Zum Hauptinhalt springen

«Mehr als zehn» MiGs für Assad

Russland liefert Syrien nach eigenen Angaben mindestens zehn Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29MM2. Damit werde ein Vertrag erfüllt, sagte heute MiG-Generaldirektor Sergej Korotkow.

Verstärkung für Assads Truppen: MiG-29 (Archivbild).
Verstärkung für Assads Truppen: MiG-29 (Archivbild).

«Eine syrische Delegation ist derzeit in Moskau und handelt die Details des Vertrags aus», sagte Korotkow der Agentur Interfax zufolge. Beobachter in Moskau werteten die Vereinbarung als direkte Antwort auf die Beendigung des EU-Waffenembargos gegen Syrien. Korotkow sagte nicht, wie viele MiG-29 M/M2 Kampfjets Syrien erhalten soll. Doch würden es «mehr als zehn» sein.

Bei den Kampfflugzeugen handelt es sich um eine modernisierte Variante der MiG-29 (NATO-Code Fulcrum). Russland hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Maschinen des Herstellers Mikojan-Gurewitsch (MiG) nach Syrien geliefert.

Wird wirklich geliefert?

Vereinbart zwischen Moskau und Damaskus ist auch die Lieferung russischer Flugabwehrsysteme vom Typ S-300. Doch um diese Lieferung gibt es offenbar Verwirrung. Nachdem der syrische Präsident Baschar al-Assad indirekt den Erhalt der Raketen bestätigt hatte, berichtetem russische Medien am Freitag, die Waffen seien bislang nicht in Syrien eingetroffen.

Einem Bericht der Tageszeitung «Wedomosti» zufolge ist es keineswegs sicher, dass die 2010 vereinbarte Lieferung von Waffensystemen an Assads Truppen im Wert von einer Milliarde Euro noch dieses Jahr erfolgt.

Die Tageszeitung «Kommersant» berichtete, die Boden-Luft-Raketen des Typs S-300 würden frühestens im September 2014 geliefert. Allein für die Ausbildung des syrischen Bedienungspersonals und Testläufe würden sechs Monate Vorlauf benötigt.

Beide Blätter bezogen sich auf Quellen aus der russischen Rüstungsindustrie und ein Fernseh-Interview des syrischen Machthabers vom Vortag. Darin hatte Assad auf die Frage nach der Lieferung von S-300-Raketen geantwortet: «Alle mit Russland geschlossenen Vereinbarungen werden eingehalten, und bei einem Teil war das kürzlich schon der Fall.»

«Wir sind zuversichtlich»

Der syrische Präsident Assad hatte sich am Donnerstag selber zu Wort gemeldet: Auch mehr als zwei Jahre nach Beginn des Aufstands in Syrien zweifle er nicht an seinem Sieg gegen die Rebellen. «Wir sind zuversichtlich und sicher, dass wir siegen werden, und ich kann bekräftigen, dass Syrien bleiben wird, wie es war», sagte Assad in Interview mit dem Hisbollah-Sender Al-Manar.

Assad sprach von einem «Weltkrieg gegen Syrien und den Widerstand» – ein Verweis auf die libanesische Schiiten-Miliz Hizbollah, die aufseiten der Regierungstruppen im syrischen Bürgerkrieg im Einsatz ist. Syrien würde nach dem Sieg sogar noch eine wichtigere Rolle in der Region einnehmen und Widerstandskämpfer in der gesamten arabischen Welt unterstützen, sagte Assad.

Drohung an Israel

Auch gegen den Erzfeind Israel teilte Assad aus und drohte dem Nachbarland mit einem Vergeltungsschlag, sollte es einen weiteren Luftangriff auf syrisches Gebiet wagen. Syrien habe bereits klargemacht, dass es auf Angriffe entsprechend reagieren werde, sagte Assad. «Wenn wir gegen Israel zurückschlagen, wird das eine strategische Antwort sein». Die Luftangriffe Anfang Mai galten nach Angaben aus israelischen Regierungskreisen Waffenlieferungen an die Hizbollah.

Assads Aussagen liessen die Hoffnungen schwinden, dass die internationale Gemeinschaft eine Verhandlungslösung vorbeiführen kann. Zumal die wichtigste syrische Oppositionsgruppe am Donnerstag ankündigte, unter den derzeitigen Bedingungen nicht an der geplanten Friedenskonferenz in Genf teilnehmen zu wollen. Gespräche über eine politische Lösung für das Bürgerkriegsland hätten «im Lichte der laufenden Massaker» keine Bedeutung, erklärte der Sprecher der Syrischen Nationalkoalition, Chalid Saleh, in Istanbul. Assad versicherte am Donnerstag, er sei prinzipiell» bereit, Verhandler zu der Konferenz zu entsenden.

Laut der jüngsten russisch-amerikanischen Friedensinitiative sollen bei der Konferenz in Genf Rebellengruppen und die Regierung miteinander verhandeln. Erstes Ziel wäre ein Waffenstillstand. Dann soll eine Übergangsregierung die Macht übernehmen und freie Wahlen vorbereiten. Ein ähnlicher Übergangsplan war vergangenes Jahr sowohl von der Opposition als auch von Assad abgelehnt worden.

Neue Mitglieder bei der Opposition

Das Oppositionsbündnis Syrische Nationale Koalition hat zudem nach achttägigen Beratungen die Aufnahme von 43 neuen Mitgliedern beschlossen. Nach einer letzten Debatte in einem Istanbuler Hotel gab Interimspräsident George Sabra am Donnerstagabend bekannt, dass die Vertreter von 43 Oppositionsgruppen aufgenommen worden seien.

Unter den neuen Mitgliedern ist insbesondere der Generalstab der Freien Syrischen Armee sowie mehrere Gruppen, die den Aufstand gegen Staatspräsident Baschar al-Assad mit ausgelöst hatten. Der Streit über die Ausweitung des Bündnisses hatte das Treffen in Istanbul über Tage gelähmt.

Die beiden Hauptgeldgeber Katar und Saudiarabien wollten auf diese Weise ihren Einfluss in dem Bündnis stärken. Insbesondere wollten sie die Macht der islamistischen Muslimbruderschaft, die die Nationale Koalition bisher stark dominiert, zurückdrängen.

sda/AFP/sam

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch