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30'000 syrische Rebellen beginnen Angriff auf Raqqa

Syrische Aktivisten berichten von heftigen Gefechten zwischen kurdischen Rebellen und IS-Kämpfern. Die Extremisten sollen aus ihrer De-facto-Hauptstadt vertrieben werden.

«Zorn des Euphrats»: Die Kämpferin Cihan Ehmed gab den Beginn der Operation an einer Pressekonferenz in Ein Issa nördlich von Raqqa bekannt. (6. November 2016)
«Zorn des Euphrats»: Die Kämpferin Cihan Ehmed gab den Beginn der Operation an einer Pressekonferenz in Ein Issa nördlich von Raqqa bekannt. (6. November 2016)
Delil Souleiman, AFP
An der Front: Mitglieder der Demokratischen Kräfte Syriens, eine von den USA unterstützte Koalition aus kurdischen, arabischen und christlichen Kämpfern. (6. November 2016)
An der Front: Mitglieder der Demokratischen Kräfte Syriens, eine von den USA unterstützte Koalition aus kurdischen, arabischen und christlichen Kämpfern. (6. November 2016)
Delil Souleiman, AFP
Offiziere der kurdischen Peshmerga-Truppen beraten sich 50 Kilometer vor der Frontlinie bei Mosul. (21. Oktober 2016)
Offiziere der kurdischen Peshmerga-Truppen beraten sich 50 Kilometer vor der Frontlinie bei Mosul. (21. Oktober 2016)
Amel Pain, Keystone
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Die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben ihre lange erwartete Offensive auf die IS-Hochburg Raqqa in Syrien begonnen. Das teilte die SDF nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw mit.

Man werde Schritt für Schritt vorgehen, sagte Cihan Ehmed, eine SDF-Kommandantin an einer Medienkonferenz in Ein Issa, rund 50 Kilometer nördlich von Raqqa. Die Sicherheit von Zivilisten habe Vorrang. Vier Fünftel der teilnehmenden Kämpfer seien als Zivilisten aus Raqqa geflohen.

Ehmed, umgeben von ranghohen Kommandeuren und Funktionären der SDF, rief die Türkei auf, sich aus dem Kampf um Raqqa herauszuhalten. «Unsere Hoffnung ist es, dass sich der türkische Staat nicht in die inneren Angelegenheiten Syriens einmischen wird», hiess es.

Kleine Dörfer eingenommen

Syrische Aktivisten haben von heftigen Gefechten zwischen kurdischen Rebellen und IS-Kämpfern nördlich von Raqqa berichtet. Zu den Kämpfen sei es südlich der von den Kurden kontrollierten Stadt Ein Issa gekommen, teilten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sowie eine Aktivistengruppe am Sonntag mit.

Die in Grossbritannien ansässige Beobachtungsstelle erklärte, dass SDF-Kämpfer sechs kleine Dörfer und Höfe in ländlichen Gegenden eingenommen hätten. Luftangriffe der von den USA angeführten Koalition hätten IS-Ziele getroffen. Der IS habe zwei Autobomben explodieren lassen, um die Truppen am Vormarsch zu hindern.

Die «Wut des Euphrat»

Unterstützt würden die Angreifer von einer US-geführten Militärkoalition und den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), dem bewaffneten Arm der SDF. Am Einsatz, der am Samstagabend begann und «Wut des Euphrat» heisse, seien 30'000 Kämpfer beteiligt.

Ein SDF-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Offensive sei in zwei Schritten geplant. Zunächst werde die Umgebung rund um Raqqa «befreit und die Stadt isoliert», dann werde die Kontrolle über die Stadt zurückgewonnen, sagte er. Der Kampf werde langwierig sein, da die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seine Bastion erbittert verteidigen werde.

YPG und SDF sind die wichtigsten Verbündeten des Westens gegen die sunnitischen IS-Extremisten in Syrien. Den SDF gehören auch turkmenische, arabische und assyrische Gruppen an. Die Kurden beherrschen mittlerweile grosse Teile der Grenze zur Türkei, über die früher der IS-Nachschub lief.

Türkei ausgeschlossen

Mit dem Nachbarland gibt es aber einige Spannungen. Ankara will verhindern, dass die Kurden weitere Gebiete unter ihre Herrschaft bringen. Die türkische Armee hatte im August einen Bodeneinsatz mit Panzern in Syrien begonnen. Sie unterstützt damit Rebellen und bekämpft die YPG und den IS.

Die kurdisch-arabische Militärallianz einigte sich aber nach eigenen Angaben mit den USA darauf, die Türkei von der Offensive auf Raqqa auszuschliessen. Die türkische Führung hatte vor kurzem angekündigt, dass das in Nordsyrien stationierte Militär seine Einsätze auf Raqqa ausdehnen könne.

Zusicherung von den USA

Die Türkei und die USA äusserten sich zunächst nicht zur Bekanntgabe der Kurden. Auf die Frage, ob er von den USA die Zusicherung erhalten habe, dass deren Nato-Partner Türkei nicht eingreifen werde, sagte SDF-Sprecher Talal Sillo: «Natürlich haben wir sichergestellt, dass keine anderen Kräfte als die SDF an der Operation beteiligt sind, bevor wir sie begonnen haben.»

Ein anderer SDF-Vertreter, Resan Hiddo, sagte, die Türkei sei immer schon ein Hindernis für die Befreiung Raqqas gewesen. Seine Gruppe habe das von den USA angeführte Militärbündnis gegen den IS informiert, dass Angriffe der Türkei auf kurdische Stellungen in Nordsyrien die Offensive zunichte machen könnten. Die Kurden-Milizen müssten dann ihre eigenen Gebiete schützen. «Wir können nicht das Feuer im Haus unseres Nachbarn löschen, wenn unser eigenes Heim brennt», sagte Hiddo.

IS würde Hauptstadt verlieren

Die Eroberung Raqqas ist vor allem deshalb wichtig, weil der IS damit die De-facto-Hauptstadt seines selbst ausgerufenen Kalifats verlieren würde. Ausserdem gibt es nach Angaben des US-Militärs klare Hinweise darauf, dass von Raqqa aus weitere IS-Anschläge gegen westliche Ziele geplant werden.

Die Offensive dürfte aber noch schwieriger werden als jene in Mossul. Im Gegensatz zum Irak, wo die Koalition eine Regierung hat, mit der sie zusammenarbeiten kann, stützen sich die USA und ihre Partner in Syrien auf ein Durcheinander aus örtlichen arabischen und kurdischen Oppositionsgruppen. Einige von diesen sind untereinander verfeindet. Die Spannungen werden durch die Präsenz russischer und syrischer Regierungstruppen auf der einen und türkischen auf der anderen Seite verschärft.

Bereits Mitte Oktober hatten irakische Streitkräfte einen Grossangriff auf die vom IS gehaltene Millionenstadt Mosul im Nordirak begonnen.

Die Jihadisten sind in ihrem Herrschaftsgebiet massiv unter Druck. Raqqa ist seit 2014 unter Kontrolle des IS und wurde zur Hauptstadt des von der Terrormiliz ausgerufenen «Kalifats» ernannt.

AFP/AP/jdr

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