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Irak greift IS bei Tikrit an

Grossoffensive gegen den IS: Die irakische Armee greift die vom IS besetzte Stadt Tikrit mit der Artillerie und der Luftwaffe an. Im Juni scheiterte der letzte Versuch, die Stadt vom Islamischen Staat zurückzuerobern.

Erbitterter Kampf um Tikrit: Selbstmordattentäter des IS versuchen die vorrückenden Streitkräfte des Iraks im Süden der Stadt aufzuhalten. (12. März 2015)
Erbitterter Kampf um Tikrit: Selbstmordattentäter des IS versuchen die vorrückenden Streitkräfte des Iraks im Süden der Stadt aufzuhalten. (12. März 2015)
Reuters
Das Ziel im Blick: Ein schiitischer Milizionär hält am südlichen Stadtrand Ausschau. (12. März 2015)
Das Ziel im Blick: Ein schiitischer Milizionär hält am südlichen Stadtrand Ausschau. (12. März 2015)
Reuters
Sie haben den Kampf bereits aufgenommen: Schiitische Milizkämpfer feuern in der Nähe von Tikrit Artilleriegeschosse ab.  (28. Februar 2015)
Sie haben den Kampf bereits aufgenommen: Schiitische Milizkämpfer feuern in der Nähe von Tikrit Artilleriegeschosse ab. (28. Februar 2015)
AFP
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Mit einer Grossoffensive will die irakische Regierung die symbolisch und strategisch wichtige Stadt Tikrit von der Terrormiliz Islamischer Staat zurückerobern. Die Streitkräfte starteten gemeinsam mit sunnitischen und schiitischen Kämpfern einen Angriff auf die Heimatstadt des einstigen Diktators Saddam Hussein, wie das Staatsfernsehen meldete.

Die Regierungstruppen rückten demnach aus verschiedenen Richtungen auf die Grossstadt vor, die seit Sommer 2014 unter Kontrolle der sunnitischen Extremisten ist. Allerdings konnte die Armee auch Stunden nach Beginn der Offensive nicht in die Stadt eindringen, was auf eine langandauernde Schlacht hindeutet:

Grossoffensive gegen den IS: Die irakische Armee kämpft Seite an Seite mit der schiitischen Miliz Hashid Shaabi gegen den IS. Video: Reuters

Sollte die Vertreibung des IS gelingen, wäre dies ein grosser Erfolg für die Regierung unter Ministerpräsident Haidar al-Abadi. Zuletzt hatte sie bereits mit der Rückeroberung der Raffineriestadt Beidschi Fortschritte im Kampf gegen den IS gemacht, der rund ein Drittel des Iraks beherrscht. Tikrit, rund 130 Kilometer nördlich von Bagdad, hat als Heimatstadt des einstigen Diktators Saddam Hussein auch symbolische Bedeutung.

Schiiten und Sunniten gemeinsam gegen den IS

Der Staatssender Al-Irakija berichtete, IS-Stellungen würden mit Artillerie und aus der Luft angegriffen. An einigen Orten am Rand der Stadt seien die Extremisten vertrieben worden. Details wurden zunächst nicht bekannt. Bei der Offensive war die US-geführte Koalition, die Luftangriffe auf den IS fliegt, nicht beteiligt, wie irakische Behörden mitteilten.

Beobachter betonten die Bedeutung des gemeinsamen Einsatzes von schiitischen und sunnitischen Kämpfern gegen den IS, der sich ebenfalls als sunnitisch versteht. Die sunnitische Minderheit im Irak fühlt sich von der schiitischen Mehrheit diskriminiert. Einige Sunniten sympathisieren mit dem IS.

Ministerpräsident Al-Abadi hatte einige Stunden vor der Offensive sunnitische Kämpfer aufgerufen, sich vom IS loszusagen. Dafür versprach der Regierungschef ihnen Straffreiheit. Es sei ihre «letzte Chance» auf eine Begnadigung, sagte er am Sonntag in Samarra.

Letzte Offensive im Juni gescheitert

Von dort aus wollte er die Operation «zur Befreiung Tikrits von terroristischen Banden» selbst beaufsichtigen. «Die Stadt wird bald wieder an ihr Volk zurückgegeben», sagte al-Abadi. Der UN-Gesandte Nikolaj Mladenow rief die Kriegsparteien auf, Angriffe auf Zivilisten zu vermeiden. Militäroperationen müssten mit höchster Vorsicht durchgeführt werden, um Zivilisten zu schützen.

Im Juni war eine Offensive zur Rückeroberung Tikrits noch gescheitert. Für Bagdad ist sie die Voraussetzung für den angekündigten Angriff auf die noch grössere Stadt Mossul, die der IS vergangenes Jahr handstreichartig eingenommen hatte.

Das US-Militär hatte erklärt, ein koordinierter Militäreinsatz zur Rückeroberung Mossuls werde wahrscheinlich im April oder Mai starten. Mit dabei sein würden rund 25'000 irakische Soldaten. Allerdings hatten die Amerikaner gewarnt, die Offensive könnte verschoben werden, wenn die Iraker noch nicht bereit seien.

In einem Dorf südlich von Tikrit zerriss eine Bombe einen Tanklastzug. Dabei starben sieben Soldaten, 15 wurden verletzt. Tikrit gilt bis heute als Hochburg von Saddams Baath-Partei. Aus deren Reihen hatte der IS Zulauf erhalten. Saddam war nach der US-Invasion 2003 gestürzt und später hingerichtet worden.

SDA/pst

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