Zum Hauptinhalt springen

Israelische Polizei geht gegen äthiopisch-stämmige Juden vor

Bei Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt kam es in Tel Aviv zu heftigen Zusammenstössen zwischen aus Äthiopien eingewanderten Israelis und der Polizei.

23 verletzte Beamte und sieben Demonstranten: Polizisten führen einen äthiopisch-stämmigen Juden ab. (3. Mai 2015)
23 verletzte Beamte und sieben Demonstranten: Polizisten führen einen äthiopisch-stämmigen Juden ab. (3. Mai 2015)
AFP

In Israel ist es bei einer Demonstration äthiopisch-stämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt erneut zu schweren Zusammenstössen gekommen: Am Sonntagabend lieferten sich Teilnehmer eines Protestmarschs in Tel Aviv Strassenschlachten mit Sicherheitskräften.

Nach Angaben der Organisatoren setzte die Polizei Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Teilnehmer warfen Gegenstände auf Polizisten. Mindestens 23 Beamte und sieben Demonstranten wurden verletzt.

Proteste in Tel Aviv: Äthiopische Juden protestieren gegen die diskriminierende Behandlung durch die Polizei. Video: Reuters (4. Mai 2015)

Medien berichteten unter Berufung auf die Organisatoren von rund 10'000 Teilnehmern, laut Polizei waren es 3000. Wie ein AFP-Reporter berichtete, schlossen sich zahlreiche andere Israelis den äthiopisch-stämmigen Demonstranten an. Die Teilnehmer forderten gleiche Rechte für alle und die Bestrafung gewalttätiger Polizisten.

Erst am Donnerstag war eine entsprechende Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern in Jerusalem in Gewalt umgeschlagen, es gab Verletzte und Festnahmen.

Auslöser der Proteste waren Medienberichte über einen Übergriff auf einen Israeli äthiopischer Herkunft in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Der Mann gab an, von Beamten der Einwanderungsbehörde angegriffen worden zu sein, weil sie ihn für einen Einwanderer ohne gültige Papiere hielten. In der Woche zuvor hatte zudem ein Video für Empörung gesorgt, in dem Polizisten den äthiopisch-stämmigen Soldaten Damas Pakada schlagen.

«Israel ist ein rassistisches Land»

In Tel Aviv blockierten die Demonstranten zunächst während des Berufsverkehrs eine wichtige Strasse und lösten damit Staus aus. Dann marschierten die Demonstranten durch die Innenstadt von Tel Aviv. Viele Teilnehmer reckten ihre Arme über Kreuz in die Luft, als steckten sie in Handschellen. «Ich bin schwarz, deshalb muss ich heute demonstrieren», sagte der 34-jährige Eddie Maconen. Er selbst habe nie Polizeigewalt erlebt, aber seine Gemeinde sei betroffen.

Teilnehmer Zion Cohen sagte, er wolle seine äthiopisch-stämmigen Mitbürger unterstützen. «Sie haben hundertprozentig recht», sagte er. «Israel ist ein rassistisches Land und wir akzeptieren das nicht.»

Der Demonstrationszug zog weiter zum Rathaus von Tel Aviv, wo die Lage eskalierte: Berittene Polizisten setzten Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben und von einem Sturm auf das Rathaus abzuhalten. Die Polizei setzte zudem Wasserwerfer und Pfefferspray ein und versuchte, Demonstranten aus den umliegenden Strassen zu vertreiben. Diese kehrten jedoch immer wieder zurück.

Mehrere Festnahmen

Die Demonstranten warfen ihrerseits Steine, Flaschen und Stühle auf die Beamten. Polizeisprecherin Luba Samri sagte, mehrere Demonstranten seien festgenommen worden.

Israels Sicherheitsminister Jizchak Aharonovitsch sagte, es sei schwierig gegen den «Aufstand» anzugehen, da dieser keine eindeutige Führungsspitze habe. «Es gibt keinen, mit dem man reden kann», sagte er zu Journalisten.

Zu Beginn der Demonstration in Tel Aviv war eine Erklärung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu bekannt worden, worin dieser für Montag ein Treffen mit dem Soldaten Damas Pakada sowie mit anderen Vertretern der äthiopischen Gemeinde ankündigte.

In Israel leben mehr als 135'000 Juden äthiopischer Herkunft, die vor allem in zwei Einwanderungswellen 1984 und 1991 ins Land kamen. Bis heute sind die meisten von ihnen nicht in die israelische Gesellschaft integriert.

SDA/chk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch