Zum Hauptinhalt springen

Irans Politiker streiten sich wegen des Atomdeals

Eklat im Parlament in Teheran: Ein Hardliner attackiert Aussenminister Sarif – und der dreht völlig durch. Heimliche Aufnahmen zeigen die Auseinandersetzung.

«Volksverrat»: Kuchaksadeh (Mitte, schreiend) greift Aussenminister Sarif an (ihm gegenüber, weisses Haar).
«Volksverrat»: Kuchaksadeh (Mitte, schreiend) greift Aussenminister Sarif an (ihm gegenüber, weisses Haar).
Tabnak

Die geplanten Inspektionen einiger Militäranlagen im Iran durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) haben im iranischen Parlament zu einem Eklat geführt.

In einer geheimen Sitzung am Sonntag kam es zwischen Aussenminister Mohammed Jawad Sarif und dem Abgeordneten Mehdi Kuchaksadeh zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung.

Der Hardliner Kuchaksadeh hatte Sarif wegen der Zustimmung zu Inspektionen «Volksverrat» vorgeworfen. Daraufhin hatte Sarif den Abgeordneten angeschrien und unter Protest das Parlament verlassen. Obwohl die Sitzung geheim war, nahm einer der Abgeordneten den Streit auf Handy auf und schickte es dem Nachrichtenportal Tabnak.

Hintergrund des Streits ist die Zustimmung der iranischen Atom-Unterhändler zu einer Aufnahme des IAEA-Zusatzprotokolls in die Verhandlungen im April in Lausanne.

Neben intensiveren und unangemeldeten Inspektionen dürfte die IAEA dann auch Militäranlagen besichtigen, in denen das Land laut westlichen Geheimdienstberichten an Atomtests gearbeitet haben soll. Ohne diese Inspektionen würden die USA das für Ende Juni geplante Abkommen nicht unterzeichnen.

Widerstand der Hardliner

Präsident Hassan Rohani und sein Atomteam argumentieren, dass diese Inspektionen von iranischer Seite koordiniert würden. Irans oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei, der in allen strategischen Belangen das letzte Wort hat, ist aber dagegen. Vehement dagegen sind auch die einflussreichen Revolutionsgarden und die Hardliner im Parlament.

Der Streit um die Inspektionen ist laut Beobachtern auch ein Grund dafür, dass im iranischen Aussenministerium nun eine Verlängerung der Verhandlungen über Juni hinaus in Betracht gezogen wird. Eigentlich sollten die Aussenminister des Irans und der fünf Uno-Vetomächte sowie Deutschlands (5+1) das finale Abkommen Ende Juni unterzeichnen. Das nächste Treffen der beiden Seiten findet wie geplant morgen Dienstag in Wien statt.

SDA/spu

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch