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«In wenigen Sekunden war die Halle voll mit Rauch»

Die Taliban kämpfen an mehreren Fronten: Im Nordosten Afghanistans erobern sie zwei Bezirke. In der Hauptstadt Kabul wagen sie einen Angriff auf das Parlamentsgebäude.

Unmittelbar vor der geplanten Bestätigung des neuen Verteidigungsministers haben die Taliban das afghanische Parlament in der Hauptstadt Kabul angegriffen: Bild aus dem Inneren des Gebäudes. (22. Juni 2015)
Unmittelbar vor der geplanten Bestätigung des neuen Verteidigungsministers haben die Taliban das afghanische Parlament in der Hauptstadt Kabul angegriffen: Bild aus dem Inneren des Gebäudes. (22. Juni 2015)
Dr. Naqibullah Faiq, Keystone
Dabei wurden mindestens 31 Zivilisten verletzt.
Dabei wurden mindestens 31 Zivilisten verletzt.
Dr. Naqibullah Faiq, Keystone
In der Vergangenheit hatten die Taliban bereits mehrfach Angriffe auf Regierungsgebäude geführt.
In der Vergangenheit hatten die Taliban bereits mehrfach Angriffe auf Regierungsgebäude geführt.
Rahmat Gul, Keystone
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Die radikalislamischen Taliban haben das Parlament in Kabul angegriffen. Für ihren Angriff auf das Zentrum der afghanischen Demokratie wählten sie symbolträchtig den Tag der Vorstellung des designierten Verteidigungsministers im Parlament. Nach Angaben der Regierung wurden bei der rund zweistündigen Attacke alle acht Angreifer getötet. Einer der Attentäter zündete eine Autobombe.

Nach der Explosion der Autobombe vor dem Parlament hätten sich die anderen Angreifer in einem gegenüberliegenden Gebäude verschanzt, sagte Polizeisprecher Ebadullah Karimi. Sicherheitskräfte erschossen nach Regierungsangaben alle sieben weiteren Angreifer während des Feuergefechts.

Laut dem Vizesprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, schossen die Taliban-Kämpfer auch mit Panzerfäusten auf das Parlamentsgebäude, richteten damit aber nur geringe Schäden an. Das Gesundheitsministerium sprach von 31 verletzten Zivilisten, darunter ein Kind.

Während Parlamentssitzung

Von der Attacke wurden Live-Bilder im Fernsehen gezeigt. Nach Angaben des Abgeordneten Mohammed Resa Choschak ereignete sich der Angriff während einer Parlamentssitzung.

Demnach warteten die Abgeordneten gerade auf den designierten Verteidigungsminister Mohammed Masum Staneksai, als erst eine heftige und danach mehrere kleinere Explosionen zu hören waren. Er und seine Kollegen seien dann aus dem Gebäude geflüchtet, sagte Choschak. Staneksai sollte im Parlament vorgestellt werden.

«In wenigen Sekunden war die Halle voller Rauch und die Abgeordneten flohen aus dem Gebäude», sagte Choschak. Laut Polizeisprecher Karimi wurden alle Parlamentarier in Sicherheit gebracht. Zudem hätte am Montag die neue Legislaturperiode des Parlaments begonnen. Da es bislang keine Wahlen gab, verlängerte Präsident Aschraf Ghani die derzeitige Sitzungsperiode in einem umstrittenen Schritt auf unbestimmte Zeit.

Taliban bekennen sich

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Talibansprecher Sabihullah Mudschahid erklärte im Verlauf der Attacke im Kurznachrichtendienst Twitter, dass «mehrere Mudschaheddin in das Parlamentsgebäude eingedrungen» seien. «Schwere Gefechte sind im Gange», hiess es in der Mitteilung weiter.

Die Polizei widersprach den Angaben, wonach es den Kämpfern gelungen sei, in das Gebäude einzudringen. Die UNO-Mission für Afghanistan (Unama) bezeichnete die Attacke als «Angriff auf die Demokratie in Afghanistan».

Bemühungen fruchten nicht

Die Attacke auf das stark gesicherte Parlament wirft erneut die Frage über die Sicherheit in Afghanistan nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen auf. Deren Kampfeinsatz endete zum Jahreswechsel nach 13 Jahren, für die Sicherheit sind die afghanischen Soldaten und Polizisten nun selbst verantwortlich. Die Nato unterstützt sie dabei mit etwa 12'000 Soldaten, die vor allem ausbilden und beraten.

Die Taliban hatten im April ihre jährliche Frühjahrsoffensive begonnen. Fast tausend Zivilisten wurden in den ersten vier Monaten des Jahres bei Anschlägen in Afghanistan getötet. Trotz Bemühungen von Präsident Aschraf Ghani, die Aufständischen an den Verhandlungstisch zu bekommen, setzen diese ihre Angriffe auf Armee, Polizei und Behörden sowie deren ausländische Unterstützer fort.

Am früheren Standort der deutschen Bundeswehr, Kundus, ging der Vormarsch der Taliban unterdessen weiter. In der gleichnamigen Provinz eroberten die Aufständischen am Montag weitgehend den Bezirk Dascht-e-Archie, wie Distriktgouverneur Nasruddin Sayedi sagte.

AFP/dia

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