Ägypten hat laut US-Depeschen Muslimbruderschaft dämonisiert

Um sein Regime zu rechtfertigen, hat Hosni Mubarak nach Ansicht von US-Diplomaten die Muslimbruderschaft diffamiert. Dabei soll auch der jetzige Vizepräsident eine wichtige Rolle gespielt haben.

Mubarak muss weg: Demonstrant am 6. Februar auf dem Tahrir-Platz.

Mubarak muss weg: Demonstrant am 6. Februar auf dem Tahrir-Platz.

Ägypten hat die oppositionelle Muslimbruderschaft laut US-Dokumenten jahrelang systematisch in ein schlechtes Licht gerückt. Eine führende Rolle habe dabei der jüngst ernannte Vize-Präsident Omar Suleiman übernommen, heisst es in den US-Botschaftsdepeschen, die das Internetportal WikiLeaks im November veröffentlicht hatte und die von der Nachrichtenagentur Reuters ausgewertet wurden.

Demnach warf Suleiman der muslimisch-konservativen Bewegung in Gesprächen mit US-Diplomaten unter anderem vor, islamistische Extremisten zu unterstützen. Zudem habe der damalige Geheimdienstchef mit einer drastischen Verschlechterung der Beziehungen zum Iran gedroht, wenn die Regierung in Teheran die Muslimbrüder jemals gefördert haben sollte.

Mit Anti-Islamismus Regime gerechtfertigt

Mubaraks Regierung hat sich lange auf eine Bedrohung durch Islamisten berufen, um ihre autoritäre Herrschaft zu rechtfertigen. Suleiman ist seit Jahrzehnten einer der engsten Vertrauten von Mubarak.

Den Depeschen zufolge haben US-Vertreter skeptisch auf Suleimans Versuch reagiert, die Gruppe zu dämonisieren. Das US-Aussenministerium nahm keine Stellung zu den Angaben. Die in den Depeschen berichtete Haltung Suleimans dürfte für die Mehrheit der Ägypter nicht neu sein. Sie sind vom Mubarak-Regime eine anti-islamistische Haltung gewöhnt. Die Äusserungen könnten jedoch das Misstrauen der Opposition verstärken, die sich heute erstmals zu Gesprächen mit Suleiman über eine Lösung der innenpolitischen Krise zusammengesetzt hat.

oku/sda

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