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Fanatiker mit Nickelbrille und US-Pass

Osama bin Laden ist seit vier Monaten tot. Nun ist im Jemen ein weiterer Top-Terrorist ins Visier der USA geraten. Der Hassprediger Anwar al-Awlaki ist im Jemen bei einem Luftangriff getötet worden.

Aus einer Fernseh-Hasspredigt: Anwar al-Awlaki, der US-Bürger kam bei einem Angriff im Jemen ums Leben. (8. November 2008)
Aus einer Fernseh-Hasspredigt: Anwar al-Awlaki, der US-Bürger kam bei einem Angriff im Jemen ums Leben. (8. November 2008)
Keystone
Das Verteidigungsministerium in Jemen bestätigte den Tod al-Awlakis. (8. Oktober 2008)
Das Verteidigungsministerium in Jemen bestätigte den Tod al-Awlakis. (8. Oktober 2008)
Keystone
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«Zögert nicht, Amerikaner zu töten – entweder sie oder wir», lautete eine Botschaft, die der nun im Jemen getötete radikalislamische Prediger Anwar al-Awlaki noch im vergangenen November im Internet verbreitete.

Für die Regierung in Washington galt der US-Bürger zu diesem Zeitpunkt schon länger als führender Kopf der Terrororganisation al-Qaida auf der arabischen Halbinsel: Bereits Anfang April hatte sie ihn zur gezielten Tötung freigegeben.

Wegen seiner mutmasslichen Beteiligung an der Ermordung von Ausländern im Jemen befand sich Awlaki zudem im Visier der Behörden in Sanaa. Bereits Ende 2009 flogen sie in der südlichen Provinz Schabwa einen Luftangriff auf sein mutmassliches Versteck und töteten 34 Menschen, verfehlten Awlaki aber.

Erst seit fünf Jahren im Jemen

Awlaki wurde 1971 im US-Bundesstaat New Mexico geboren. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte der inzwischen 40-Jährige in den USA, bevor er im Jahr 2006 in den Jemen zog. Die dortigen Sicherheitsbehörden gingen bald davon aus, dass er der al-Qaida angehöre.

Doch soll er nie ein aktiver Kämpfer gewesen sein, sondern seine radikale Ideologie im Internet und bei persönlichen Gesprächen mit Gleichgesinnten verbreitet haben. Dazu soll er unter anderem selbst Internetseiten betrieben sowie Hörstücke über das Leben des Propheten geschrieben und über das Internet verkauft haben.

Die ersten Lebensjahre verbrachte Awlaki

Awlaki stammte aus einem wohlhabenden Haus. Sein Vater Nasser al-Awlaki war einst jemenitischer Landwirtschaftsminister und Universitätsrektor in Sanaa gewesen. Die ersten Lebensjahre verbrachte Awlaki in den USA, im Jahr 1978 zog er mit seinen Eltern in den Jemen.

Rund 13 Jahre später kehrte er in die USA zurück, studierte im Bundesstaat Colorado Ingenieurwissenschaften und erwarb in Kalifornien einen Master in Erziehungswissenschaften. Später arbeitete er unter anderem für eine Wohltätigkeitsorganisation eines jemenitischen Geistlichen in den USA, den die US-Regierung als «globalen Terroristen» bezeichnete.

Leitfigur für Attentäter

Nach offiziellen US-Angaben traf Awlaki auch zwei der Attentäter vom 11. September 2001, die ihn als religiöse Leitfigur ansahen und eine enge Beziehung zu ihm aufbauten. Einige Monate nach seiner Rückkehr in den Jemen im Jahr 2006 musste er wegen Beteiligung an der Entführung des Sohns einer reichen jemenitischen Familie ins Gefängnis.

Ziel der Aktion war die Erpressung von Lösegeld, «um damit al-Qaida zu finanzieren», wie die jemenitischen Behörden angaben. Im Jahr 2008 wurde Awlaki, Vater von fünf Kindern, auf Intervention jemenitischer Würdenträger freigelassen, sollte aber in Sanaa bleiben.

Einige Monate später verliess er die Hauptstadt aber offenbar und reiste in die östliche Provinz Schabwa. Dort versteckte er sich laut den jemenitischen Sicherheitsbehörden im Haus seines Grossvaters.

Anschläge in den USA

In der Region soll Awlaki unter anderem den auch als «Unterhosenbomber» bekannten Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab getroffen haben. Dieser hatte an Weihnachten 2009 kurz vor der Landung einer Passagiermaschine am Flughafen von Detroit versucht, einen in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden. Der Prozess gegen Abdulmutallab soll am Dienstag in Detroit beginnen.

Zudem kannte Awlaki nach eigenen Angaben auch den palästinensischstämmigen US-Major Nidal Hasan, der Anfang November auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood im Bundesstaat Texas 13 Menschen tötete.

Seit dem tödlichen Bombardement der jemenitischen Luftwaffe vom Dezember 2009 war Awlaki verschwunden. Nach neuen Angaben von Stammesvertretern suchte er in verschiedenen Teilen des Landes Unterschlupf und reiste erst vor wenigen Tagen in die Provinz Marib, wo er nun offenbar ums Leben kam. Vertreter des Jemen und der USA bestätigten seinen Tod. Unklar blieb, ob US-Einheiten oder jemenitische Truppen den Terroristen getötet haben.

sda/AFP/kpn

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