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Frankreich will 2500 Soldaten in Mali stationieren

Paris baut seine Militärpräsenz in Mali zügig aus – und lässt weitere Angriffe fliegen. Auch Belgien beteiligt sich nun am Einsatz. Die EU lädt noch für diese Woche zu einer Dringlichkeitssitzung ein.

Mission dauert an: Französische Soldaten in Gao, Mali. (25. Februar 2013)
Mission dauert an: Französische Soldaten in Gao, Mali. (25. Februar 2013)
AFP
Immer wieder kommt es zu Gefechten: Ein Mann weint, dessen Verwandter durch ein verirrtes Geschoss ums Leben kam bei einem Schusswechsel zwischen Truppen und Rebellen in Gao. (11. Februar 2013)
Immer wieder kommt es zu Gefechten: Ein Mann weint, dessen Verwandter durch ein verirrtes Geschoss ums Leben kam bei einem Schusswechsel zwischen Truppen und Rebellen in Gao. (11. Februar 2013)
AFP
Am 22. März 2012 putschen Soldaten den Präsidenten Amadou Toumani Touré aus dem Amt: Touré am Gipfel der Frankophonie in Montreux. (Archivfoto)
Am 22. März 2012 putschen Soldaten den Präsidenten Amadou Toumani Touré aus dem Amt: Touré am Gipfel der Frankophonie in Montreux. (Archivfoto)
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Frankreich wird die Stärke seiner Truppen im westafrikanischen Mali nach und nach auf 2500 Soldaten ausbauen. «Die Zahl von letztlich 2500 französischen Soldaten wird in Mali schrittweise erreicht werden», hiess es heute Dienstag im Umfeld von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in Paris.

Präsident François Hollande hatte zuvor mitgeteilt, derzeit seien 750 Soldaten an dem Militäreinsatz beteiligt. Die Zahl der Soldaten werde aber noch weiter steigen, sagte Hollande bei einem Besuch in Abu Dhabi. Heute Morgen traf laut französischen Militärangaben eine Kolonne von 40 französischen Panzerfahrzeugen und Truppentransportern in Bamako ein.

Luftangriffe auf Diabali

Hollande gab bekannt, dass die französische Luftwaffe über Nacht weitere Angriffe auf Ziele in Mali flog und dass diese «ihr Ziel getroffen» hätten. Laut einem Mitarbeiter der malischen Sicherheitskräfte galten die nächtlichen Angriffe Stellungen der Islamisten in Diabali, rund 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako.

Bei den Luftangriffen seien mindestens fünf islamistische Kämpfer getötet und mehrere andere verletzt worden. Islamistische Einheiten aus dem Norden Malis hatten Diabali gestern erobert.

Hollande in Abu Dhabi

Der französische Präsident flog über Nacht zu einem seit längerem geplanten Besuch in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort begab er sich zunächst zu einem Marine-Stützpunkt in Abu Dhabi.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hatte am Freitag in den Konflikt im westafrikanischen Mali eingegriffen und geht seitdem unter anderem mit Luftangriffen gegen Islamisten vor, die weite Teile des Nordens des Landes kontrollieren. Anlass für die Intervention war der Versuch der Rebellen, weiter nach Süden vorzustossen.

Mali-Sondersitzung in Brüssel

EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton hat die EU-Aussenminister noch für diese Woche zu einer Mali-Dringlichkeitssitzung nach Brüssel bestellt. Es werde ein Treffen für Donnerstag vorbereitet, verlautete aus EU-Diplomatenkreisen. Dabei solle beraten werden, wie die EU-Länder die malische Regierung und die französischen Angriffe gegen die islamistischen Rebellen im Norden unterstützen können.

Dazu gehöre Ausbildungshilfe für die regulären Streitkräfte, finanzielle und logistische Hilfe für eine afrikanisch geführte Militärmission sowie direkte Hilfe für die malische Regierung, erklärte Ashton am Montagabend. Den unter anderem von EU-Parlamentariern geforderten Einsatz einer EU-Kampftruppe erwähnt die Chefdiplomatin nicht.

Unterstützung der ECOWAS

Mit seinem Militäreinsatz will Frankreich verhindern, dass die Aufständischen weiter auf die Hauptstadt Bamako vordringen. Dort berieten am Dienstag die Militärchefs der Mitgliedsländer der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS über die Aufstellung einer rund 3300 Mann starken gemeinsamen Kampftruppe.

Der französische Präsident Hollande erwartet, dass es bis zum geplanten ECOWAS-Einsatz noch «gut eine Woche» dauern wird. Länder wie Niger, Burkina Faso, Senegal, Togo, Nigeria und Benin sollen daran teilnehmen.

Belgien beteiligt sich an Einsatz

Auch Belgien unterstützt den französischen Militäreinsatz gegen islamistische Aufständische in Mali. Rund 80 Soldaten werden in das westafrikanische Land geschickt, zudem zwei Transportflugzeuge und ein Rettungshelikopter. Die Soldaten sollen sich um den Betrieb der Flugzeuge kümmern und nicht an Kämpfen teilnehmen, sagte Verteidigungsminister Pieter De Crem laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga vom Dienstag.

Von den beiden Transportflugzeugen des Typs Hercules C-130 befinde sich eines bereits in der Region, das zweite werde am Mittwoch in Mali ankommen. Der für den Transport und die Behandlung von Verletzten ausgerüstete Helikopter sei voraussichtlich am kommenden Montag in Mali einsatzbereit.

Belgiens Aussenminister Didier Reynders sagte, der französische Einsatz solle so rasch wie möglich zu einem internationalen Einsatz werden, «bei dem wir weiterhin eine Rolle spielen werden». Frankreich habe «mit raschem Handeln eine internationale Operation vorweggenommen». Er bedauerte die Langsamkeit einer internationalen Antwort auf den Vormarsch der Islamisten in Mali.

Fast 150'000 Malier ins Ausland geflüchtet

Mit der Zunahme der Kampfhandlungen in Mali nimmt auch die Zahl der Flüchtlinge zu: Fast 150'000 Malier sind nach Angaben der UNO wegen des Konflikts in ihrer Heimat ins Ausland geflüchtet.

Die wichtigsten Aufnahmeländer für die Flüchtlinge sind laut UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) die Nachbarstaaten Mauretanien (rund 54'000), Niger (50'000) und Burkina Faso (knapp 39'000). Weitere 230'000 Menschen hätten zwar ihre Wohnorte verlassen, sich aber an andere Orte innerhalb Malis begeben. Das Welternährungsprogramm (WFP) teilte mit, für die Versorgung der Malier mit Lebensmitteln würden 129 Millionen Dollar benötigt.

sda/dapd/AFP/rub

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