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Kampf um Syriens Wirtschaftszentrum

Kaum scheinen die regimetreuen Truppen Teile der syrischen Hauptstadt Damaskus wieder in ihrer Hand zu haben, weiten sich die Kämpfe auf die Wirtschaftsmetropole Aleppo aus. Sie galt bislang als Assad-Hochburg.

Die Aufständischen in Syrien setzen ihre Offensive gegen Machthaber Bashar al-Assad fort und wollen ihn empfindlich treffen: Die Wirtschaftsmetropole Aleppo galt bisher als loyale Hochburg des Präsidenten und blieb weitgehend von Unruhen verschont. Doch nun rufen die Rebellen zur «Befreiung» der bevölkerungsreichen Stadt auf, wie «Spiegel Online» berichtet. Einer ihrer Kommandeure erklärte in einer gestern veröffentlichten Stellungnahme, der Befehl zum Einmarsch in Aleppo sei bereits erteilt worden.

Gemäss der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wird nun in mehreren Stadtteilen der 1,7-Millionen-Metropole gekämpft. Zahlreiche Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) seien nach Aleppo gekommen und kämpften gegen Regierungssoldaten, hiess es. Demnach halten die Aufständischen bereits die Stadtteile Sahur, Hanano und Sajf al-Daula.

Lage in Damaskus angeblich ruhig

Derweil haben nach einer Woche heftiger Kämpfe die Regierungstruppen von Präsident Bashar al-Assad die Kontrolle über Teile der syrischen Hauptstadt Damaskus zurückerobert. Die Viertel Al-Messe und Barse würden nun wieder vom Militär beherrscht, sagte der syrische Aktivist Haitham al-Abdullah heute.

Rund 30 Menschen, darunter auch Zivilisten, seien bei den Kämpfen heute Morgen getötet worden. Etwa 1000 Soldaten sollen, unterstützt von Panzern, an den Operationen in den beiden Vierteln beteiligt gewesen sein.

Das staatliche Fernsehen erklärte, die Lage in der Hauptstadt sei ruhig – Kampfhubschrauber würden nicht eingesetzt. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana meldete zudem, Regierungstruppen hätten das Viertel Kabun aus Rebellenhand zurückerobert. Am Samstag hatten die Truppen bereits das Viertel Midan wieder eingenommen.

EU verschärft Sanktionen

Angesichts der anhaltenden Gewalt hat die Europäische Union ihre Sanktionen gegen das Land erneut verschärft. Die EU-Aussenminister beschlossen heute in Brüssel, 26 weitere Vertreter oder Unterstützer der Regierung in Damaskus sowie drei weitere Unternehmen oder Behörden auf die Sanktionsliste zu setzen, wie EU-Diplomaten mitteilten. Damit treten für sie Einreiseverbote und Vermögenssperren in Kraft.

Zudem soll ein bereits beschlossenes Waffenembargo durch strengere Kontrollen von Flugzeugen und Schiffen verschärft werden. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton sprach angesichts der blutigen Kämpfe in Syrien von einer «schrecklichen Situation». Die Sanktionen der Europäischen Union gegen die Regierung von Präsident Bashar al-Assad seien wichtig, um Druck auf die Führung in Damaskus auszuüben. Die EU hat in den vergangenen Monaten bereits eine Vielzahl von Strafmassnahmen verhängt. Bei dem aktuellen Beschluss handelt es sich um die 17. Sanktionsrunde.

Arabische Liga bietet Assad «sicheren Hafen»

Der Generalsekretär der Arabischen Liga hat dem syrischen Präsidenten Assad und seinen Angehörigen zudem bei einem Rücktritt einen «sicheren Hafen» angeboten. Nabil Elarabi ging auf seinen Vorschlag bei einem Aussenministertreffen der Liga in der katarischen Hauptstadt Doha heute Morgen nicht näher ein. Die Organisation sagte zudem finanzielle Unterstützung für syrische Flüchtlinge in Höhe von 100 Millionen Dollar zu. Zudem beschlossen die Aussenminister, die Mission des Syrien-Sondergesandten von UNO und Arabischer Liga, Kofi Annan, zu ändern, damit sie sich nur noch auf eine «friedliche Machtübergabe» in Damaskus konzentriere.

Der tunesische Präsident Moncef Marzuki bot Assad bereits im Februar Asyl an, falls dies den Konflikt beende. Assad trat derweil gestern kurz im Staatsfernsehen auf, um seinen neuen Stabschef der Streitkräfte, General Ali Ajjub, zu empfangen. Die Regierungstruppen sollten mit der «Verfolgung der Terroristen» fortfahren, wies Assad diesen gestern an. Die Aufständischen hatten vor gut einer Woche mit ihrer Offensive «Damaskus-Vulkan» die Kämpfe erstmals in die Hauptstadt getragen.

Inzwischen haben sich laut Schätzung der UNO eine Million Syrer an sichere Orte geflüchtet – doch dort sind die Umstände oft miserabel. In zwei Flüchtlingslagern in der Türkei kam es nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu zu Ausschreitungen wegen Mangel an Nahrung, Wasser und Unterkünften. Türkische Sicherheitskräfte hätten Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt, ausserdem hätten sie Schüsse in die Luft abgefeuert, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

AFP/sda/dapd/rbi

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