Medwedew schickt Kriegsschiffe nach Syrien

Russland verlegt einen Flugzeugträger und ein U-Boot-Zerstörer von der Nordsee ins Mittelmeer. Die Aktion richtet sich allerdings nicht gegen das Regime von Bashar al-Assad – sondern gegen den Westen.

Kündigt die Entsendung von Kriegsschiffen an: Russlands Präsident Dmitri Medwedew.

Kündigt die Entsendung von Kriegsschiffen an: Russlands Präsident Dmitri Medwedew.

(Bild: Keystone)

Russland hat die Entsendung schwerer Kriegsschiffe in die Gewässer vor Syrien angekündigt. Unter anderem würden ein Flugzeugträger und ein U-Boot-Zerstörer vom Nordmeer ins Mittelmeer verlegt, sagte Generalstabschef Nikolai Makarow nach Angaben der Agentur Interfax.

Makarow begründete den Standortwechsel mit einem Manöver. Nach Informationen der russischen Tageszeitung «Iswestija» sollen die Schiffe aber als Drohpotenzial gegenüber der Nato dienen. Russland hatte den Westen mehrfach vor einem gewaltsamen Regimewechsel in Syrien nach «libyschem Vorbild» gewarnt.

Enge Beziehungen zu Damaskus

Moskau unterhält enge Beziehungen zu Damaskus, einem wichtigen Waffenkunden. Zudem verfügt Russland über einen Stützpunkt an der syrischen Küste. Die UNO-Vetomacht Russland hat bereits eine Resolution gegen das arabische Land im Weltsicherheitsrat verhindert. Trotz des wachsenden internationalen Drucks auf die Führung in Damaskus lehnte Russlands Aussenminister Sergej Lawrow erneut ein Waffenembargo gegen Syrien ab.

Lawrow verglich die Lage in Syrien mit der in Libyen, wo das Ausland seinen Angaben zufolge die oppositionellen Milizen trotz eines UNO-Embargos beliefert habe. Lawrow wies darauf hin, dass Syriens Probleme nicht mit Handelsverboten gelöst werden könnten und unterstrich die Forderung seiner Regierung nach einer politischen Lösung. Russland bleibt damit bei seiner Weigerung, Sanktionen gegen Syrien zuzustimmen.

Bluff mit Video-Aufnahmen

Unterdessen scheint das syrische Regime mit allen Tricks um sein Überleben zu kämpfen: Arabische Fernsehsender berichteten, Videoaufnahmen, die Aussenminister Walid al-Muallim als Beweis für angebliche Verbrechen der Regimegegner veröffentlicht hatte, seien in Wirklichkeit im Nachbarland Libanon aufgenommen worden.

Die Bilder zeigten einen Lynchmord an einem mutmasslichen Mörder und Vergewaltiger in einem libanesischen Dorf im April 2010 sowie Kämpfe zwischen Sunniten und Alawiten in der libanesischen Stadt Tripoli im Jahr 2008.

Al-Muallim hatte den Staaten der Arabischen Liga, die am Sonntag Wirtschaftssanktionen gegen Syrien verhängten, vorgeworfen, sie ignorierten den Terror der Regimegegner.

miw/sda

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