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Gefechte an Grenzen zur Türkei und zu Israel

Schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen in Syrien haben zu einer weiteren Flüchtlingswelle über die Grenze in die Türkei geführt. Auf den Golanhöhen sind erneut Granaten eingeschlagen.

Die syrische Armee und Aufständische haben sich im Nordosten Syriens heute Donnerstag einen heftigen Schlagabtausch geliefert, wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Viele Bewohner der syrischen Region, die nur einige hundert Meter von der türkischen Grenzstadt Ceylanpinar entfernt ist, flüchteten in die Türkei.

In einem Video der Nachrichtenagentur Dogan waren Menschen zu sehen, die in Panik davonrannten und Schutz suchten. Nach Medienberichten wurden auf türkischer Seite zwei Menschen verletzt. Die türkischen Zivilisten seien durch verirrte Kugeln bei Gefechten um den Posten Ras al-Ain im Nordosten Syriens getroffen worden, berichtete der türkische Fernsehsender NTV. Ras al-Ain ist einer der beiden letzten Grenzübergänge zur Türkei, der sich noch nicht in der Hand der Rebellen befindet.

Auf türkischer Seite verstärkten die Streitkräfte die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze. Die Behörden forderten die Bewohner von Ceylanpinar laut der Nachrichtenagentur Anadolu zudem auf, sich von der Grenze fernzuhalten.

Syrische Granaten schlagen auf Golanhöhen ein

Auf den Golanhöhen sind nach israelischen Angaben heute Donnerstag erneut Mörsergranaten aus Syrien eingeschlagen. Die drei Geschosse hätten niemanden verletzt, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Beschuss um ein Versehen gehandelt habe. Es war allerdings bereits das dritte Mal innerhalb einer Woche, dass die Grenze auf dem Golan von syrischer Seite aus verletzt wurde.

Erst am Samstag waren drei syrische Kampfpanzer in die Zone eingedrungen, in der sich nach dem Waffenstillstandsabkommen von 1974 nur UNO-Truppen aufhalten dürfen. Trotz einer Beschwerde Israels bei den Vereinten Nationen wurden sie erst vier Tage später wieder abgezogen. Israel betonte allerdings, der Vormarsch der Panzer sei nicht gegen das eigene Land gerichtet gewesen. Nach syrischen Angaben sollten sie dort syrische Rebellen bekämpfen. Auch ein israelisches Armeefahrzeug war am Montag von verirrten Kugeln aus Syrien getroffen worden. Israel hatte die Golanhöhen 1967 von Syrien erobert.

Erneut armenisches Flugzeug durchsucht

Die türkischen Behörden haben ein armenisches Flugzeug mit Hilfsgütern für Syrien zur Landung in der Türkei gezwungen. Die Maschine landete am Donnerstag auf dem Flughafen von Erzurum im Osten des Landes, wo es von Polizei und Militär durchsucht wurde, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Bereits Mitte Oktober war eine armenische Maschine auf dem Weg nach Syrien in der Türkei durchsucht worden.

Wenige Tage zuvor hatten türkische Kampfjets eine syrische Linienmaschine auf dem Weg von Russland nach Syrien zur Landung in der Türkei gezwungen. Der Vorfall löste erhebliche Spannungen zwischen beiden Ländern aus. Nach türkischen Regierungsangaben hatte die syrische Maschine Munition und Rüstungsgüter für Damaskus an Bord. Syrien wies dies zurück. Nach russischen Angaben transportierte das Flugzeug Teile für Radaranlagen.

Die Türkei war früher ein Verbündeter Syriens, hat sich aber wegen des Konfliktes zu einem der wichtigsten Kritiker von Staatschef Bashar al-Assad entwickelt.

Rotes Kreuz mit Krise überfordert

Die humanitäre Krise in Syrien hat sich nach Angaben des Roten Kreuzes derart zugespitzt, dass die Hilfsorganisation sie kaum noch bewältigen kann. Die humanitäre Lage verschlimmere sich, obwohl der Hilfseinsatz immer mehr verstärkt werde, sagte IKRK-Präsident Peter Maurer heute Donnerstag in Genf. Es gebe «eine Menge weisser Flecken» in Syrien, die das Rote Kreuz nicht mit Hilfsgütern versorgen könne. «Eine unbekannte Zahl von Menschen in Syrien bekommen nicht die Hilfe, die sie brauchen», sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).

Trotz Ausweitung der Hilfe und insgesamt besserem Zugang zu den Opfern, «können wir nichts gegen die Verschlechterung der Situation tun». «Es besteht kein Zweifel, dass sich die Krise jeden Tag verschärft. Dieser Trend dauert seit dem Sommer an.» Nach «schwierigen Verhandlungen» sei es vergangenes Wochenende gelungen, in zwei Quartieren der umkämpften Stadt Homs Hilfsgüter zu verteilen. Zudem habe das IKRK auch die Stadt Idlib erreicht. Über die Stadt hinaus sei das IKRK aber kaum gekommen.

Das IKRK könne unabhängiger als noch vor einigen Monaten in Syrien agieren, doch es sei dabei auf den syrischen Roten Halbmond angewiesen. Die Beziehungen bauten auf gegenseitigem Vertrauen. Allerdings könne er nicht ausschliessen, dass die Handlungen des syrischen Roten Halbmondes immer neutral seien, sagte Maurer.

Kein Zugang zu Gefangenen

Der Zugang des Roten Kreuzes zu Gefangenen in Syrien sei dagegen nicht verbessert worden, sagte Maurer. Bislang konnte das IKRK ein einziges Mal ein Gefängnis besuchen. Es verlangt bis Ende Jahr Zugang zu 25 Gefängnissen. Wegen des Konflikts in Syrien flohen laut UNO 360'000 Menschen in die Nachbarländer. Im Land selbst sind demnach rund 1,2 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Der Aufstand in Syrien gegen Machthaber Baschar al-Assad begann vor knapp 20 Monaten. Bei Kämpfen zwischen Regierungskräften und Aufständischen wurden nach Schätzungen von Menschenrechtlern bislang etwa 30'000 Menschen getötet.

SDA/rub

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