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Hinrichtung nach Begrüssung

Männer und Frauen im Gebiet der Al-Shabab-Miliz in Somalia dürfen sich nicht mehr begrüssen, sofern sie nicht verwandt sind. Wer sich widersetzt, wird inhaftiert, ausgepeitscht oder sogar umgebracht.

Haben alle Hilfsorganisationen aus dem Land geworfen: Islamistische Truppen in der Nähe von Mogadischu.
Haben alle Hilfsorganisationen aus dem Land geworfen: Islamistische Truppen in der Nähe von Mogadischu.
AFP

Mitte 2009 warf Al-Shabab alle Hilfsorganisationen aus den von ihnen beherrschten Teilen des Landes. Angesichts der Not erlaubten sie erst kürzlich deren Rückkehr. Al-Shabab, was übersetzt «die Jugend» heisst, wurde 2004 gegründet und war bis 2006 Teil der Union islamischer Gerichte (UIC). 2006 errang die UIC die Herrschaft über grosse Teile Somalias, bevor sie von äthiopischen Interventionstruppen zerschlagen wurde.

Grosse Teile Süd- und Zentralsomalias werden von Al-Shabab kontrolliert. Die Miliz kontrolliert selbst einige Teile der Hauptstadt Mogadischu. Die Regierungstruppen und die bis zu 8000 zum Schutz der Übergangsregierung entsandten Soldaten der Afrikanischen Union waren bislang nicht in der Lage, das Herrschaftsgebiet der Übergangsregierung über Mogadischu auszudehnen.

Al-Shabab sorgt für Ordnung

Die Islamisten füllten aber auch ein seit Langem anhaltendes Machtvakuum. Ihr Auftreten wurde zunächst von der Öffentlichkeit begrüsst, die sich nach einer gewissen Form von Recht und Ordnung sehnte. «Sogar viele Somalier, die die Ideologie der Al-Shabab nicht mögen, sind unendlich dankbar für den Rückgang der Verbrechensrate in vielen Gebieten unter Kontrolle der Gruppe. Ihre Töchter werden nicht vergewaltigt. Ihre Ernte wird auf dem Weg zum Markt nicht gestohlen», sagt Letta Tayler, eine Antiterrorspezialistin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

Der Preis dafür ist allerdings ein extrem hartes Strafrecht. Die Miliz setzte ihre Interpretation des islamischen Rechts durch. Auch wenn die Regeln sich von Ort zu Ort - je nach Kommandeur - leicht unterscheiden, sind öffentliche Amputationen, Auspeitschungen und Steinigung als Strafen geläufig. Als Grund dafür reicht es schon, Musik zu hören.

Doppelanschlag auf die Gruppe

Viele Beobachter glauben, dass Al-Shabab von ausländischen Kämpfern mit al-Qaida-Verbindungen kontrolliert wird, die sich ihre Meriten in Irak und Afghanistan verdient habe. Im Juli 2010 trug die Gruppe ihren Kampf auch ins Ausland. Sie bekannte sich zu einem blutigen Doppelanschlag auf Fussballfans in Uganda, bei denen 76 Menschen ums Leben kamen. Sie seien eine Strafe für die Beteiligung Ugandas an der Friedenstruppe der AU, teilte Al-Shabab mit. In Somalia und vor allem in Mogadischu sind Angriffe der Miliz aber mehr oder weniger alltäglich.

dapd/wid

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