Kämpfe lassen Jemen-Gespräche scheitern

In Magglingen BE nahmen die Konfliktparteien einen neuen Anlauf für Friedensverhandlungen. Doch die geforderte Waffenruhe erwies sich als brüchig.

Immer wieder flammt der Konflikt auf: Huthi-Rebellen in Saana. (17. Dezember 2015)

Immer wieder flammt der Konflikt auf: Huthi-Rebellen in Saana. (17. Dezember 2015)

Wegen des fortgesetzten Bruchs der Waffenruhe haben die Vereinten Nationen die Jemen-Friedensverhandlungen in der Schweiz für beendet erklärt. Im Norden Jemens an der Grenze zu Saudiarabien wurden in den vergangenen drei Tagen mehr als 40 Rebellen und 35 Regierungssoldaten getötet, wie die Nachrichtenagentur AP aus Sicherheitskreisen und von Augenzeugen erfuhr. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Ismail Ould Cheikh Ahmed, wollte sich noch am Sonntag auf einer Pressekonferenz äussern.

Jemen versinkt seit vergangenem Jahr immer tiefer im Bürgerkrieg. Auf der einen Seite stehen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen und Soldaten des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Sie kämpfen gegen Getreue von Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi, die von sunnitischen Staaten unter Führung Saudi-Arabiens mit Luftangriffen unterstützt werden.

Geiseln werden nicht freigelassen

Beide Seiten hatten am Dienstag in dem schweizerischen Ort Magglingen im Kanton Bern einen neuen Anlauf für Friedensgespräche genommen. Parallel dazu sollte eine Woche lang eine Waffenruhe gelten, damit humanitäre Hilfe zur notleidenden Zivilbevölkerung gelangen könne. Doch die Waffenruhe erwies sich gleich zu Anfang als brüchig, und die Rebellen brachen am Freitag als Protest die Gespräche mit der Regierungsdelegation ab. Am Samstag flogen Saudi-Arabine und andere Länder der Koalition erneut schwere Luftangriffe im Norden Jemens.

Als Reaktion auf die anhaltenden Kämpfe sagten die Huthi-Rebellen die geplante Freilassung von fünf ranghohen Geiseln ab. Die Gefangenen - darunter Verteidigungsminister Mahmud Subaihi und General Nasser Mansur Hadi, der Bruder von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi - hätten eigentlich am Samstag als Zeichen des guten Willens dem RotenKreuz übergeben werden sollen. Doch Delegierte der Huthis bei den Friedensgesprächen erklärten am Abend, die Geiseln würden erst dann freigelassen, wenn die Vereinten Nationen die brüchige Waffenruhe festigten.

Drei Tote im Grenzgebiet

Zudem sahen die Rebellen von ihrer Einwilligung ab, Hilfslieferungen in die drittgrösste jemenitische Stadt Tais zuzulassen. Zuvor hatten sei sich bereiterklärt, Hilfsgüter in die Städte Saada und Haddschah zu lassen. Haddschah ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, in der nun gekämpft wurde.

In Saudiarabien wurden im Grenzgebiet zum Jemen durch Schüsse drei Menschen getötet. Dabei handele es sich um einen saudi-arabischen Bürger und zwei indische Arbeiter, teilte der Zivilschutz mit. Der Vorfall habe sich am Samstagabend ereignet. Den Vereinten Nationen zufolge starben im Jemen seit März mindestens 5884 Menschen. Damals waren die Kämpfe eskaliert, nachdem Hadi vor den heranrückenden Huthis ausser Landes floh und die von Saudiarabien geführte Koalition mit ihren Luftangriffen auf Stellungen der Rebellen begonnen hatte.

dia/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt