Greift Putin in Syrien ein?

Die Anzeichen häufen sich, dass Russland einen Militäreinsatz in Syrien plant. Berichte über Unterkünfte für Soldaten schrecken die USA auf.

Lässt sich nicht in die Karten blicken: Wladimir Putin verfolgt in Syrien eigene Pläne.

Lässt sich nicht in die Karten blicken: Wladimir Putin verfolgt in Syrien eigene Pläne.

(Bild: Reuters)

Yannick Wiget@yannickw3

Auf dem Flughafen Latakia an der syrischen Mittelmeerküste soll Russlands Armee Unterkünfte für Soldaten errichtet und eine mobile Station zur Kontrolle des Flugverkehrs installiert haben. Das berichtet die «Los Angeles Times» unter Berufung auf US-Geheimdienstbeamte. Gemäss der Zeitung belegen Satellitenbilder den Aufbau von schwerem Gerät auf dem Flugfeld. Zudem sollen die Russen mindestens ein Land um ein Zeitfenster gebeten haben, das den Transport von Kampfflugzeugen ermöglicht. Die «Los Angeles Times» nimmt an, dass es sich dabei um die Türkei handelt.

Befehle in russischer Sprache

Die Berichte sind ein weiterer Hinweis darauf, dass der Kreml seine Unterstützung für das Regime von Bashar al-Assad verstärkt und möglicherweise sogar eigene Truppen in das Bürgerkriegsland entsendet. Bereits vergangene Woche tauchten entsprechende Bilder in sozialen Netzwerken auf, die syrischen Kämpfern zugeschrieben werden. Die Fotos sollen russische Flugzeuge und Drohnen in der Nähe der nordwestsyrischen Provinz Idlib zeigen (wir berichteten).

Laut dem «Spiegel» hatte das syrische Staatsfernsehen zuvor erstmals Bilder von einem russischen Schützenpanzerwagen des Typs BTR-82 im Kampf ausgestrahlt. Zudem würden Videos kursieren, auf denen sich Soldaten Befehle in russischer Sprache zurufen.

USA warnen Russland

Die USA nehmen die Berichte ernst. Wie die Nachrichtenagentur Reuters vermeldete, haben sie Griechenland aufgefordert, Russland die Nutzung ihres Luftraums für Versorgungsflüge nach Syrien zu verweigern. CNN gab ausserdem ein Telefongespräch zwischen John Kerry und Sergei Lawrow wieder. Dabei habe der US-Aussenminister seinen russischen Amtskollegen vor einer militärischen Präsenz in Syrien gewarnt. Eine solche könnte den Konflikt «weiter eskalieren lassen, zu einer Zunahme der Flüchtlingsströme führen und das Risiko einer Konfrontation mit der Anti-IS-Koalition in Syrien mit sich bringen», sagte Kerry laut einem Statement des US-Aussenministeriums.

CNN-Video: «USA warnt Russland vor einem militärischen Aufbau in Syrien»

Der Kreml hat die Vorwürfe der Amerikaner bereits zurückgewiesen und Berichte über einen militärischen Eingriff in Syrien als voreilig bezeichnet. «Darüber zu sprechen, ist verfrüht», sagte Wladimir Putin. Der russische Präsident machte aber keinen Hehl daraus, dass das syrische Regime um Bashar Al-Assad durch Technik und Waffentraining von Soldaten durchaus bedeutende Unterstützung von Russland bekommt. Laut der «New York Times» erklärte eine Sprecherin des russischen Aussenministeriums: «Wir haben ihnen immer Ausrüstung für ihren Kampf gegen Terroristen geliefert. Wir unterstützen sie und werden sie weiterhin unterstützen.» Daraus habe man nie ein Geheimnis gemacht, so die Sprecherin.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt