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Gläubiger US-Manager wird syrischer Rebellenchef

Ghassan Hitto konnte sich in der Wahl zum Vorsitzenden der syrischen Opposition durchsetzen. Doch seine schwierigste Mission steht ihm noch bevor: Er muss die Gunst der Rebellen gewinnen.

War früher in der US-Telekommunikationsbranche tätig: Der neue Vorsitzende der syrischen Rebellen: Ghassan Hitto freut sich über seine Wahl. (18. März 2013)
War früher in der US-Telekommunikationsbranche tätig: Der neue Vorsitzende der syrischen Rebellen: Ghassan Hitto freut sich über seine Wahl. (18. März 2013)
AFP
Wurde 1963 in Damaskus geboren: Ghassan Hitto. (13. März 2013)
Wurde 1963 in Damaskus geboren: Ghassan Hitto. (13. März 2013)
Keystone
Soll in den von den Rebellen kontrollierten Gegenden Verwaltungen aufbauen: Der syrische Oppositionschef Ghassan Hitto. (18. März 2013)
Soll in den von den Rebellen kontrollierten Gegenden Verwaltungen aufbauen: Der syrische Oppositionschef Ghassan Hitto. (18. März 2013)
AFP
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Rund 25 Jahre lang arbeitete Ghassan Hitto in den USA in der Telekommunikationsbranche. Dann schmiss der Manager im November seinen Job, um sich «in die syrische Revolution einzureihen». Jetzt steht er an deren Spitze: Die syrische Opposition wählte Hitto zu ihrem Übergangsregierungschef. In dieser Funktion soll er eine Verwaltung für die Gebiete aufbauen, welche die Aufständischen im Kampf gegen Syriens Staatschef Bashar al-Assad im Norden und Osten des Landes bereits kontrollieren.

Hitto wurde im Jahr 1963 in der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren, doch den Grossteil seines Lebens verbrachte er in den USA. Nach einem Studium der Mathematik und Informatik setzte er in den 1990er Jahren noch einen Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre oben drauf. Neben seinem Beruf brachte sich Hitto in die Gesellschaft vor Ort in Texas ein. Dort engagierte er sich auch jahrelang für die Islamschule Brighter Horizons Academy.

Westlich geprägt

Der erste Chef der Rebellenregierung ist durch sein Leben in den USA westlich geprägt, zugleich aber auch ein gläubiger Muslim. «Hoffnung kommt von Allah, unsere Brüder und Schwestern in Syrien haben das schon vor langer Zeit verstanden», sagte der grossgewachsene Mann mit grau werdenden Haaren und Schnurrbart bei einer Spendenveranstaltung im vergangenen Jahr. Allah werde sich um Syrien kümmern - «jetzt aber müssen wir aktiv werden».

Im Jahr 2011 gründete Hitto die Gruppe Koalition Freies Syrien und zog im Jahr 2012 in den Vorstand des Syrisch-Amerikanischen Rats ein. In der Dachorganisation der Opposition, der Syrischen Nationalen Koalition, übernahm er die Zuständigkeit für humanitäre Hilfe und organisierte diese von der Türkei aus. Bei der Wahl zum Chef der Gegenregierung in Istanbul sei er ein «Konsenskandidat» gewesen, hiess es bei den Vertretern der Aufständischen. Die Islamisten hätten ihn ebenso unterstützt wie das liberale Lager. Trotzdem gab es deutliche Spannungen bei der Wahl, einige Delegierte verliessen den Sitzungssaal noch vor der Abstimmung.

Diplomatische Fähigkeiten

Gelobt wurde Hitto in Istanbul für seine diplomatischen Fähigkeiten. Dadurch sei es ihm bislang gelungen, die notwendigen Finanzmittel für humanitäre Hilfe im Bürgerkriegsland Syrien zu mobilisieren. Diese Diplomatie kann der neue Regierungschef nun gleich auf die Probe stellen. Eine der ersten Aufgaben des neuen Übergangsregierungschefs wird es sein, die Aufständischen vor Ort für sich und sein Kabinett zu gewinnen. Nach Angaben eines Vertreters des Oppositionsbündnisses wird der Premier voraussichtlich schon bald nach Syrien reisen und die Chefs der verschiedenen Rebellengruppen treffen.

Hitto ist nicht das einzige Mitglied seiner Familie, der sich dem Aufstand gegen Assad anschloss. Eines seiner vier Kinder, sein Sohn Obaida, kämpft seit dem vergangenen Jahr in Syrien auf Seiten der Rebellen. Der Vater versuchte lange, ihn davon abzuhalten, wie er der «New York Times» erzählte. Obaida habe dann aber die Familie verlassen, als er selbst auf einer Dienstreise gewesen sei. «Ihr habt das aus mir gemacht, was ich bin, jetzt aber muss ich gehen und tun, was ich tun muss», hinterliess Obaida damals als Nachricht an seine Eltern.

AFP/mrs

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