Festnahmen nach Lynchmord in Israel

Erneut haben Palästinenser in Israel einen Polizisten attackiert. Im Fall des Unbeteiligten, der nach einem anderen Angriff getötet wurde, verhaftete die Polizei vier Verdächtige.

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Nach der Tötung eines Manns aus Eritrea durch eine wütende Menge hat die Polizei vier Verdächtige festgenommen. Der Eritreer war nach einem Anschlag in Israel irrtümlich für einen Attentäter gehalten und angegriffen worden.

Die mutmasslich an der Misshandlung Beteiligten seien im südlichen Beer Sheva, wo sich der Vorfall am Sonntag ereignet hatte, in Gewahrsam genommen worden und sollten am Donnerstag einem Richter vorgeführt werden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Es sei mit weiteren Festnahmen zu rechnen.

Der 29-jährige Mann aus Eritrea wurde zunächst von einem Wachmann angeschossen und dann von einer wütenden Menge misshandelt und gegen den Kopf getreten. Er erlag am Montag seinen schweren Verletzungen.

Der Eritreer hatte sich zufällig im Busbahnhof von Beer Sheva aufgehalten, als dort ein Anschlag verübt wurde. Ein arabischer Israeli tötete dabei einen 19-jährigen Soldaten, erbeutete dessen Gewehr und verletzte etwa zehn weitere Menschen. Der 21-jährige Angreifer, ein Beduine aus der Region, wurde von Polizisten erschossen.

Neuer Messerangriff

In Israel ist bei einem neuen Messerangriff ein Polizist verletzt worden. Zwei palästinensische Angreifer seien in der Stadt Beit Shemesh «ausser Gefecht gesetzt» worden, teilte ein israelischer Polizeisprecher am Donnerstag mit. Die mit Messern bewaffneten Männer hätten versucht, in der westlich von Jerusalem gelegenen Stadt in eine Synagoge einzudringen, berichteten israelische Medien.

Israelische Soldaten hatten am Mittwochabend einen Israeli erschossen, den sie für einen palästinensischen Attentäter hielten. Der Mann habe sie nach ihrer Darstellung zuvor geschlagen und versucht, einem von ihnen die Waffe wegzunehmen, teilte Polizeisprecher Micky Rosenfeld mit. Die genauen Umstände des Vorfalls würden noch geprüft.

Bei rund 30 palästinensischen Anschlägen und Konfrontationen von Demonstranten mit Sicherheitskräften sind seit Monatsbeginn neun Israelis, der Eritreer und mehr als 50 Palästinenser getötet worden. Die meisten Palästinenser waren Attentäter, die bei ihrem Anschlag von Sicherheitskräften oder Zivilisten erschossen wurden.

Als ein Auslöser der neuen Gewalt gilt ein Streit um die Nutzungsrechte des Tempelbergs in Jerusalem, der Muslimen und Juden heilig ist. Israel streitet palästinensische Vorwürfe ab, es wolle mehr Kontrolle über die drittheiligste Stätte des Islams erlangen.

USA distanzieren sich von Netanyahus Kommentar

Die US-Regierung hat sich derweil von den umstrittenen Aussagen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zum Holocaust distanziert. Der Sprecher des US-Aussenministeriums, John Kirby, erklärte am Mittwoch in Washington, Netanyahus Darstellung entspreche «nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen».

Netanyahu hatte in seiner Heimat scharfe Proteste mit der Äusserung ausgelöst, Adolf Hitler habe die Juden ursprünglich nur vertreiben wollen. Der Mufti von Jerusalem habe ihn jedoch überzeugt, die Juden zu vernichten.

Zum Auftakt seines Deutschlandbesuchs am Mittwoch wiederholte Netanyahu die Aussage nicht, sondern erklärte: «Hitler ist verantwortlich für den Holocaust. Niemand sollte das in irgendeiner Weise leugnen.» US-Aussenminister John Kerry soll Netanyahu am (heutigen) Donnerstag in Berlin treffen.

Israel und die Palästinensergebiete werden seit Anfang Oktober von neuer Gewalt erschüttert. Seit Monatsbeginn wurden mehr als 45 Palästinenser und acht jüdische Israelis getötet.

sda

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