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Hamid Karzai wirft Pakistan Verbrüderung mit Taliban vor

Sein Land sei während zehn Jahren nach dem Abzug der ausländischen Truppen auf finanzielle Hilfe angewiesen, sagte Afghanistans Präsident Hamid Karzai. Mit seinem Nachbarland ging er hart ins Gericht.

Spricht klare Worte vor der Afghanistan-Konferenz: Hamid Karzai.
Spricht klare Worte vor der Afghanistan-Konferenz: Hamid Karzai.
Keystone

Vor der internationalen Konferenz zur Zukunft seines Landes hat der afghanische Präsident Hamid Karzai Pakistan mangelnde Unterstützung bei den Verhandlungen mit den Taliban vorgeworfen. Islamabad habe «leider jede Hilfe beim Zustandekommen von Verhandlungen mit der Taliban-Führung verweigert», sagte er dem «Spiegel». Der deutsche Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) kritisierte Pakistans Boykott der Bonner Konferenz.

Bestimmte Kreise in Pakistan wollten sich durch die radikalislamischen Taliban Einfluss in Afghanistan sichern, sagte Karzai dem «Spiegel» in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview. «Solange sich das nicht ändert, wird es wohl keine Gespräch geben.» Die pakistanische Aussenministerin Hina Rabbani Khar sagte, ihr Land unterstütze den Versöhnungsprozess im Nachbarland. Ob es Friedensgespräche mit den Taliban gebe, müsse aber allein Kabul entscheiden, sagte sie der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe).

Boykott wegen Nato-Angriff

Westerwelle sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», der Erfolg der Konferenz hänge nicht von der Teilnahme eines Landes ab. «Wer nicht kommt, kann seine Anliegen und Gesichtspunkte nicht direkt einbringen.» Islamabad hatte den Boykott der Konferenz nach einem Nato-Luftangriff auf pakistanische Grenzposten angekündigt, bei dem am vergangenen Wochenende 24 pakistanische Soldaten getötet worden waren.

Auf der am Montag beginnenden Afghanistan-Konferenz wollen Vertreter von Staaten und internationalen Organisationen über die Unterstützung Afghanistans nach dem Abzug der internationalen Truppen 2014 beraten. Aus Regierungskreisen erfuhr AFP am Samstag, dass eine erste Textfassung der Abschlusserklärung viel Zustimmung gefunden habe. Es seien jedoch noch «härtere Nüsse zu knacken», hiess es. Dabei gehe es insbesondere um eine Erklärung, die Kabul im Gegenzug für internationale Unterstützung zu bestimmten Massnahmen verpflichtet.

Finanzielle Hilfe auch in zehn Jahren noch nötig

Afghanistan werde wahrscheinlich noch zehn Jahre nach Abzug der internationalen Truppen 2014 auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein, sagte Karzai dem «Spiegel». Vor allem benötige das Land Unterstützung beim weiteren Aufbau von Armee, Polizei und staatlichen Institutionen. «Wir sind leider daran gescheitert, Sicherheit und Stabilität für alle Afghanen zu schaffen», sagte Karzai. Dies sei sein grösstes Versagen.

Aus Protest gegen die Politik Deutschlands und der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan gingen in Bonn tausende Menschen auf die Strasse. Rund 4500 Menschen seien in der Bonner Innenstadt zu dem Protestzug gegen die Konferenz gekommen, sagte ein Sprecher des Protestbündnisses. Aufgerufen zu der Demonstration hatte ein breites Bündnis von Parteien, Gewerkschaften und friedenspolitischen Organisationen.

AFP/miw

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