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Israelische Kampfjets donnern über den Libanon

Nach dem jüngsten Luftangriff Israels auf strategische Ziele in Syrien droht die Lage zu eskalieren. Offenbar sind erneut israelische Kampfjets nahe der syrischen Grenze gesichtet worden.

Aufgeheizte Stimmung: Israelischer F-16-Jet. (Archivbild)
Aufgeheizte Stimmung: Israelischer F-16-Jet. (Archivbild)
Keystone

Libanesische Sicherheitskräfte haben israelische Kampfflugzeuge beobachtet. Sie seien vom Südlibanon in Richtung zur Bekaa-Ebene geflogen. Die Bekaa-Ebene grenzt an Syrien. Israelische Behörden äusserten sich auf Anfrage nicht zu diesen Informationen.

Am Mittwoch hatte die israelische Luftwaffe nach zuverlässigen Informationen aus Sicherheitskreisen einen Lkw-Konvoi in Syrien angegriffen, der Waffensysteme zur Flugabwehr an die libanesische Hisbollah-Miliz liefern sollte. Die syrischen Streitkräfte dementierten, dass es einen Waffenkonvoi gegeben habe. Nach ihrer Darstellung haben israelische Kampfflugzeuge ein wissenschaftliches Forschungszentrum nordwestlich von Damaskus angegriffen.

Vergeltungsschlägen

Die Lage in der ohnehin labilen Konfliktregion droht zu eskalieren. Die Regierungen in Damaskus und Teheran drohten dem jüdischen Staat mit Vergeltungsschlägen. In einem Brief an die Vereinten Nationen betonte die syrische Staatsführung das Recht des Landes, «sich, sein Territorium und seine Souveränität zu verteidigen». Israel und dessen Verbündete im UN-Sicherheitsrat seien «voll verantwortlich für die Folgen dieser Aggression», hiess es in dem Schreiben des Aussenministeriums.

Teheran und Moskau solidarisierten sich demonstrativ mit dem Regime von Staatspräsident Baschar al Assad und schürten damit die Sorge, dass das Blutvergiessen im Bürgerkriegsland die ganze Region ins Verderben stürzen könnte. «Das Zionisten-Regime wird seine Aggression gegen Syrien bereuen», wurde der iranische Atomunterhändler Said Dschalili im Staatsfernsehen zitiert. Aussenminister Ali Akbar Salehi sprach von einer klaren Verletzung der syrischen Staatssouveränität.

«Unprovozierten Angriff»

Auch das russische Aussenministerium erklärte, es habe sich dem Anschein nach um einen «unprovozierten Angriff auf eine souveräne Nation» gehandelt, «der grob gegen die Charta der Vereinten Nationen verstösst». Sollten israelische Kampfflugzeuge tatsächlich Ziele in Syrien angegriffen haben, sei dies völlig inakzeptabel, zitierte die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti aus einer Stellungnahme.

Die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon geisselte den Militärschlag als «barbarische Aggression» und erklärte sich solidarisch mit «der syrischen Führung, den Streitkräften und dem Volk». Einen möglichen Angriff auf Israel erwähnte die Hizbollah in ihrer Erklärung nicht. Erst diese Woche hatte Israel einen Teil seines Raketenabwehrsystems nach Haifa verlegt - jene Stadt, die 2006 durch Angriffe der Hizbollah schwer getroffen worden war.

Gegenangriff nur noch Frage der Zeit?

Tatsächlich habe Damaskus sowohl die Möglichkeit als auch die Mittel für einen Gegenschlag, warnte Syriens Botschafter im Libanon, Ali Abdul-Karim Ali. Die zuständigen Behörden müssten einen solchen Vergeltungsschlag bloss vorbereiten und den Zeitpunkt dafür wählen. Sein Stellvertreter Hussein Amir Abdollahian betonte, Israels Angriff werde «erhebliche Folgen» für das Land haben.

Die scheidende US-Aussenministerin Hillary Clinton warf Iran und Russland die ungebremste Unterstützung von Assads Truppen mit Geld und Waffen vor - trotz mittlerweile schon Zehntausender Bürgerkriegsopfer. Informationen des amerikanischen Geheimdienstes deuteten zudem darauf hin, dass die iranischen Revolutionsgarden die syrische Armee mit immer mehr eigenen Soldaten und Militärberatern unterstütze.

Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte alle Konfliktparteien zum Innehalten. «Jeder muss jetzt seine Verantwortung kennen, jetzt ist die Stunde der Deeskalation», sagte er in Brüssel. «Wir müssen eine Eskalation der Gewalt in einer so schwierigen und auch besorgniserregenden Lage unbedingt vermeiden.» Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich besorgt und rief dazu auf, internationales Recht sowie die territoriale Integrität und Souveränität aller Länder in der Region zu wahren.

Die Hintergründe und das Ziel des fraglichen Luftangriffs vom Mittwoch bleiben indes weiter umstritten. Ein US-Regierungsvertreter versicherte, israelische Kampfjets hätten einen Lastwagenkonvoi bombardiert, der Waffen für die Hizbollah in den Libanon bringen sollte. Dabei habe es sich um Luftabwehrraketen des Typs SA-17 gehandelt, die gegen Hubschrauber und Jets eingesetzt werden können. Der Konvoi habe sich zum Zeitpunkt des Angriffs neben einem Forschungszentrum befunden, das ebenfalls getroffen wurde.

Damaskus beharrt dagegen auf der Darstellung, dass es überhaupt keinen Waffenkonvoi gegeben und die Attacke alleine dem Militärforschungszentrum im Nordwesten der Hauptstadt gegolten habe. Israels Regierung hat den Angriff offiziell nicht bestätigt, soll ihn nach einem Bericht der «New York Times» aber an Washington gemeldet haben.

sda/dapd/bru

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