explodierten vor einem Café, einer Tankstelle und einem Sicherheitsgebäude.

Vergeltung für die ägyptischen Luftangriffe auf die Rebellenhochburg Darna: Eine Autobombe wurde neben einer Tankstelle in Kubba gezündet. (20. Februar 2015)
Vergeltung für die ägyptischen Luftangriffe auf die Rebellenhochburg Darna: Eine Autobombe wurde neben einer Tankstelle in Kubba gezündet. (20. Februar 2015)
Twitter / Michael Horowitz

Die Terrormiliz Islamischer Staat eröffnet im ohnehin schon instabilen Libyen offenbar eine weitere Front: Ein Ableger der Gruppe bekannte sich am Freitag zu einem Selbstmordanschlag im Osten des Landes, bei dem mindestens 45 Menschen getötet wurden.

Es handele sich um die Vergeltung für die Tötung von Muslimen bei ägyptischen Luftangriffen in Darna, hiess es in einer Erklärung des IS-Ablegers. Ägypten hatte die Rebellenhochburg nach der Ermordung von 21 koptischen Geiseln bombardiert. Der Angriff der Selbstmordattentäter habe sich zugleich gegen Einheiten des Generals Chalifa Haftar gerichtet, der im Auftrag der international anerkannten Regierung eine Offensive gegen islamistische Extremisten leitet. Die beiden Selbstmordattentäter wurden als «Ritter des Kalifats»bezeichnet. Der IS hat in den von ihm kontrollierten Gebieten im Irak und Syrien ein Kalifat ausgerufen.

Nach Angaben der Polizei wurde ein Sprengsatz an einer Tankstelle in der Stadt Kubba gezündet, wo Autofahrer für Treibstoff Schlange gestanden hatten. Es gebe auch zahlreiche Verletzte, sagte ein Militärsprecher. Der Anschlag trage die Handschrift islamischer Extremisten. Der IS-Ableger erklärte, der Angriff habe einem Operationsraum der Truppen Haftars gegolten.

Der Twitter-Account «ConflictNews» meldet dasselbe und bezieht sich dabei auf den Sicherheitsanalyst Michael Horowitz.

Horowitz selber publizierte auf Twitter Bilder des Anschlags.

Libyen wird seit Monaten von schweren Unruhen erschüttert. Islamistische Milizen haben die vom Westen anerkannte Regierung aus der Hauptstadt Tripolis vertrieben und stützen dort eine Gegenregierung. Auch gibt es zwei rivalisierende Parlamente. Erst vor wenigen Tagen hatten Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat in Libyen nach eigener Darstellung 21 koptische Christen aus Ägypten enthauptet.

Keine wirksame Regierung in Libyen

Danach beantragte die libysche Regierung bei den Vereinten Nationen die Aufhebung des Waffenembargos gegen ihr Land, damit sie sich gegen Extremisten wehren kann. Diese seien auch nahe an Europa herangerückt, argumentierte Aussenminister Mohammed al-Dair. Die USA und Grossbritannien, beides Vetomächte im Weltsicherheitsrat, lehnen Waffenlieferungen aber ab und erklärten, das Land brauche zunächst einmal eine Regierung der nationalen Einheit.

«Das Problem ist, dass es in Libyen keine Regierung gibt, die wirksam wäre und ihr Territorium unter Kontrolle hätte», sagte der britische Aussenminister Philip Hammond bei einem Besuch in Spanien. «Es gibt kein libysches Militär, das die internationale Gemeinschaft effektiv unterstützen könnte.»

Einfach Waffen an die eine oder andere Gruppe zu liefern, werde keine Lösung bringen und auch Europa nicht sicherer machen, fügte er hinzu. Auch die USA stehen nach Angaben des Aussenministeriums weiter zum Waffenembargo gegen Libyen.

Der Zerfall der Staatsmacht in dem nordafrikanischen Land begann nach dem Sturz des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi 2011. Die unterschiedlichen Milizen führen seither ein Eigenleben. In den vergangenen Monaten gab es heftige Kämpfe.

SDA/rsz

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