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Ghadhafis Gegner stehen vor der Pleite

Trotz Goldreserven haben die libyschen Rebellen ein Cashflow-Problem. Der Westen tut sich schwer mit finanzieller Unterstützung – noch immer scheint man der Übergangsregierung nicht zu trauen.

Handschlag ja, Bargeld nein: Der italienische Aussenminister Franco Frattini begrüsst einen Vertreter der Rebellen bei seinem Besuch in Benghazi Ende Mai.
Handschlag ja, Bargeld nein: Der italienische Aussenminister Franco Frattini begrüsst einen Vertreter der Rebellen bei seinem Besuch in Benghazi Ende Mai.
Reuters

Die Sorgen um die schwindenden Geldvorräte der libyschen Rebellen rauben dem stellvertretendem Zentralbankdirektor Abdalgader Albagrmi den Schlaf. Und das obwohl im Tresorraum direkt unter seinem Büro riesige Mengen Gold lagern.

Doch die libyschen Goldreserven in der ostlibyschen Stadt Benghazi, die nach unterschiedlichen Berichten bis zu einer Milliarde Dollar wert sind, rühren die Rebellen nicht an, um den Dinar nicht noch weiter abzuwerten. Bereits jetzt ist die libysche Währung mit 1,60 Dinar zu einem Dollar weit weniger wert als zu Beginn der Unruhen, als es noch 1,25 Dinar zum Dollar waren. Angesichts der Inflation und der schwindenden Bargeldreserven des Rebellenrates in Benghazi deponieren auch immer weniger Geschäftsleute ihr Geld in den Banken des Landes.

Die Alliierten halten ihre Versprechen nicht

Wenn das Cashflow-Problem nicht innerhalb der nächsten Tage gelöst werde, habe man ein ernstes Problem, sagt Albagrmi. Die Möglichkeit, die Revolution gegen Machthaber Muammar al-Ghadhafi zu finanzieren, schwinde gemeinsam mit dem letzten Bargeld, das den Rebellen noch bleibt. Unter anderem haben Katar, Kuwait, Italien und Frankreich den Rebellen Hunderte Millionen Euro an Hilfe zugesagt, aber drei Monate nach Beginn der Kämpfe gegen Ghadhafi sei bei ihnen noch kein einziger Cent angekommen, sagt Albagrmi.

Libyens eigene Geldreserven im Wert von 70 Milliarden Dollar sind durch die Sanktionen der Vereinten Nationen eingefroren und damit auch den Rebellen nicht zugänglich. Und der Export von Öl – ihre einzige Einnahmequelle – steht angesichts der Kämpfe mit den Ghadhafi-Truppen still. Ein Geldmangel der Rebellen könnte den Kampf zugunsten der ohnehin besser ausgerüsteten Regierungstruppen drehen, fürchten Beobachter.

Vertrauen steht auf dem Spiel

«Zwei Wochen, wenn es so weitergeht. Dann könnte es eine Liquiditätskrise geben», warnt Albagrmi. Und damit könnte auch das Vertrauen der Menschen in den Nationalen Übergangsrat in Benghazi, das politische Organ der Rebellen, schwinden. Als erste Gegenmassnahme hat die Rebellenregierung Bargeldabhebungen von Einzelpersonen auf 750 Dinar (432 Euro) pro Monat limitiert.

Nur vier Tage nach Beginn der Revolte öffneten im von den Rebellen gehaltenen Osten des Landes wieder die Banken. Die Führung der Proteste zahlte damals auf Anraten von Bankfachleuten 200 Dinar (110 Euro) auf jedes Bankkonto im Rebellengebiet ein. Das Geld dafür kam aus zwei Tresorräumen, für deren Öffnung man drei Tage brauchte, weil einer der drei Schlüssel dafür in Tripolis lag. In einem der beiden Tresore lag Bargeld, berichtet Albagrmi, zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dinar (575 Millionen Euro), sowie kleine Mengen an Devisen. Im anderen lagern weiterhin die Goldvorräte.

Albagrmi versichert, dass die Buchhaltung sehr ernst genommen werde und keiner der Rebellen etwas aus den Räumen gestohlen habe. «Ein Bilanzprüfer könnte hier hereinkommen und er würde sehen, dass alles in bester Ordnung ist», sagt er.

Die Rebellen brauchen dringend Waffen

Die internationale Gemeinschaft zögert dennoch mit den Zahlungen, klagen die Rebellen. Die Freigabe von Milliarden durch die Sanktionen eingefrorene libysche Geldvorräte an den Übergangsrat scheiterten zunächst an rechtlichen Hürden, hiess es. Wochen später vermuten die Rebellen, das Geld werde ihnen nicht anvertraut, weil damit Waffen gekauft werden könnten. Diese würden sie aber dringend gegen die gut ausgerüsteten Ghadhafi-Truppen benötigen. Eine andere Sorge dürfte die Unberechenbarkeit der Rebellen sein, die noch immer eine weitgehend unbekannte Grösse sind.

Der Übergangsrat der Rebellen hatte bereits zu Beginn seiner Arbeit höchste Transparenz gelobt. Doch die Rebellen haben bisher unter anderem keine Erklärung abgegeben, was mit den Geldern geschehen ist, die sie von der Zentralbank geliehen haben. Genauso fehlt eine Auskunft über rund 129 Millionen Dollar aus einer erfolgreich durchgeführten Öllieferung an Katar und Millionenspenden von Exillibyern.

dapd/ami/Michelle Faul, AP

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